Genuss für Radler und Co. auf der Bundesstraße

Region  Tausende nutzen den Radsonntag, um auf der B27 zu einem entspannten Ausflug mit vielen Events aufzubrechen. Autos sind an diesem Tag nicht erwünscht.

Von Friedhelm Römer

Als Hans-Joachim und Christel Kern mit ihren Enkeln Yannik (9) und Aaron (13) am Sonntagmorgen um 9 Uhr aufs Rad steigen, ist das Brückenfest in Bad Wimpfen nur zu erahnen. Und auch von den Scharen von Radfahrern, die einige Stunden später an diesem autofreien Sonntag über diese idyllische Brücke über den Neckar fahren und eine Pause einlegen, um sich zu stärken, ist noch nichts zu erkennen.

"Wir wollen mal sehen, wie weit wir heute kommen", sagt Hans-Joachim Kern aus Heilbronn-Biberach. Der 13-jährige Aaron aus Schwaigern-Massenbach ist jedenfalls fit. Er ist schon viel gefahren in diesem Jahr.

Das Wetter ist wie gemalt für den Tag, der unter dem Motto "Natürlich mobil - AOK Radsonntag" steht. Die B27 ist auf den 34 Kilometern zwischen Heilbronn und Mosbach wie in den vergangenen Jahren aus diesem Anlass für den motorisierten Verkehr gesperrt. Und das kommt prächtig an bei Radfahrern, Inlineskatern, Joggern und Fußgängern.

Lob für die Veranstaltung

Während sich die Kerns gerade in Richtung Norden auf den Weg machen, haben die beiden Mosbacher Michael Schüle und Melanie Krüger schon so viele Kilometer zurückgelegt, dass sie sich beim Bäcker in Offenau ihre erste Pause gönnen. "Wir wollten früh los, weil es später heiß werden soll", sagt Michael Schüle. Er lobt die Veranstaltung: "Ich finde es als Event toll und auch die Idee, auf das Auto zu verzichten."

Was diesen Tag auszeichnet, ist, dass er eine breite Masse anspricht. Alle, die sich gerne in der Natur bewegen, scheinen auf dem Rad oder Inlinerfahrend auf der Strecke zu sein - und das sind Tausende. Das Spektrum reicht vom kleinen Jungen, der mit Stützrädern unterwegs ist, über die Ausflügler mit Tourenrädern oder Mountainbikes bis hin zu sportlichen Rennradfahrern mit ambitioniertem Tempo. So ruhig geht es auf der B27 nur an diesem Ausnahmetag zu. Lediglich das leichte Surren der Räder ist zu hören. Entspannung und Genuss pur.

Das ist auch ein Tag, an dem exotischere Fortbewegungsmittel auf der Strecke sind. Der 65-jährige Heilbronner Gligor Martin fährt mit seinem Tretroller ziemlich zügig. "Das ist sehr gesund für Sehnen und Muskulatur. Eigentlich ist es wie ein Rehagerät." Mehr als 3000 Kilometer legt der sportliche Rentner jedes Jahr allein auf diese Weise zurück.

Gemeinden präsentieren sich 

Die Gemeinden an der Strecke nutzen das Event, um sich zu präsentieren und bieten verschiedene Veranstaltungen an. Am großzügigen Obststand von Ernst Fischer in Offenau kommen die Radler sogar direkt vorbei und stärken sich: "Der Erdbeershake geht immer gut", lacht er.

Mathias und Diana Schmidt aus Dallau können inzwischen längere Strecken mit dem Rad bewältigen, weil ihre beiden Kinder Lukas (10) und Lea (7) nicht mehr ganz so klein sind. Sie wissen noch nicht, wie weit sie kommen werden. Doch eines steht für Diana Schmidt fest: "Der Lukas ist fitter als die Mama."

Täglich auf dem Rad sitzt Waltraud Näher. Die 75-Jährige hat im vergangenen Jahr 9970 Kilometer auf zwei Rädern zurückgelegt. Und es macht ihr sichtlich Freude. Sie ist mit einer zehnköpfigen Gruppe vom RSC Komet Ludwigsburg dabei. Der Verein lässt sich diesen Tag seit Jahren schon nicht entgehen.

Verunglückter Radfahrer

Leider verunglückte ein Radler bei Mosbach schwer. Mit einem Hubschrauber wurde er in eine Klinik gebracht.