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Kampfansage an Läpple-Vorstand (03.05.2010)
Von Adrian Hoffmann
Heilbronn - Gedrückte Stimmung hat am Montagmittag bei einer Demonstration von Läpple-Mitarbeitern vor Tor I des Automobilzulieferers in Heilbronn geherrscht – gepaart mit Wut und Kampfbereitschaft. Nach Schätzung der Polizei nahmen mehr als 400 Menschen an der Kundgebung teil.
Valentin Luschenz, Betriebsratsvorsitzender, hielt eine wutentbrannte Rede. Wie könne man denn mit solchen „ekelhaften Menschen, die nichts anderes im Sinn haben, als Existenzen zu vernichten, überhaupt noch sinnvolle Gespräche führen“, schimpfte er über den Unternehmensvorstand.
„Wir sind die Läpple-Familie“ war auf dem Banner vor ihm zu lesen, die Mitarbeiter versammelten sich mit Fahnen und Pfeifen ausgerüstet drum herum. „Diese Menschen, die hergehen in ihren Besprechungen und sagen, es muss Blut spritzen, damit Köpfe rollen“, so der wutentbrannte Luschenz weiter, der vor Zorn auch auf den Tisch vor ihm schlug, „die müssen raus.“ Mit den Arbeitnehmervertretern werde es keine Lösung geben, wenn das Sanierungskonzept des Vorstandes nicht geändert werde. Nach diesem Konzept sollen 700 Stellen gestrichen werden. "Es muss ein Ende haben, wir werden kämpfen", sagte Luschenz.
Viele Mitarbeiter sind deprimiert und haben wenig Hoffnung, dass sich bei Läpple noch etwas in ihrem Sinne entwickelt. „Es geht um Existenzen“, sagte Martin Greiner, Profilschleifer von der Fibro in Weinsberg. „Es geht um Familien. Da haben junge Leute Häuser gebaut, was machen die? Die jungen Leute, die können überhaupt nicht mehr in die Zukunft denken. Ich bin so aufgewühlt, ich kann gar nichts mehr sagen.“
Gerd Ivenz, Anlagenbauer, übte wie manch anderer auch Kritik am Heilbronner Oberbürgermeister. „Ich vermisse, dass er nichts anderes im Kopf hat als seine Bundesgartenschau.“ Hier bei Läpple gehe es schließlich um 700 Arbeitsplätze.
Besonderen Unmut erregte ein Mitglied der Läpple-Unternehmensführung, das vom zweiten Stock aus die Demonstration beobachtete. Mitarbeiter reagierten erbost. „Charakter haben die keinen“, sagte Roland Szopa, Betriebsrat, über einige Mitglieder des Aufsichtsrats, der um 15 Uhr tagte. Es gehe nur noch um Vernichtung von Arbeitsplätzen und darum, das Betriebsgelände zu leeren.
Letzte Hoffnung Kreissparkasse
„Unsere einzige Hoffnung ist die Kreissparkasse“, sagte Szopa. „Die haben 80 Millionen im Unternehmen sitzen. Und die haben richtig Macht, die Aufsichtsräte und die Familie wachzurütteln.“ Da viele Läpple-Mitarbeiter Kreissparkassen-Kunden seien, „müssten die eigentlich ein noch größere Interesse haben.“
SPD-Bundestagsabgeordneter Josip Juratovic sagte auf dem Podium zu den Mitarbeitern: „Es kann nicht sein, dass Ihr das Opfer dieser Spekulationsgeschäfte werdet.“
Jürgen Ergenzinger, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, kritisierte das Bestreben der Unternehmensleitung, Beschäftigte von der Demo fernzuhalten. Man habe versucht, einen Formalismus einzuführen nach dem Motto. Jeder muss sich die Teilnahme genehmigen lassen. „Da sage ich Pfui dazu“, so Ergenzinger.
Die Stimmung sei sehr angespannt, fasste Betriebsrat Matthias Weber zusammen. Die Mitarbeiter warten auf Neuigkeiten. „Alles oder nichts.“
03. Mai 2010
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