Heilbronner Lehrerin steigt in Nepal auf 6856-Meter-Gipfel

Heilbronn/Nepal  Die Heilbronnerin Uschi Günzler bezwingt im Himalaya ihren bisher höchsten Berg. Sie berichtet von extremer Anstrengung bei minus 20 Grad und eisigem Wind. Ihr Blick geht nun zu den 8000ern.

Von Carsten Friese

Lehrerin steigt in Nepal auf 6856-Meter-Gipfel

Über derart schwierige Schnee- und Eisfelder mussten die Bergsteiger vorankommen. Gegenseitige Hilfe ist da oberstes Gebot.

 

Die große Euphorie brach ganz oben nicht gleich aus: "Es war total anstrengend, ein Gefühl, als ob man krank ist und versucht, sportliche Leistung zu bringen", sagt Uschi Günzler.

Ihre letzten Schritte auf dem Weg zum Gipfel der Ama Dablam in Nepal waren für sie dennoch "sensationell": Die Grund- und Hauptschullehrerin hat sich einen Traum erfüllt und den besonderen Berg (übersetzt "Mutter und ihre Halskette") im Himalaya bestiegen. In 6856 Meter Höhe: ein unglaubliches Panorama, in Sichtweite die Spitze des Mount Everest.

Faible für Gipfel

Seit ihrer Kindheit war die Heilbronnerin mit den Eltern in den Alpen unterwegs, hat früh ein Faible für Gipfel entwickelt. Jetzt diese Herausforderung in extrem dünner Luft. Im Frühjahr war die 36-Jährige, die sich von der Schule ohne Bezüge beurlauben ließ, bereits in Nepal, bestieg erst kleinere Berge, um sich zu akklimatisieren. Ein Versuch, die Ama Dablam anzugehen, scheiterte am schlechten Wetter. Doch da war sie von dem Berg bereits fasziniert und wusste: "Ich will da hoch."

In Mexiko hatte Günzler sich am 5600 Meter hohen Pico de Orizaba versucht, hatte mit der Höhenkrankheit schwer zu kämpfen. "Viel zu schnell aufgestiegen", war die Lehre für sie. Jetzt, in Nepal, ließ sie sich mehr Zeit. Über ein Seitental ging es mit einem Bekannten aus Nepal die Berge empor, über 4000, 5000 bis 6000 Meter Höhe - und immer wieder in etwas tiefere Höhen zurück zum Schlafen im Zelt.

Aufbruch in der Nacht

Das Gepäck: gut 20 Kilo schwer. Zelt, Kocher, Geschirr, extrem dicker Daunenschlafsack, Zwei-Phasen-Stiefel, Steigeisen, Pickel, Klettergurt und Steighilfen gehören ebenso dazu wie Trockennahrung, die mit heißem Wasser aufgegossen wird. Das Wasser muss erst hart erarbeitet werden: Mit dem Pickel wird Eis geschlagen, dann im Kochtopf erhitzt.

Die Bedingungen sind extrem: Um minus 20 Grad war es in den oberen Lagen der Ama Dablam, dazu ein eisiger Wind.

Vom Höhencamp II in 6000 Metern ging es dann bei gutem Wetter nachts um 2 Uhr los. Mit Stirnlampe voran, um gegen Mittag oben zu sein. Der Körper schafft nur langsame Bewegungen in einer Höhe, wo der Sauerstoffgehalt auf etwa die Hälfte geschrumpft ist. Die Schritte genießen wie in den Alpen? "Man klettert nur", sagt Uschi Günzler.

Als ihre kleine Gruppe mit Bergsteigern aus Nepal, Norwegen, Australien, den USA und Japan endlich am Gipfel war, sei es ein "schönes Gefühl" gewesen. Aber: Man wisse, dass man noch sicher absteigen muss. "Euphorische Gefühle", sagt sie, "kommen, wenn man wieder unten ist."

19 Stunden hat die extreme Anstrengung im Eis gedauert, am Ende war die 36-Jährige dehydriert. Ein halber Liter Tee war ihre Ration, mehr gab es nicht. Aber: Danach hatte sie das Gefühl, dass ihr Körper es gut verkraftet hat. Einigen Bergsteiger anderer Gruppen erging es anders: von erfrorenen Fingern und einer erfrorene Nase erfuhr die Heilbronnerin. Als sie wieder daheim war, da war auch ihre Familie heilfroh, "dass es geklappt hat und ich noch alle Finger habe".

Leidenschaft und Begeisterung

Für Uschi Günzler ist Bergsteigen Leidenschaft und Begeisterung. In der besonderen Natur fernab der Zivilisation "fühlt man sich unglaublich frei". Sie macht gerade den Trainerschein für Bergsteigen und hat Ehrgeiz. Ein Achttausender "würde mich reizen", sagt sie. "Ein leichter", bei dem die letzte Schlafhöhe nicht in der sogenannten Todeszone liege. Und zur Sicherheit mit einer Sauerstoffmaske.

Dieses Jahr denkt sie aber auf keinen Fall an solch eine Tour. Jetzt seien erst einmal wieder die Alpen dran.

 

Hintergrund: Dünne Luft

Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Das hat mit dem abnehmenden Luftdruck zu tun. Symptome der Höhenkrankheit treten vermehrt ab einer Höhe von 4.500 Metern auf. Ab einer Höhe von 5000 Metern beträgt der Sauerstoffgehalt nur noch die Hälfte. Ab einer Höhe von 6000 Metern nimmt zudem die Leistungsfähigkeit extrem ab. Der Körper benötigt durch die Kraftanstrengung deutlich mehr Flüssigkeit. Zwischen fünf und acht Liter müssen Bergsteiger zu sich nehmen.

Von der Todeszone spricht man ab einer Höhe von 7000 Metern. In dieser Höhe können sich Menschen maximal 48 Stunden aufhalten.