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Gesuchter Goldräuber betrog Tausende im Internet (10.02.2010)
Von Carsten Friese
Foto/Montage: C. Petersen, stimme.de
Region Heilbronner - Der filmreife Raub eines Transporters voller Gold bei Ludwigsburg bekommt eine neue Dimension mit Bezug zur Region Heilbronn: Nachdem die Ermittler fieberhaft nach den mutmaßlichen Drahtziehern der Tat fahnden, hat ein Heilbronner Rechtsreferendar den gesuchten Kawa Homam-Ghazi (26) als denjenigen erkannt, der "mich und mehrere tausend andere Ebay-Kunden vor gut einem Jahr betrogen hat".
Als Kevin Pukat (27) Fotos der gesuchten Goldräuber in der Zeitung sah, stockte ihm der Atem. Den Namen Kawa Homam-Ghazi kennt er nur zu genau. Er war der Geschäftsführer der Bonner Firma Topseconds, die früher bei Ebay im Internet Markenuhren von Armani und DolceGabbana zu günstigen Preisen anbot.
Keine Ware
Die Rechnungssumme von 127,89 Euro inklusive Transportkosten überwies er auf das Firmenkonto und bekam prompt eine Bestätigung über den Kauf. Die Ware aber kam nicht an. Nach einigen Tagen rief er bei Topseconds an. Homam-Ghazi "war sogar am Telefon", berichtet der 27-Jährige. Gutes Deutsch habe er gesprochen und ihm erklärt, dass der Versand in der Vorweihnachtszeit etwas länger dauere. Einige Tage später sperrte Ebay den Anbieter. Als Pukat eine Mahnung auf Rückzahlung seines Geldes per Einschreiben an Topseconds schickte, erhielt er den Brief postwendend als unzustellbar zurück.
Millionenschaden
"Ich war stinksauer, dass mir so etwas passiert ist", sagt der Heilbronner, der in der Jungen Union ist und für den Vorsitz im Stadtverband kandidiert. Pukat zeigte die Firma an.
Wie ihm war es vielen Ebay-Kunden ergangen. Auf 11.600 Geschädigte verwies die Bonner Polizei nach siebenmonatigen Ermittlungen gegen Topseconds. Rund 7000 Kunden hätten Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug. Die Gesamtschadenssumme: rund 1,4 Millionen Euro. Das Amtsgericht Bonn wies einen Insolvenzantrag des Firmenchefs als unzulässig zurück. Als die Ermittler den Geschäftsführer genauer unter die Lupe nehmen wollten, war er verschwunden. Sein Aufenthaltsort "ist derzeit nicht bekannt", teilte die Bonner Polizei den Geschädigten im Sommer 2009 mit.
Das Kuriose: Über Jahre sei Topseconds "ein seriöser Ebay-Händler" gewesen, ist im Internet bei Computer.t-online.de zu dem Fall zu lesen. Im November 2008 seien die Uhrenpreise dann täglich gesunken. Dass er sein Geld jemals wiedersieht, daran glaubt Kevin Pukat nicht mehr. Die Fahndung nach den Goldräubern verfolgt er jedoch intensiv. Der Rechtsreferendar hofft, dass die Polizei Homam-Ghazi schnappt, "damit er zur Rechenschaft gezogen wird". Wenn er verurteilt werde, "bin ich ein bisschen zufriedener".
Spur nach Moskau
Die Fahnder des Landeskriminalamts sind dem mutmaßlichen Kopf der Goldräuber auf der Spur. Wo sie ihn derzeit vermuten, sagt die Polizei nicht. Dass sich der zweite mutmaßliche Drahtzieher, der Rapper "Xatar", in Russland aufhält, schließen die Ermittler nicht aus. Über das Internet-Netzwerk Facebook hatte der Rapper Freunden Grüße aus Moskau übermittelt. "Das besagt aber nicht, dass er auch wirklich in Moskau ist", betont Ludwigsburgs Polizeisprecher Peter Widenhorn.
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