Jürgen Mennel ist wieder da

Heilbronn - Der Obersulmer Extremläufer ist in vier Wochen über 2200 Kilometer gerannt. Erst letzten Donnerstag lief er in Athen ein. An der Hochschule Heilbronn berichtete er jetzt von seinen Erlebnissen.

Von Helmut Buchholz

 

 
Heilbronn - Applaus brandet auf, als Jürgen Mennel das Foyer der Hochschule betritt. Es ist der erste öffentliche Auftritt des Extremsportlers nach seinen Athenlauf. Gut erholt sieht der Mann am Montagabend aus, obwohl er erst am vergangenen Donnerstag in der griechischen Hauptstadt angekommen ist – und damit 2200 Kilometer in vier Wochen von Heilbronn nach Athen gerannt ist.
 
„Ich habe nur 150 Gramm abgenommen“, sagt der 50-Jährige mit einem Lachen im Interview mit Alexander Schnell. Der Stimme-Redakteur fasst die Bewunderung, aber auch das Unverständnis mancher in Fragen. Wie kann das ein Mensch schaffen: Pro Tag zwischen 80 und 100 Kilometer rennen, bei nur zwei bis fünf Stunden Schlaf?
 
Quartiersuche
 
„Spaß hat es schon lange nicht mehr gemacht“, sagt der Obersulmer in der Aula der Hochschule. Nach den üblen Erfahrungen bei der abendlichen Quartiersuche habe ihn nur eins motiviert: „der Ausblick auf das Ziel“. Fast ist der 50-Jährige schon verwundert darüber, dass seine Muskulatur die Strapazen mitgemacht hat. „Willenskraft reicht nicht aus, du musst auch locker sein.“
 
 
Schwieriger war es, so viel zu essen zu bekommen, wie er an Energie verbrennt. Mennel listet eine übliche Ration auf: „Zwei, drei Pizzas, drei, vier Milchshakes und acht kleine italienische Süßigkeiten.“ Alles bei einem Mahl, wohlgemerkt. Vom Fisch essen ist er abgekommen. „Zu viele Gräten, das kostete zu viel Zeit.“ Noch so ein Problem: die richtigen Laufschuhe zum Streckenbelag finden. Das sei ein „psychologisches Pingpongspiel“ gewesen. Sechs bis acht Paar Laufschuhe hatte Mennel dabei – und „zugefütterte Ballettschuhe“.
 
Unterstützung
 

"Ich muss aufpassen wie ein Luchs"

 
Noch eins trug diesen zähen Menschen ins Ziel „Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich das nie geschafft.“ Seine Frau Ursula ist jetzt „heilfroh“, dass der Gatte wieder daheim ist. Da war außerdem noch sein Team im Begleitfahrzeug, Leute wie der Fotograf Alexander Rieß, die Mennel halfen.
 
Die schier unglaubliche Leistung wird nachklingen. Dafür wird die elektronische Wissensstafette sorgen, die den Athenlauf auf Mennels Homepage begleitete. Martin Haag, Professor in Heilbronn, und der Student Hendrik Graupner, ließen die 40 Beiträge von Wissenschaftlern Revue passieren, die den Ausdauersport aus zig Perspektiven untersuchten.
 
Auch wenn diese Beiträge auf der Internetseite mit 837 Zugriffen im Vergleich zu Mennels Tagebuch mit 7032 Klick etwas abfällt, war die Stafette für Haag „ein voller Erfolg“. Denn die Projekte laufen auch ohne Mennel weiter.
 
Info: Auf seiner Homepage www.athenlauf.de hat Jürgen Mennel ein Tagebuch und viele Fotos veröffentlicht.