Kater mit Schrot angeschossen

Weinsberg - Zuerst dachte Kristina Stadtmüller aus Wimmental noch, ihr Kater sei angefahren worden – doch der Tierarzt hatte eine andere Erklärung, warum der zweijährige Anton nun schwer verletzt auf dem OP-Tisch in der Tierklinik liegt: Jemand muss auf ihn geschossen haben.

Von Adrian Hoffmann



Weinsberg - Zuerst dachte Kristina Stadtmüller aus Weinsberg-Wimmental noch, ihr Kater sei angefahren worden – doch der Tierarzt hatte eine andere Erklärung, warum der zweijährige Anton (Foto: Adrian Hoffmann) nun schwer verletzt auf dem OP-Tisch in der Tierklinik liegt: Jemand muss auf ihn mit Schrot geschossen haben. Kristina Stadtmüller, 30-jährige Rechtsanwältin in Heilbronn, ist erschüttert. „Ich habe noch nie daran gedacht, dass so etwas überhaupt passieren kann“, sagt sie.

Es geschah am vergangenen Samstagmorgen, wahrscheinlich gegen 8.30 Uhr. Ein Anwohner in ihrer Straße, die am Hang liegt und direkt an Weinberge grenzt, will um diese Zeit einen Schuss gehört haben. René Stadtmüller, 43, arbeitete gerade im Garten, als sich Kater Anton von seinem Streifzug zurückschleppte. Als er den Kater in blutüberströmtem Zustand sah, rief er sofort seine Frau – dann sind sie zusammen zum Tierarzt gefahren.

Drei verletzte Pfoten

Mittlerweile befindet sich der Kater in der Kleintierklinik im Neckargarten in Heilbronn. „Die Beine sind sehr schwer verletzt“, sagt Dr. Hartmut Müller. „Der Kater hat Trümmerfrakturen, Knochen sind zersplittert.“ Dazu steckten Projektiltrümmer als Fremdkörper im Gewebe (siehe Röntgenbild), wodurch das Infektionsrisiko groß sei. Prinzipiell sei der Kater trotz drei verletzter Pfoten überlebensfähig, sagt Müller. „Die Situation ist aber wirklich schwierig.“ Es gebe Chancen und Risiken. Letztlich werde es Monate dauern, bis absehbar sei, ob der Kater wieder normal leben kann. Die ersten Wochen nach der Operation muss er im Käfig gehalten werden.

Anzeigen erstattet

Kristina Stadtmüller erstattete Anzeige gegen Unbekannt: wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Polizei ermittelt. Die Anwältin sieht zusätzlich auch einen Verstoß gegen das Waffengesetz: In unmittelbarer Nähe zum Ort dürfen Tiere grundsätzlich nicht geschossen werden.

„Es gibt noch keine Hinweise“; sagt Polizeisprecher Rainer Köller. „Wir hatten in der letzten Zeit keine vergleichbaren Taten.“

„Ich verstehe einfach nicht, wie man das einem Tier – und das auch noch absichtlich – antun kann“, sagt Kristina Stadtmüller. „Dabei dachten wir wirklich, dass Wimmental für Katzen ideal ist, weil es so ruhig und idyllisch wirkt.“ Der weiß-graue Kater Anton trug ein rotes Halsband mit Glöckchen, deshalb kann sich Stadtmüller nicht vorstellen, dass er mit einem Hasen verwechselt wurde. Sie spricht von einem Tierhasser. Das Schrot müsse aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden sein, sonst wäre die Streuung größer gewesen.

Dass Haustiere mit Schrot angeschossen werden, kommt nach Einschätzung von Tierarzt Müller selten vor – Schrot wird eigentlich nur bei der Jagd auf Kleinwild verwendet. Einen solchen Fall wie diesen habe er noch nie erlebt. „Das ist eine Riesensauerei“, sagt er.

Klare Gesetze

Für Jäger gelten klare Regeln. Im Landesjagdgesetz heißt es unter Paragraf 29: „Sie dürfen streunende Katzen in einem Jagdbezirk töten, soweit diese in einer Entfernung von mehr als 500 Meter zum nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden.“ Kristina Stadtmüller ist sich sicher: Ihr Kater hätte mit diesen Verletzungen eine solche Strecke nicht zurücklegen können.

Interesse an Ärger mit Haustierbesitzern haben Jäger in der Regel keines – auch der Polizei ist kein Fall in den vergangenen Monaten bekannt. Kreisjägermeister Paul Röckel: „Normalerweise lässt man Katzen laufen.“ Wenn man eine Katze immer wieder streunen sehe, sollte man als Jäger den Besitzer ansprechen und darum bitten, das zu kontrollieren.

Haustierbesitzer in Wimmental sind verunsichert. Manche trauen sich nicht mehr, ihre Katze aus dem Haus oder ihren Hund von der Leine zu lassen. Stadtmüllers haben noch eine zweite Katze – auch sie muss vorerst im Haus bleiben. Kater Anton wird in den nächsten Tagen wieder nach Wimmental kommen. Die Kosten für Operationen und Behandlungen bewegen sich schon jetzt im vierstelligen Bereich.