Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet

Region  Was ändert sich durch den Betreiberwechsel auf der Frankenbahn? Wir haben Leserfragen gesammelt und das Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bahn damit konfrontiert. Hier sind die Antworten.

Von Adrian Hoffmann

Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet

Viele Frankenbahn-Pendler stehen vor der Frage, was sich denn alles durch den Betreiberwechsel von der Deutschen Bahn zum Verkehrsunternehmen Go Ahead im Dezember 2019 ändern wird. Einige Leserinnen und Leser haben für unsere Zeitung ihre drängendsten Fragen formuliert - Vertreter der Firma Go Ahead geben danach Antworten:

 

Heike Krauss: Mich würde interessieren, ob auf der Frankenbahn-Strecke die Preise gleich bleiben oder sich eventuell ändern und wie ein Übergang der Jahreskarten-Abos der Pendler zum neuen Betreiber erfolgt.

Go Ahead: Ende 2018 wird der Landestarif unabhängig von unserer Betriebsaufnahme eingeführt. Über die Auswirkungen können wir noch keine konkrete Aussagen treffen. Durch uns ändern sich die Tarife nicht.

 

Roland Remmele: Bisher nutze ich ein VVS-Firmenjahresticket. Kann dies nach Übernahme auch beim neuen Betreiber genau so angewendet werden?

Go Ahead: Die Fahrgäste müssen sich keine Sorgen machen - wir wenden alle Tarife an, die derzeit gelten. Zudem gilt aber Ende 2018 der "Baden-Württemberg-Tarif" einheitlich für Verbund-übergreifende Fahrten. Wir bieten unseren Kunden alle existierenden Tarife in unseren Verkaufsstellen an. Einen Verkauf von Fahrkarten im Zug wird es nicht geben.

 

Helmut Sieber: Wie viele Plätze werden die neuen Triebwagen bieten, werden diese Plätze reichen?

Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet

Go Ahead: Unsere Fahrzeuge haben zwischen 164 und 328 Sitzplätze. Daraus werden entsprechend der Vorgaben des Landes Züge mit unterschiedlichem Sitzplatzangebot gebildet. Entsprechend der aktuellen Vorgaben werden die Züge mit dem höchsten Sitzplatzangebot 708 Sitzplätze habe.

 

Thomas Klauß: Ab 2019 sind bei der Frankenbahn laut Ausschreibung drei- bis sechsteilige Fahrzeuge mit bis zu 329 Sitzplätzen im Einsatz. Reicht diese Kapazität in Stoßzeiten aus, um die bisherigen Doppelstockwagen der Deutschen Bahn (zirka 650 Plätze) zu ersetzen?

Go Ahead: Auf der Frankenbahn werden nach aktueller Planung zukünftig in den Spitzenzeiten Züge mit 656 Sitzplätzen angeboten werden.

 

Johannes Herrmann: Wie stabil funktioniert das WLAN?

Go Ahead: Wagenseitig stellen wir die Möglichkeit zur Verfügung, dass alle Fahrgäste kostenlos ein stabiles WLAN nutzen können. Wir können aber natürlich nur mit den jeweils vorhandenen Netzstärken arbeiten, hier gibt es sicher Nachholbedarf entlang aller Strecken. Wir gehen in diesem Sinne aber auf die Provider zu und regen deutlich an, die Netze weiter auszubauen.

 

WLAN unbegrenzt und kostenlos auch in der 2. Klasse?

Go Ahead: Ja, aber nicht an allen Plätzen der 2. Klasse. In den Ruhebereichen der 2. Klasse wird kein WLAN angeboten.

 

Lademöglichkeiten für Laptop/Handy an jedem Platz, auch in der zweiten Klasse?

Go Ahead: In der 2. Klasse wird jeder vierte Sitzplatz mit einer Steckdose ausgestattet.

 

Kann die Fahrkarte normal in der DB-App gebucht werden und gelten die gleichen Tarife (zum Beispiel "Schönes Wochenende")?

 

Go Ahead: Wir bieten alle bestehenden und zukünftigen Tarife an. Der Verkauf ist bisher an unseren Verkaufsstellen und Automaten vorgesehen.

 

Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet
Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) und Go-Ahead-Chefs Peter Raue und Stefan Krispin  

Findet man die Meldungen dann auch im DB-Navigator?

Go Ahead: Wir werden der DB die entsprechenden Daten zur Verfügung stellen.

 

Gibt es mehr oder weniger Platz für Fahrräder?

Go Ahead: Die Fahrzeuge verfügen über 24 bis 51 Fahrradstellplätze. Damit werden in den Zügen mit der größten Kapazität 128 Fahrradplätze angeboten.

 

Wie wird die Klimaanlage gesteuert?

Go Ahead: Die Klimaanlagen werden wagenweise gesteuert. Die Temperaturvorgabe ist für den Zug jedoch einheitlich vorgegeben und durch das Zugpersonal nur im geringen Umfang anpassbar.

 

Lassen sich die Fenster öffnen?

Go Ahead: Die Fahrzeuge verfügen über Klappfenster, die bei Ausfall der Klimaanlage vom Zugpersonal geöffnet werden können.

 

Franz Wagner: Mit welchen Maßnahmen wird sichergestellt, dass in Würzburg die Anschlüsse klappen, man also nicht mehr sicherheitshalber einen Zug früher nehmen muss, um den ICE in Würzburg nach Fulda usw. sicher nicht zu verpassen?

Go Ahead: Unsere Leitstelle und die Leitstelle der DB Netz und weiterer Betreiber stehen im ständigen Kontakt und tauschen Echtzeitinformationen aus. Wir werden mit allen Beteiligten ein Konzept abstimmen, in dem festgelegt wird, unter welchen Bedingungen welche Anschlüsse auch bei Verspätungen sichergestellt werden. Die Zugbegleiter werden Wünsche wie bisher vormelden.

