Heilbronn verzeichnet Einwohnerrekord

Heilbronn  126.557 Menschen leben im Oberzentrum - Tendenz steigend. Das gilt nicht nur für die Kernstadt Heilbronns, sondern auch für die meisten Stadtteile. Der Trend geht zu Einpersonenhaushalten.

Von Joachim Friedl

Heilbronn verzeichnet Einwohnerrekord
In Heilbronn leben so viele Einwohner wie noch nie zuvor.

In Heilbronn zählte Ende des vergangenen Jahres 126.557 Einwohner − so viele wie niemals zuvor. Und die Zahl steigt weiter. 2013, bei der letzten Auswertung des kommunalen Melderegisters der Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen, lebten 5.894 Personen weniger in der Stadt. Getragen wird das Bevölkerungswachstum ausschließlich durch Zuwanderung. Dabei beschränkt sich das Wachstum nicht nur auf die Kernstadt von Heilbronn, sondern umfasst auch die meisten Stadtteile.

"Nach Einwohnerverlusten in den Jahren 1995 bis Ende 2000 nimmt die Einwohnerzahl seitdem wieder zu. Seit Ende 2006 ist sogar ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, das sich ab 2010 sogar beschleunigt hat", erklärt Juri Jacobi, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der städtischen Stabsstelle.

Zugewanderte Heilbronner

Daten zur Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte wurde erstmals 2006 ausgewertet. Seitdem hat dieser Personenkreis kontinuierlich zugenommen. "2014 war das Verhältnis zwischen Personen ohne Zuwanderungsgeschichte und Personen mit Zuwanderungsgeschichte ausgeglichen. Seit 2015 überwiegt der Anteil der Personen mit Zuwanderungsgeschichte, weiß Jacobi. Ursächlich ist die hohe Zuwanderung nichtdeutscher Personen in den Jahren 2006 bis 2016 (+ 8552 Personen/38 Prozent).

Die Einwohner mit Zuwanderungsgeschichte sind mit durchschnittlich 36,1 Jahren deutlich jünger als die Deutschen ohne Migrationshintergrund (48,4 Jahre). Aufgrund dieser Entwicklung hat sich das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung von 42,4 Jahren (2014) auf 42,0 Jahre (2016) leicht gesenkt.

Die Geburtenrate der Ausländerinnen hat sich im Laufe der Zeit der der deutschen Frauen angenähert. Dennoch liegt die Zahl der Geburten bei ausländischen Müttern (1,96 Kinder) über der von deutschen Müttern (1,60). Mit 1361 Geburten hat Heilbronn 2016 wieder das hohe Geburtenniveau der Jahre 1995 bis 1999 erreicht. Seit 1995 gab es nur 1998, 2007 und 2016 einen kleinen Geburtenüberschuss. In all den anderen Jahren lag die Zahl der Sterbefälle über denen der Geburten.

Trend zu kleineren Haushalten

In der langfristigen Betrachtung haben vom Einwohnerzuwachs neben der Kernstadt vor allem die Stadtteile Sontheim und Böckingen profitiert. Eine negative Entwicklung haben nur Neckargartach und Frankenbach genommen (Grafik).

In Heilbronn wurden im vergangenen Jahr 62.495 Haushalte gezählt. 2001 waren es noch 56.405. Die durchschnittliche Haushaltsgröße hat von rechnerisch 2,17 Personen auf 2,02 Menschen (2016) abgenommen. Der langfristige Trend hin zu immer mehr kleineren Haushalten wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Eine Ursache dafür ist das Hineinwachsen stark besetzter Altersgruppen, die − wie insbesondere die Älteren − überwiegend in kleinen Haushalten leben, heißt es in dem Bericht von Juri Jacobi. Allerdings verlangsamt sich nach Einschätzung des Analytikers die Zunahme der Haushaltszahl etwa ab 2024/2025, wodurch der Druck auf den Arbeitsmarkt etwas nachlassen dürfte.

Verändert hat sich zuletzt die Struktur der Haushalte. Die Familie mit Kindern, die bis in die 1980er Jahre hinein die deutschen Haushaltsstrukturen beherrschte, ist einer Vielzahl unterschiedlicher Haushalts- und Familienkonstellationen gewichen. Heute gibt es Singlehaushalte, Haushalte mit Alleinerziehenden, Haushalte mit verheirateten und nicht verheirateten Paaren mit oder ohne Kinder sowie Wohngemeinschaften (siehe Grafik). Im Zeitraum 2001 bis 2016 stieg der Anteil der Einpersonenhaushalte in Heilbronn von 40 auf 44 Prozent. Die Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder nahmen von 38 auf 35 Prozent, die Familienhaushalte von 23 auf 20 Prozent ab.

Zahlen aus der Region

Zwischen den Jahren 2011 und 2015 gab es bei der Bevölkerung im Landkreis Heilbronn nach Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg einen Zuwachs von 10.220 Personen, Ende des Jahres 2015 lebten hier insgesamt 334.388 Menschen. Datenquelle ist die Bevölkerungsfortschreibung des Zensus 2011.
Die Tendenz ging in diesem Zeitraum auch in den drei Großen Kreisstädten des Landkreises Heilbronn nach oben: Neckarsulm (26.304 Einwohner Ende des Jahres 2015) wuchs um 771 Köpfe, Eppingen (21.312 im Jahr 2015) um 517 und Bad Rappenau (mit 20.510 Einwohnern Ende 2015 die kleinste der drei Großen Kreisstädte im Landkreis Heilbronn) um 498 Personen an.

Im Hohenlohekreis, dessen Bevölkerung etwa ein Drittel des Landkreises Heilbronn ausmacht, kletterte die Anzahl der Einwohner zwischen den Jahren 2011 und 2015 um 2981 auf 110.181. Ende 2015 lebten in der Großen Kreisstadt Öhringen 23.676 Personen. Zehn Jahre zuvor waren es 22.521 Menschen gewesen. Im August 2016 zählte Öhringen 24.004 Einwohner. Die größte Bevölkerungsgruppe stellen die 50 bis unter 65-Jährigen. Rückläufig ist die Zahl der 35 bis unter 50-Jährigen. In Öhringen leben 1770 Menschen pro Quadratkilometer.