Heilbronnerin bloggt erfolgreich übers Reisen

Heilbronn  Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die Heilbronnerin Katrin Lehr reist um die Welt und berichtet in ihrem Blog "Viel unterwegs" davon.

Von unserer Redakteurin Vanessa Müller

Kubaner brauchen keine Regencapes brauchen keine Regencapes
Trotz Vollzeitjob: Katrin Lehr reist um den Globus.

Es ist die eine Geschichte, die sie bis heute nicht losgelassen hat. Sie handelt von Sonne, Palmen - und dem wahren Leben in Mittelamerika. Mit dem Bus will sie von Guatemala nach Mexiko reisen. "Zuerst habe ich gedacht, der Mann ein paar Sitzreihen entfernt ist ein Vater mit seinen drei Kindern", sagt Katrin Lehr. Dann sieht sie den Geldbeutel mit den dicken Scheinen, die er dem Fahrer übergibt. Und erfährt von einem Mitreisenden, der die spanischen Gespräche verfolgt hat, dass zwei Coyotes an Bord sind - Menschenschmuggler.

Von den zwölf Leuten im Bus sind nur fünf Touristen. Die anderen kommen weit aus dem Süden des Kontinents. Und wollen ins gelobte Land, die USA. "Die Kinder hatten kein Gepäck, kein Geld. Wahrscheinlich waren sie dazu bestimmt, später Drogen zu schmuggeln", vermutet die Heilbronnerin. "Ich dachte nur: Wie krass. Das passiert wirklich. Und wir sind live dabei."

Ein Link ist viel wert

Zurück in Deutschland schreibt sie die Geschichte auf und stellt sie ins Internet. Dazu kommen Fotos und Tipps, wie man die Grenze als Tourist dennoch ohne Risiko überqueren kann. "Wir haben uns trotz allem nie unsicher gefühlt und können nur empfehlen, den Weg von Flores nach Bethel zu gehen - auch das Erlebte war diese Tour wert", notiert die 36-Jährige in ihr Blog "Viel unterwegs" .

Kubaner brauchen keine Regencapes brauchen keine Regencapes

 

Persönliche Texte und neue Blickwinkel, die oft viel aktueller sind als jeder Reiseführer: Travelblogs werden immer beliebter. Schreiber wie Katrin Lehr haben das geschafft, wovon viele andere träumen. Sie tingeln hauptberuflich, in Teilzeit oder ihrem Urlaub um die Welt. Sie erzählen von ihren Erfahrungen und verraten Tricks rund ums Unterwegssein. Manchmal müssen sie für ihre Trips nicht mal etwas bezahlen. Dann lernen sie Land und Leute auf Einladung von Tourismusverbänden, Hotels oder Airlines kennen. Die bieten die Zimmer und Flüge natürlich nicht aus reiner Freundlichkeit an. "Ein Link zu einer Unternehmens-Homepage ist viel wert im Internet", weiß Katrin Lehr. "Eine persönliche Empfehlung in einem Blog ist für die Anbieter gute Werbung."

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Das Meer, viel Kultur, Street Art und leckeres Essen: Barcelona ist eine der Lieblingsstädte der Bloggerin.

Deshalb achtet sie darauf, nicht jedes Angebot anzunehmen. Es muss zu ihr und zum Blog passen. Wandern in Belgien, Kochkurs in Thailand, schnorcheln in Belize: "Den größten Teil meiner Reisen habe ich bisher selbst bezahlt", sagt Katrin Lehr. Sie will ehrlich berichten. Dazu gehöre es auch, abseits der touristischen Ziele mal in eine schmuddelige Seitenstraße abzubiegen und dort Spannendes zu entdecken. "Ich möchte Lesern ersparen, ewig zu googeln, wenn sie Infos suchen", erklärt sie, warum aus ihrem Netztagebuch zu Themen wie Städtetrips, Streetart und Extremsport irgendwann ein reines Reiseblog wurde.

"Viel unterwegs" ist seit August 2013 online. Seitdem steigen die Zugriffszahlen kontinuierlich von Woche zu Woche. "Anfang des Jahres hatte ich noch 5400 einmalige Besucher, so genannte Unique Visitors, im Monat", sagt die Heilbronnerin. Mittlerweile sind es über 20 000. Ab 10 000 gilt ein Blog in Deutschland laut Experten als erfolgreich. Ihre Facebook-Seite gefällt 1200 Personen, 850 folgen ihr auf Twitter, 400 sind es bei Instagram.