 

Leichter Einstieg mit dem Fahrrad?

Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet

Go Ahead: Die Einstiegsbereiche und die Fahrradbereich befinden sich auf einer Höhe von 60 Zentimeter und sind so an den meisten Bahnsteigen ebenerdig oder über nur eine Stufe vom Bahnsteig aus zu erreichen.

 

Wird es möglich sein, VPN-Tunnel über das WLAN zu nutzen? Im ICE ist es möglich, klappt aber nicht mit jedem Gerät.

Go Ahead: Das steht noch nicht fest. VPN sollte möglich sein, hängt aber gegebenenfalls vom individuellen VPN Tunnel ab.

 

Andreas Werner: Werden zwischen Stuttgart und Heilbronn zukünftig Züge beider Bahnunternehmen fahren, von Go Ahead und auch von Abellio? Und falls das so ist, brauchen Pendler dann zwei unterschiedliche Fahrkarten, wenn sie beide Anbieter nutzen wollen?

Go Ahead: Die Züge beider Unternehmen können mit den gleichen Fahrkarten benutzt werden. Auch wenn verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen fahren, wenden diese dieselben Tarife wie heute an.

 

Michael Schwager vom Verkehrsclub Deutschland: Uns würde interessieren, wie das Fahrplankonzept aussieht? Was ändert sich im Vergleich zu heute außer dem Stundentakt?

Go Ahead: Der Stundentakt ist die wesentlichste Änderung.

 

Werden durch die neuen Züge mit besserer Beschleunigung die Fahrzeiten kürzer?

Go Ahead: Nur im Minutenbereich.

 

Gibt es bessere/entspanntere Übergänge zum Fernverkehr in Würzburg?

Go Ahead: Leider sind die Fahrzeiten nur im Minutenbereich kürzer, da die Taktknoten sich nicht wesentlich ändern.

 

Werden die Züge Würzburg-Heilbronn-Stuttgart zu weiteren Zielen durchgebunden oder enden diese in Stuttgart?

Go Ahead: Die Züge werden planmäßig in Stuttgart beginnen und enden, eine Durchbindung ist momentan nicht vorgesehen.

 

Werden die Züge unterwegs geschwächt oder verstärkt (also an- oder abgekuppelt)?

Frankenbahn: Leser fragen, Go Ahead antwortet

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Go Ahead: Auf der Frankenbahn werden die Züge nicht planmäßig gestärkt oder geschwächt. Die Züge von Crailsheim/Ellwangen nach Stuttgart werden jedoch in der Regel in Aalen gestärkt beziehungsweise geschwächt.

 

Gibt es ein Catering-Angebot in den Zügen?

Go Ahead: Ein Catering-Angebot ist momentan nicht vorgesehen, aber in der Prüfung.

 

Plant Go Ahead besondere Ticket-Angebote auf der Strecke?

Go Ahead: Wir fahren im Auftrag des Landes und planen gegenwärtig keine über die aktuellen Angebote hinausgehenden Fahrkarten- Angebote.

 

Gibt es Pläne/Überlegungen, in den Hauptverkehrszeiten den Takt Stuttgart - Heilbronn(-Neckarsulm/Jagstfeld) mit Go Ahead (also schnelle Züge mit wenigen Halten) zu einem Halbstundentakt zu verdichten? Das wäre der Vorschlag vom Verkehrsclub Deutschland. Der Vorteil: Zusammen mit den halbstündlichen, langsameren Metropol-Express-Zügen von Abellio ergäbe dies in der heutigen Fahrplanlage einen 15-Minuten-Takt.

Go Ahead: Das Fahrplanangebot wird durch das Land vorgegeben. Eine Ausweitung über die sich ergebenden drei Züge pro Stunde ist uns nicht bekannt.

 

Wolfgang Nagel: Gibt es in der neuen Bahn Kontrolleure, die gegen Schwarzfahrer durchgreifen und unsere Fahrkartenkosten senken?

Go Ahead: In den meisten Zügen werden Kundenbetreuer mitfahren.

 

Wird der Takt beziehungsweise die Frequenz beibehalten?

Go Ahead: Der Takt wird in der Regel verdichtet.

 

Verfügt der Zug wirklich über eine effektive Kühlung im Sommer und Heizung im Winter? Nicht andersrum wie jetzt.

Go Ahead: Die Züge verfügen über eine moderne funktionierende Klimaanlage.

 

Wie steht man zu einem Konzept, dass man ohne Fahrkarte gar nicht auf den Bahnsteig kommen kann?

Go Ahead: Die Tarifbestimmungen sind vorgegeben. Eine Beschränkung des Bahnsteigzugangs wird durch uns nicht eingeführt.

 

Das Verkehrsunternehmen Go Ahead

Das britische Verkehrsunternehmen Go Ahead wurde 1987 im Zusammenhang mit der Privatisierung der Busnetze in Großbritannien gegründet. Mit der Liberalisierung des Schienenverkehrs im Jahr 1996 stieg Go Ahead dann auch in diesen Markt mit ein, man betreibt dort inzwischen drei regionale Anbieter: Southeastern, Govia Thameslink Railway und London Midland. Ein Großteil der bekannten roten Doppeldeckerbusse fährt unter Regie von Go Ahead.

An Ausschreibungen im deutschen Schienenverkehr nimmt Go Ahead seit 2014 teil. Den ersten Zuschlag in Deutschland bekam das Unternehmen 2016 für das Stuttgarter Netz (Los 2 und 3). Hauptsitz ist in London, die deutsche Zentrale in Berlin. Das neue Büro in Stuttgart ist vor zwei Wochen eröffnet worden.