CDU entsetzt über Heroin-Vorwürfe des Neckarsulmer Gemeinderatskandidaten

Neckarsulm/Heilbronn/Stuttgart – Vergangene Woche brodelte die Gerüchteküche in der Neckarsulmer CDU. Nach dem Bericht der "Heilbronner Stimme" über die Festnahme ihres Gemeinderatskandidaten Andreas Zwickl hat die Partei dies am Wochenende bestätigt und schnell gehandelt.

Der 40-Jährige wurde wegen Handels mit Heroin festgenommen und sitzt jetzt in Stuttgart-Stammheim in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft Zwickl und einem 30 Jahre alten Helfer aus Lehrensteinsfeld vor, Drogen aus Holland nach Deutschland geschmuggelt zu haben.

Von Andreas Tschürtz

Im übervollen Briefkasten von Andreas Zwickl steckt die "Heilbronner Stimme", in der über seine Festnahme berichtet wird. Foto: Tschürtz



Neckarsulm/Stuttgart – Vergangene Woche brodelte die Gerüchteküche in der Neckarsulmer CDU. Nach dem Bericht der Heilbronner Stimme über die Festnahme ihres Gemeinderatskandidaten Andreas Zwickl hat die Partei dies am Wochenende bestätigt und schnell gehandelt.

„Ich bin fassungslos und entsetzt“, sagte der Heilbronner Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, Thomas Strobl, in Stuttgart. Zwickl, den Parteiverantwortliche seit Donnerstag vergeblich zu erreichen versucht hatten, habe inzwischen gegenüber der Heilbronner Anwaltskanzlei von Anke Stiefel-Bechdolf den Verzicht auf sämtliche Funktionen und Kandidaturen erklärt. Dies werde der Partei am Montag schriftlich bestätigt.

Der 40-Jährige wurde nach HSt-Informationen wegen Handels mit Heroin festgenommen und sitzt jetzt in Stuttgart-Stammheim in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft Zwickl und einem 30 Jahre alten Helfer aus Lehrensteinsfeld vor, Drogen aus Holland nach Deutschland geschmuggelt zu haben. In Zwickls Wohnung wurden 80 Gramm verkaufsfertiges Heroingemisch und mehr als 5000 Euro vermutliches Dealergeld gefunden.

Er hat nach Polizeiangaben zugegeben, in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrere Beschaffungsfahrten nach Holland gemacht und größere Mengen Heroin nach Deutschland eingeführt zu haben. Die Ermittler waren im Weinsberger Drogenmilieu auf die Männer aufmerksam geworden.

Nichts angemerkt

Der Fall ist für viele unerklärlich. Vor allem die eine Frage kann niemand beantworten: Wieso? „Von einem CDUler würde man es am wenigsten erwarten“, sind sich am Sonntagmorgen zwei Rentner auf dem Fischmarkt in Neckarsulm in ihrem Urteil einig. „Eine Blamage. Das wird manche Stimme kosten“, sagen die beiden. Auch für einen Familienvater aus Möckmühl passt der Fall gerade zur CDU nicht. Er sagt: „CDU, damit verbindet man doch konservativ, eine Richtung, geradeaus.“

Zwickls Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Neckarsulm sind nicht minder überrascht über die Berichte. „Natürlich bin ich geschockt. Er war intelligent, höflich. Aber er hatte wohl zwei Gesichter“, sagt ein Hausmitbewohner. „Das ist schlimm“, sagt ein anderer. „Dafür muss er geradestehen.“

In der CDU kennt man Zwickl als zuverlässig und engagiert. 1986 trat er in die Junge Union (JU) ein und war von 1999 bis 2003 ihr stellvertretender Landesvorsitzender. Von 2004 bis 2007 war er Landesgeschäftsführer der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU und er arbeitete im Wahlkreisbüro des Hohenloher Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten. „Ich bin erschüttert. Wenn mich jemand gefragt hätte, hätte ich gesagt, der nie. Das war immer ein treuer Parteisoldat“, sagt der Kreisvorsitzende Bernhard Lasotta: „Immer da, wenn man in der CDU einen tatkräftigen Mitarbeiter gebraucht hat.“

„Wir sind schon maßlos enttäuscht“, erklärt der Neckarsulmer Fraktionschef Herbert Emerich. „Er ist auf uns zugekommen. Wir waren der Meinung, dass er aufgrund seiner Vita als Kandidat taugt.“

Blick voraus

Jürgen Kühner, Stadtverbandsvorsitzender der Neckarsulmer CDU, spricht von einem „Schlag ins Gesicht“, sollten sich alle Vorwürfe bewahrheiten. Insbesondere, falls Zwickl tatsächlich schon länger mit Drogen zu tun hatte. „Wenn jemand ob seiner Taten ein Amt anvisiert und sich anbietet, wäre ich maßlos enttäuscht.“ Er hofft, den Schaden begrenzen zu können. „Die Leute sehen, dass wir schnell gehandelt haben und werden verstehen, dass wir für die Geschichte nichts können.“ Ein Ersatzkandidat soll diese Woche feststehen und zur Kreistagsnominierung am 18. März bestimmt werden.

Rücktritt von Aufgaben

Andreas Zwickl (40) war bis zu seinem Rücktritt am Wochenende: Kreisvorsitzender der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge der CDU in Heilbronn (UdVF) sowie deren Vorsitzender im Bezirk Nordwürttemberg. Außerdem war er Mitglied im Vorstand des Heilbronner CDU Kreisverbandes. Er war Ersatzkandidat für Rainer Wieland, der auf Platz 1 der Landesliste der CDU Baden-Württemberg für die Europawahl steht. Er war als Kandidat für die Gemeinderatswahl in Neckarsulm auf Platz 21 nominiert.