Elektromobilität zwischen Kunden, Gesetzen und der Physik

Künzelsau  Bei einer Podiumsdiskussion bei Pro Region zur E-Mobilität wird klar: Auf Unternehmen und Beschäftigte in der Region warten große Herausforderungen.

Von Manfred Stockburger

Dass die E-Mobilität große Auswirkungen auf die Region Heilbronn-Franken und ihre Wirtschaft haben wird, ist klar. Nur welche? Zulieferer, Autohersteller, Energieversorger, Beschäftigte - sie alle haben unterschiedliche Blickwinkel auf dass Thema.

Und die Politik spielt auch noch mit, wie in der von Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer geleiteten Podiumsdiskussion bei der Regionaltafel des Vereins Pro Region im Künzelsauer Würth-Forum deutlich wurde.

Hohe Investitionen sind notwendig

Zulieferer wie der Heilbronner Dichtungshersteller Kaco müssen in neue Produkte investieren. Dass der Traditionsbetrieb in chinesischem Besitz ist, schadet dabei offenbar nicht - in China hat E-Mobilität einen ganz anderen Stellenwert. "Alle Investitionen in E-Mobilität laufen außerhalb des normalen Budgets."

Das ist mit dem Eigentümer so vereinbart", sagte Geschäftsführer Markus Schwerdtfeger. In fünf Jahren, so glaubt er, werde entschieden sein, ob sich die E-Mobilität durchsetzt. "Die große Herausforderung ist, alles parallel zu machen."

 


Für Zeag-Chef Eckard Veil geht es um große Investitionen ins Netz, die er planen muss. "Das geht nicht von heute auf morgen." Welche Ladetechnik wird sich durchsetzen? Und welche Investitionen macht die Physik der E-Mobilität nötig?

Für Veil ist mit der E-Mobilität der Ausbau der erneuerbaren Energien eng verbunden. Dass Autobatterien Netzschwankungen ausgleichen können, hält er für utopisch. Der Zeag-Chef hofft auf die Brennstoffzelle. "Auch der Wasserstoff muss aus erneuerbaren Quellen kommen." Sonst sei das wenig sinnvoll.

Autoindustrie ist getrieben von den Gesetzen

"Wir bauen keine Autos für die Politik, sondern für die Kunden", sagte Stefan Niemand, Leiter Elektrifizierung bei Audi. Und doch spielt die Politik eine wichtige Rolle in seinen Überlegungen: "Wir sind getrieben durch Gesetze. Wir brauchen 2025 einen E-Auto-Anteil von etwa 30 Prozent - sonst müssen wir CO2-Strafzahlungen leisten." Und: "Wir müssen, wollen und werden gesetzeskonform sein." Die Diesel-Krise lässt grüßen.

Rocco Pace, der Betriebsratsvorsitzende bei Getrag in Untergruppenbach, hofft, dass für den Umbau genügend Zeit bleibt. "Ich wünsche mir, dass wir den Verbrennungsmotor noch ein paar Jahre haben." Das Doppelkupplungsgetriebe sei gut für Hybridfahrzeuge, die als Übergangstechnologie gelten. "Es ist wichtig, dass man die Menschen mitnimmt", sagte Pace.

Mittelstand auf der Suche nach neuen Nischen

Dass ihm Zeit bleibt für den Umbau des Unternehmen hofft auch Joachim Vogel von BEW-Umformtechnik in Rosengarten, einem Hersteller von Schmiedeteilen für Getriebe und Fahrwerk. "Es wird schwierig für uns, neue Nischen zu finden." Er orientiert sich in Richtung neuer Branchen, etwa der Medizintechnik. Er geht allerdings davon aus, dass es länger als fünf Jahre dauern wird, "bis wir nennenswerte E-Mobilität auf der Straße haben".

 

Die Bürgerinitiative Pro Region

Um das Wir-Gefühl in der Region Heilbronn-Franken zu stärken, hat sich die Bürgerinitiative Pro Region Heilbronn-Franken 1997 nach einem Stimme-Forum gegründet. An der Spitze standen damals der Unternehmer Reinhold Würth und der IG-Metall-Funktionär Frank Stroh.

Das Ziel, die einzelnen Teile der Region enger aneinander zu binden, ist geblieben - und dafür zu sorgen, dass Entscheider und Verantwortungsträger in der Region sich besser kennenlernen. Dazu dient die Regionaltafel, die erstmals im Künzelsauer Würth-Forum stattfand. Vorsitzender des Vereins mit fast 500 Mitgliedern ist heute der frühere Öhringer OB Jochen Kübler, der um weitere Mitglieder wirbt.