Eine Uni in Heilbronn: Drei Fragen und Antworten

Region  Die TU München eröffnet einen Standort auf dem Heilbronner Bildungscampus. Das hat Auswirkungen auf die Stadt und die Region.

Von unserer Redaktion

Über die beleuchtete Campusbrücke werden künftig auch Uni-Studenten gehen. Foto: Veigel  

Wie kam es zu der Vereinbarung zwischen Dieter-Schwarz-Stiftung und der TU?

Lange Zeit sah es so aus, als käme die Mannheim Business School als universitärer Partner der Schwarz-Stiftung nach Heilbronn. Nun hat die TU München das Rennen gemacht. Und in der Region ist es bald erstmals möglich, universitäre Bildung und Abschlüsse zu erlangen - zusätzlich zu den Hochschulangeboten, die es weiterhin gibt. Die Verhandlungen der Partner hatten sich über Monate hingezogen. Kein Wunder, eine derart umfangreiche Kooperation (die Schwarz-Stiftung finanziert 20 wirtschaftswissenschaftliche Professuren der TUM mit Ausstattung und Infrastruktur), zumal über Bundesländergrenzen hinweg, ist einzigartig in der deutschen Hochschulgeschichte. Die finanzielle Kennzahlen der Vereinbarung sind nicht bekannt, mehr als 100 Millionen Euro dürfte das Projekt, das auf 30 Jahre angelegt ist, aber kosten. 

Was versprechen sich die Partner?

Wolfgang Herrmann, Präsident der TUM, outete sich, dass er Heilbronn gar nicht kannte - und ist nun fasziniert von den "eigenkapitalstarken Familienunternehmen", den Weltmarktführern und Technologiebetrieben in der Region. Auf die Verbindung von Management und Technologie sollen Lehre und Forschung dann auch ausgerichtet sein. "Wenn ich Familienunternehmen in Deutschland lernen will, dann muss ich in Heilbronn studieren", sagt TUM-Dekan Gunther Friedl über die Zukunft. Mit dem Fokus etwa auf Familienunternehmen baut die TUM ihr Portfolio aus. 

Der Hochschulstandort Heilbronn rückt indes dank des Elite-Partners in eine ganz andere Liga vor. Mit den Uni-Angebot sei es gelungen, "die Bildungspyramide im Bereich der Hochschulen vollständig zu schließen", sagt Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Schwarz-Stiftung. Die neuen Bachelor- und Masterangebote werden Studieninteressierte anlocken, die Heilbronn bisher womöglich nicht auf dem Schirm hatten. 1000 zusätzliche Studenten werden in den nächsten Jahren erwartet. Oberbürgermeister Harry Mergel geht davon aus, dass die Stadt jünger, internationaler und bunter wird. 

Gibt es auch Zweifel? 

Während Hochschul-, Stiftungs- und Stadtvertreter einhellig die großen Chancen herausstellten, sorgten sich Kommentatoren in den sozialen Netzwerken darum, dass es nun weitere Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt gibt. In der Tat dürfte die Schaffung von ausreichend Wohnraum die größte Herausforderung für die Stadt werden. Häufiger hört man zudem kritische Töne über die Verquickung zwischen Wirtschaft und Hochschulwelt. Den TUM-Präsidenten ärgert das, weil Universitäten einerseits eine hohe Qualität, andererseits einen guten Draht zur Wirtschaft brauchten. Einer kolportierten Einmischung der Stiftung in Forschung und Lehre tritt Herrmann entschieden entgegen: "Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat nicht einmal versucht, auch nur im Geringsten Einfluss zu nehmen."