Finsterroter See Thema vor dem Landgericht Heilbronn

Wüstenrot/Heilbronn  Die Besitzerinnen des Finsterroter Sees haben die Gemeinde Wüstenrot verklagt. Ihr Vorwurf: Die Kläranlage Neuhütten ist Grund für die schlechte Wasserqualität des Sees. Jetzt trafen sich beide Parteien vor Gericht.

Von Sabine Friedrich

Finsterroter See Thema vor dem Landgericht Heilbronn

Die Idylle am 460 Jahren alten Naturdenkmal trügt. Die Gemeinde hat den See in privater Hand als Badegewässer 2017 abgemeldet. Foto: Dennis Mugler

Es hat eine Gerichtsverhandlung gebraucht, damit die beiden Parteien nun doch versuchen wollen, sich gütlich zu einigen. Die Eigentümerinnen des Finsterroter Sees und die Gemeinde Wüstenrot wollen mir ihren Anwälten eine alternative Lösung prüfen und die Kosten eruieren, damit der Finsterroter See sauberer wird und wieder als Badegewässer zugelassen werden kann.

Das war das Ergebnis der Zivilsache vor dem Heilbronner Landgericht am Dienstagnachmittag.

Großes Interesse

Der Saal platzte aus allen Nähten. Über 30 Interessierte verfolgten die eineinhalbstündige Verhandlung: Familie und Freunde der Eigentümerinnen, Wüstenroter Gemeinderäte, Ortsvorsteher und der ehemalige Bürgermeister Heinz Nägele. Sie hörten einen teils emotionalen Schlagabtausch, so dass Richter Dr. Oliver Kontusch ab und an die Gemüter beruhigen musste.

Aus Sicht der Lang-Schwestern gibt es nur eine Schuldige für die zeitweise schlechte Wasserqualität: die Kläranlage Neuhütten am Oberlauf des Finsterroter Sees. Das habe immer wieder zu Badeverboten und schließlich dazu geführt, dass die Gemeinde den See 2017 als Badegewässer abmeldete - ohne die Besitzerinnen zu informieren. Bei Starkregen könnten die Regenüberlaufbecken die Wassermassen nicht mehr fassen, so dass diese ungeklärt in den See gelangen.

Sechsstellige Summe

Der von den Klägerinnen geforderte Maßnahmenkatalog summiert sich auf eine sechsstellige Summe, allein der Retensionsbodenfilter für die Kläranlage würde 250 000 Euro kosten. Das will die ohnehin finanzschwache Gemeinde nicht leisten, wenn sie keine Gewähr für die Wirkung habe, brachte Bürgermeister Timo Wolf hervor. Er will abwarten, bis das wasserökologische Gutachten vorliegt, das die Gemeinde als Auflage für die neu erteilte Betriebserlaubnis der Kläranlage vorlegen muss.

Nach zehn Jahren Gesprächen ohne Ergebnisse ist das für Helga Lang und Christa Lang-Kemppel keine Option. Sie wollen nicht noch eine weitere Badesaison verpassen. Außerdem gehe es ihnen auch um die Ökologie des Gewässers.

Appell des Richters

Vorwürfe und Gegenrede drehten sich teilweise im Kreis. Richter Kontusch ging davon aus, dass beide Parteien die "Kuh vom Eis" haben wollten. Deshalb warf er "einen Stein ins Wasser", appellierte an die Parteien, aufeinander zuzugehen. Als Option steht eine wohl günstigere Alternative im Raum: eine Verrohrung des Kläranlagen-Ablaufs sowie ein Graben am Rande des Sees für das bei Starkregen überlaufende Wasser.

Kommt es zu keiner Einigung, wird Richter Kontusch am 22. November seine Entscheidung verkünden. Die Richtung deutete er bereits an: einen Sachverständigen für ein Sanierungskonzept zu beauftragen. Damit würde allerdings viel Zeit verstreichen.

Stimmen nach Verhandlung

"Ja, es war richtig, vor Gericht zu gehen, damit die Gemeinde wieder mit uns spricht", sagte Helga Lang nach dem Ende der Verhandlung gegenüber der Heilbronner Stimme. Natürlich wäre es ihr lieber gewesen, dass der Richter ein Urteil gesprochen hätte, sie und ihre Schwester mit ihrer Klage durchgekommen wären. "So einfach ist das Problem nicht zu lösen", kommentierte Wüstenrots Bürgermeister Timo Wolf den Ausgang. Er sah aber Ansätze für eine Kompromisslösung. Aber ob diese zum Tragen komme, sei offen. Ihm ist wichtig, dass es bei dem Gespräch mit den See-Besitzerinnen und deren Anwalt um Fakten gehe, "und nicht emotional diskutiert wird".