Kommentar zu einem möglichen Fahrverbot: Zeit verspielt

Kommentar  Ein Fahrverbot ist auch in Heilbronn gut möglich. Aber nicht jeder Dieselbesitzer sollte hektisch handeln. Ein Kommentar von Carsten Friese. 4014073

Von Carsten Friese

Zeit verspielt

Es ist die entscheidende Frage, die Besitzer älterer Diesel-Autos umtreibt: Kommen Gegenmaßnahmen gegen zu hohe Stickoxidwerte in Heilbronn noch rechtzeitig oder ist das eigene Auto bald lahmgelegt?

Es könnte zu einem Wettlauf gegen die Zeit werden. Wenn das Regierungspräsidium bis Ende 2018 einen neuen Luftreinhalteplan vorlegt, hat es im Vorfeld durch Abwarten viel Zeit verspielt. Bis dahin wird das Gericht in Stuttgart den Heilbronner Fall entschieden haben. Und eigentlich kann es nach dem Spruch der Bundesrichter gar nicht anders, als auch in Heilbronn rasch umsetzbare Maßnahmen bis zu einem möglichen Fahrverbot einzufordern.

Dass die Stadt auf vielen Feldern Förderprojekte anstößt, ist nach Jahren des Abwartens lobenswert. Ob es für Autos mit den ältesten Abgasstandards noch reicht, um ein Fahrverbot zu umgehen, ist indes fraglich. Weil auch Förderprojekte erst einmal bewilligt und umgesetzt werden müssen. Gleichwohl hätte auch die Stadt Heilbronn eine Chance, vielversprechende Anreize im Nahverkehr schnell zu setzen. Ludwigsburg hat beschlossen, Tagestickets für Stadtbusse für drei Euro anzubieten. Es kostet die Stadt Geld, kann unterm Strich aber eine Entlastung bei Staus und Abgasen bringen. Es gibt Konzepte, die man allein stemmen kann − ohne nach Fördertöpfen von Bund und Land zu schielen.

Dieselbesitzer sollten die Dinge mit kühlem Kopf angehen. Wer ein Auto der Euro-5-Norm hat, wird wohl noch eine Schonfrist haben. Eine Zeit, in der Luftschadstoffwerte durch anlaufende Projekte sinken werden. Und wer die möglichen Ausnahmefälle im Fall Stuttgart sieht, erkennt: Nicht jeder sollte in Panik gleich seinen Diesel verscherbeln.

Ihre Meinung? carsten.friese@stimme.de