Friedlicher Protest gegen Atommülltransporte

Heilbronn  Die Polizei spricht von rund 650 Teilnehmern, die Organisatoren, das Bündnis "Neckar castorfrei", von mindestens 750. So oder so: Das Bündnis mobilisierte mehr Demonstranten als erwartet.

Von Helmut Buchholz

Auf jeden Fall kamen mehr als die bei der behördlichen Demo-Anmeldung kalkulierten 500 Personen am Samstagmittag zu der Heilbronner "Antiatom-Frühjahrs-Demonstration", wie sie die Veranstalter nannten. Für Bündnissprecher Herbert Würth ein voller Erfolg: "Das Thema Atommüll hat so eine Brisanz, das mobilisiert."

Der Protest richtete sich aktuell vor allem gegen die geplanten Castortransporte vom Kernkraftwerk Obrigheim auf dem Neckar zum Zwischenlager am Atommeiler in Neckarwestheim. Die Redner beim Demo-Auftakt und bei der Abschlusskundgebung auf der Erwin-Fuchs-Brücke über dem Neckar forderten aber auch den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und die Abschaltung der Kernkraftwerke.

Der Protestzug war friedlich. Der Einsatzleiter der Polizei, Thomas Nürnberger, charakterisierte die Lage als "ruhig". 100 Beamte waren im Einsatz. Nur zweimal kam es auf dem Weg vom Kiliansplatz zur Erwin-Fuchs-Brücke zu kleineren, unvorhergesehenen Ereignissen für die Einsatzkräfte: An der Theresienstraße/Ecke Karlsruher Straße versuchten vereinzelt Teilnehmer sich hinzusetzen und so den Verkehr zu blockieren. Das misslang. Als sich der Demo-Zug über den Radweg an der Neckartalstraße Richtung Brücke bewegte, gab es Versuche Einzelner auf die Bundesstraße zu laufen, um auch hier zu blockieren. Auch dies zeigte kaum Wirkung, so Nürnberger.

Phantasievoller Protest

Viel Phantasie zeigten die Demonstranten bei der Gestaltung des Protestes: Auf dem Neckar paddelten Atomkraftgegner in Schlauchbooten mit großen, knallgelben Quietscheenten im Schlepptau, die das "Atomkraft - nein danke"-Emblem zierten. Sie wurden von Schiffen der Wasserschutzpolizei begleitet. Als Piraten verzierte kleinere Quietscheentchen wurden für eine Spende von fünf Euro pro Stück bei der Demo verkauft. Zwei Samba-Trommlergruppen sorgten für den richtigen Rhythmus beim Marsch. Vor der Bühne bei der Kundgebung auf der Brücke war eine Hüpfburg für Kinder wieder mit großen Quietscheenten aufgebaut.

Enttäuschung bezüglich politischer Parteien

So kreativ der Protest gestaltet war, so ernst war es den Demonstranten in der Sache. Redner Jochen Stay von der bundesweiten Antiatom-Organisation "Ausgestrahlt" bezeichnete den von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg als "Schnecke". Die Reaktoren "werden immer älter und störanfälliger". Enttäuschung gibt es auch gegenüber den Parteien SPD und Grüne. Stay: "Es ist mehr als verantwortungslos, dass Grüne und SPD, die früher mit uns auf die Straße gingen, jetzt sagen, das Problem hätte sich erledigt. Ich erwarte, dass sie sich für einen schnellen Atomausstieg stark machen."

Bündnissprecher Würths Fazit lautete am Ende: "Wir haben es geschafft, ein deutliches Zeichen des Widerstands zu setzen." Er kündigte weitere Proteste gegen die Castor-Transporte an.