Frankenbahn: Pendler-Alltag noch immer unerträglich

Region  Die Situation für viele Pendler auf der Strecke zwischen Heilbronn und Stuttgart ist noch immer unerträglich. Die Deutsche Bahn hatte zwar Verbesserungen angekündigt und teilweise auch umgesetzt – doch das reicht den meisten bei Weitem nicht aus.

Von Adrian Hoffmann

Bahn-Pendler in Heilbronn
Bahn-Pendler am Heilbronner Hauptbahnhof. Foto: Adrian Hoffmann

Birgit Schneider aus Besigheim, die kürzlich zusammen mit anderen Pendlern Unterschriften sammelte und ein Schreiben an die DB Regio verschickte, hatte sich das anders vorgestellt. Ein „klein wenig“ habe sich die Situation gebessert. Trotzdem gebe es weiterhin viele Komplettausfälle von Zügen, deutliche Verspätungen.

„Und teilweise sind dann Anschlusszüge so überfüllt, dass gar nicht alle zusteigen können“, sagt Schneider.
Anfang Dezember werde sie nochmals ein Nachschreiben an die DB Regio aufsetzen. Einige Politiker hatten bereits auf den ersten Brief der empörten Berufspendler reagiert und sehen ebenfalls eine gehörigen Änderungsbedarf bei der Bahn.

„Not“-Fahrgemeinschaft

Die Ausfälle und Verspätungen „bestimmen eklatant unser Leben“, klagt Birgit Schneider. „Das ist das Problem.“ Das könne so einfach nicht bleiben. Sie bilde inzwischen mit anderen Pendlern eine „Not“-Fahrgemeinschaft, um bei einem Zugausfall vom Bahnhof in Besigheim nach Bietigheim zu fahren, um dort in die S-Bahn zu steigen.

Das werde dann spontan am Bahnhof entschieden, je nach Verspätungslage. Mit dem Bus zum Bahnhof zu fahren, habe sie „schon aufgegeben“. Anschlusszüge würden nicht erreicht, und abends auf der Heimfahrt sei der Bus bereits weg, wenn der Zug mal wieder Verspätung habe.

Großes Problem: Unzuverlässigkeit der Bahn

Pendler Alfred Gramling, der die Unterschriftenliste mitbegründet hatte, ist ebenfalls weiterhin genervt von den Zuständen. Es könne so nicht weitergehen, sagt auch er. Die Unzuverlässigkeit der Bahn sei das große Problem.

Termine könnten nicht eingehalten werden – und viele Pendler steckten dadurch in ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten. Es gebe Ärzte, die zu spät kommen. Mütter, die ihre Kinder verspätet abholen. Und viele, viele andere individuelle Situationen, alle eine Folge der Zugausfälle und Verspätungen.

Protest: Sitzplatz in der ersten Klasse

Durch die Zustände verliere er jeden Tag viel Zeit – aber nicht nur das. Gramling fährt erste Klasse, um immer einen Sitzplatz zu bekommen. Gewährleistet ist das heute allerdings nicht mehr. Die Protesthaltung vieler Pendler wird größer. So kommt es, dass einige Zweite-Klasse-Bahnfahrer einfach in die erste Klasse sitzen ohne entsprechendes Ticket; mit der Voraussicht, dass das Zugpersonal sich darüber sicher nicht beklagen werde.

Gesagt sei aber auch, dass der 5.57-Uhr-Zug von Besigheim nach Stuttgart derzeit „pünktlicher“ komme, so Birgit Schneider. Und zwei Waggons mehr hingen auch dran. Dennoch: Das Protokoll über Zugausfälle und Verspätungen, das die Pendler führen, dokumentiert, wie groß die Missstände noch immer sind.

 

Pendler-Serie

Die Heilbronner Stimme startet nächste Woche eine Pendler-Serie und stellt Menschen vor, die täglich zwischen Heilbronn und Stuttgart verkehren – sei es via Bahn oder Auto. Wir schildern dabei, vor welchen individuellen Problemen sie stehen und welche Veränderungen sie sich wünschen würden. Wer mitmachen möchte, bitte bei Stimme-Redakteur Adrian Hoffmann melden: adrian.hoffmann@stimme.de; 07131/615599.

Informationsveranstaltung 

Da die Thematik so viele Menschen beschäftigt, lädt der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen am Donnerstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „Zugausfälle – Wie geht es weiter mit der Bahn?“  in die Kelter in Besigheim ein. Es werden auch Vertreter der Bahn und des Verkehrsministerium vor Ort sein.