Homosexuelles Paar verzweifelt bei Wohnungssuche

Heilbronn  Seit einem Jahr erleben sie Absagen von Vermietern: Zwei Männer fühlen sich diskriminiert. Der Mieterbund verweist auf ein enormes Problem für viele Gruppen, weil es viel zu wenig günstige Wohnungen gibt.

Von Carsten Friese

Homosexuelles Paar verzweifelt bei Wohnungssuche
Bei der Wohnungssuche stand die Ampel für Krsto Vuceric (li.) und Partner Louis bisher auf Rot. Seit einem Jahr ist ihr Bemühen in Heilbronn ohne Erfolg. Foto: Friese

Sie erleben die schwierige Wohnungssituation wie viele andere auch, und doch ist bei ihnen etwas anders. Seit gut einem Jahr bemühen sich Krsto Vuceric (46) und der 21-jährige Louis um eine kleine Wohnung in Heilbronn oder direkter Umgebung. Und sobald sie ehrlich angaben, dass sie ein homosexuelles Paar sind und in amtlich eingetragener Partnerschaft leben, wechselte bei Vermietern die Stimmung. "In 90 Prozent der Fälle hieß es dann Nein", berichtet Vuceric. Die restlichen Anbieter sagten zu, sich zu melden - was nicht mehr geschehen sei.

Seit 1. Oktober gilt in Deutschland die Gleichstellung homosexueller Paare in der Ehe. Im Alltag bestehen offenbar aber noch einige Hürden. "Wir wären total glücklich, wenn wir ein Zimmer mit Bad und kleiner Küche hätten", betont Vuceric. Die Enttäuschung ist bei beiden groß, dass sie in Deutschland auf diese Probleme stoßen. Gerade weil sie in ihren Heimatländern Serbien und Kroatien nicht offiziell zusammenleben konnten, im Alltag offene Diskriminierung herrsche, seien sie 2015 hierher gekommen. Vuceric arbeitet nach seinen Angaben Vollzeit in einer Fabrik in Heilbronn. Lebenspartner Louis macht einen zweijährigen Deutschkurs in einer Schule. Sein Berufsziel: Altenpfleger.

Rückzieher trotz fertigem Mietvertrag

In einer Asylunterkunft, in einer Gemeinschaftsunterkunft für Arbeiter und auf der Straße hat Vuceric schon gelebt. Jetzt leben sie im Wechsel bei Bekannten. Da er für zwei relativ wenig verdient, hat Vuceric eine Zusage des Jobcenters, dass die Behörde für das Paar eine Kaltmiete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung von rund 470 Euro übernehmen würde. In einem Fall war der Mietvertrag schon ausgefüllt, nur die Unterschrift fehlte. Als Vuceric die Zusage der Behörde vorlegte, wollte der Vermieter plötzlich nicht mehr, sagt er. Ein neuer Tiefschlag.

Bei der Stadtsiedlung, der Gewo haben sie es versucht, wie viele andere stehen sie auf Wartelisten. Im Obdachlosenheim haben sie nach einem Zimmer für zwei nachgefragt - und nach ihren Angaben eine abweisende Antwort wegen ihrer Homosexualität erhalten. Weil dort auch Familien mit Kindern wohnten. Bei Caritas und Diakonie haben sie auch bereits angeklopft. Vuceric: "Keiner konnte helfen."

Anwalt: Sexuelles Verhalten muss man nicht preisgeben

Große Probleme bei der Wohnungssuche "haben viele", sagt Alfred Huber vom Mieterbund Heilbronn-Franken. Auch Alleinerziehende oder Menschen mit unsicheren finanziellen Verhältnissen hätten "enorme Schwierigkeiten". Es gebe zu wenige günstige Wohnungen, es entstünden zu wenige geförderte Wohnungen. Die Stadt habe "zwar einiges vor, aber es ist noch nicht zum Tragen gekommen".

Nach Auffassung von Mieterbund-Rechtsanwalt Rainer Eckert ist es nicht nötig, dass Homosexuelle auf Wohnungssuche ihre Partnerschaft offenlegen. Ein sexuelles Verhalten "muss man nicht preisgeben". Wenn beide einen Vertrag unterschreiben, "haftet ja jeder für das Ganze". Wer indes falsche Angaben zu Einkommen oder Zahlungsfähigkeit macht, könne wegen "Eingehungsbetrug" angezeigt werden.