Früheres Aus für GKN II nicht in Sicht

Neckarwestheim  Die EnBW lässt einen Vorschlag der atompolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion ins Leere laufen. Sylvia Kotting-Uhl hatte den Energieversorger aufgefordert, das GKN II früher vom Netz zu nehmen.

Von Reto Bosch

  

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GKN II wird bis spätestens Ende 2022 endgültig die Stromproduktion einstellen. Foto: Archiv/Veigel

 

Sylvia Kotting-Uhl hatte schon vor Monaten in einem Stimme-Interview den Karlsruher Energieversorger aufgefordert, GKN II etwas früher vom Netz zu nehmen.  Damit könne die Verlagerung von 342 Brennelementen von Obrigheim nach Neckarwestheim ausgeglichen werden. Diesen Gedanken hielt sie in einem Brief an den EnBW-Vorstandsvorsitzenden fest. In seiner Antwort, die der Stimme vorliegt, geht Dr. Frank Mastiaux auf das konkrete Ansinnen aber gar nicht ein.

Die Gemeinde Neckarwestheim wehrt sich juristisch gegen die Castortransporte. Nach Auffassung von Sylvia Kotting-Uhl ist der Unmut der Bürger nachvollziehbar, "die die Castoren aus Obrigheim als zusätzliche Belastung wahrnehmen". Dass die genehmigte Kapazität des GKN-Zwischenlagers wegen des Atomausstiegs nicht ausgelastet wird, stelle bei den Anwohnern ganz offensichtlich kein ausreichendes Argument dar.

Sylvia Kotting-Uhl
Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Uli Deck/Archiv

"Es wäre eine angemessene Geste von Ihnen, wenn Sie entscheiden würden, die Atommüll-Menge in Neckarwestheim durch den Obrigheim-Transport nicht zu vergrößern, sondern GKN II entsprechend einige Monate früher endgültig vom Netz zunehmen", heißt es in dem Brief der Karlsruher Bundestagsabgeordneten.

Grundsätzlich liegt Kotting-Uhl auf der Linie von Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne), der die Verlagerung für sinnvoll hält. Auch das teilte sie Frank Mastiaux mit. Der Vorstandsvorsitzende bleibt in seiner Antwort sehr allgemein, beschreibt die Kommunikationsprozesse, die Rückbauplanungen, verweist auf das "große Verständnis", das der Verlagerung entgegengebracht werde.

Zum Kern des Briefs von Kotting-Uhl, GKN II früher als Ende 2022 abzuschalten, schreibt der EnBW-Chef kein Wort. "Sehr schade, dass sich Herr Mastiaux mit dem Ansinnen gar nicht auseinandersetzt", kritisiert die Grünen-Politikerin. Heutzutage gehe es nicht mehr, gegen den erklärten Willen einer Bürgerschaft etwas durchzudrücken. Man muss ins Gespräch kommen."

 

EnBW legt Halbjahreszahlen vor

Der Energiekonzern EnBW legt am Donnerstag (10 Uhr) seine Zahlen für das erste Halbjahr vor. Die Energiewende mit dem Atomausstieg und niedrige Großhandels-Strompreise belasten das Geschäft seit längerer Zeit. Der Konzern reagierte mit einem Sparprogramm und der Umsteuerung zu erneuerbaren Energien.

Dank des Verkaufs von knapp 50 Prozent der Anteile eines Offshore-Windparks konnte EnBW im ersten Quartal sein Ergebnis von 51 auf gut 380 Millionen Euro steigern. Der operative Gewinn sank hingegen um 17,3 Prozent auf 513,4 Millionen Euro. dpa