Kubaner brauchen keine Regencapes brauchen keine Regencapes
Hier liegt Reisenden Barcelona zu Füßen: Vom Tibidabo kann man auf der einen Seite bis zur Costa Brava blicken, auf der anderen bis in die Pyrenäen.

Irgendwo auf der Welt

Nur noch reisen. Das Büro in irgendeinem Hotelzimmer irgendwo auf der Welt: Zum digitalen Nomaden zu werden ist für Katrin Lehr keine Option. "Wenn ich vom Schreiben leben müsste, wäre zu viel Zwang dahinter", sagt sie. Schon jetzt steckt die Heilbronnerin pro Tag ein bis zwei Stunden in Blog und Social Media - neben ihrem Vollzeitjob im Online-Marketing bei der Firma MS Motorservice in Neuenstadt. Wie viele andere, muss sie mit 30 Tagen Urlaub im Jahr zurechtkommen.

Trotzdem hat sie allein in diesem Jahr zwölf Länder gesehen, nutzt jedes lange Wochenende, jede freie Minute. Warum das alles? "Auf Reisen macht man Erfahrungen fürs Leben", weiß Katrin Lehr. "Manche sind schön, andere beängstigend. Aber nach solchen Erlebnissen weiß ich zu schätzen, wie gut es uns in Deutschland geht." Eine Erfahrung, die sie mit anderen teilen will. Gebloggt wird nur über Themen, die sie persönlich interessieren. Freunde von Pauschalreisen bleiben bei ihr auf der Strecke. "Ich will das Leben auf Kuba oder in Bulgarien wirklich kennenlernen", sagt Katrin Lehr. "Wohnen, wo die Einheimischen wohnen. Zum selben Bäcker gehen." Ein typischer Backpacker ist sie trotzdem nicht. Schlafsäle sind ihr ein Graus. Dementsprechend sind ihre Leser Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, die zwischen 20 und 40 Jahre alt sind und meist mehrere Städtetrips sowie eine individuelle Fernreise im Jahr planen.

"Ein bisschen schreiben" sei bloggen nicht, weiß Katrin Lehr. Man muss texten, Bilder bearbeiten, Fingerspitzengefühl bei Kooperationen beweisen und sich im Internet auskennen. Besonders, wenn es um Themen wie Suchmaschinenoptimierung geht. Welche die wichtigste Regel fürs Reisen ist? Katrin Lehr grinst. Was überflüssig ist, fliegt aus dem Rucksack, sagt sie dann. "Auch in der Hurricane-Saison brauche ich auf Kuba kein Regencape."

Klicktipps

Wer noch die passende Playlist zum Joggen durch London sucht, eine Yoga-Reise nach Asien plant oder am liebsten mit der ganzen Familie unterwegs ist, findet im Netz viele nützliche Tipps.

Clemens Sehi hat mehr als 60 Länder bereist. Der Heilbronner, der mittlerweile in Hamburg lebt, sagt, er könne einfach nicht aufhören, Neues zu entdecken. Er schreibt unter anekdotique.com auf Deutsch und Englisch über die kleinen, besonderen Reisemomente, die ihn nicht mehr loslassen.

Ein Auslandssemester in Australien hat Carina Stöwe die wahren Ausmaße von Fernweh erfahren lassen. Dort hat auch ihre Liebe zum Laufen angefangen. In ihrem Blog travelrunplay.de berichtet sie von laufenden Abenteuern. Wenn sie nicht gerade durch die Welt rennt, lebt sie in Stuttgart.

Die Kölnerin Christina Nagel-Gasch ist Hausherrin von mrsberry.de und schreibt über ihre Reise-Abenteuer mit der Familie. Daneben ist sie immer auf der Pirsch nach guten Fotomotiven. Sie mag Cafés mit Spielplätzen, hat eine Vorliebe für gutes Essen und ist Schokoholikerin, sagt sie.

Das Blog blackdotswhitespots.com füttert Fernweh mit Tipps für Individualreisen, gewürzt mit einer Prise Abenteuer und Subkultur. Susanne Maier aus Stuttgart nimmt mit auf eine Entdeckungsreise, in deren Verlauf immer mehr weiße Flecken auf ihrer privaten Weltkarte aufgedeckt werden.