Ein Zirkus-Mix, der Spaß macht

Heilbronn  Der Heilbronner Weihnachtszirkus hat in seiner 19. Auflage wieder ein tempo- und abwechslungsreiches Programm auf die Theresienwiese mitgebracht. Bei der Echo-Familienvorstellung am Mittwochnachmittag zeigten die rund 2500 Besucher ihre Begeisterung.

Von Carsten Friese

 

 

Es ist Nervenkitzel der besonderen Art: Als das Duo Romance an einer gut sechs Meter hohen Stange ohne Netz oder Sicherung schwebt und plötzlich im Duett in rasantem Tempo abwärts saust, stockt einem der Atem. Kurz vor den Sägespänen am Manegenboden stoppen sie den freien Fall, die Artisten erhalten für ihre filigrane, traumwandlerische Nummer tosenden Applaus vom Publikum.

Riesenjoystick

"Das ist hier schon ein besonderes Niveau", zollte Stadtinitiative-Vorsitzender Thomas Gauß als Gast den Machern ein Kompliment. Große und kleine Zuschauer hatten sichtlich Spaß an dem Mix aus Tier- und Akrobatikshow, aufgelockert durch Späße von Clown Boris. Der lässt nicht nur eine Zuschauerin mit einem Riesenjoystick einen Nahkampf-gegner dirigieren, der den Clown ein ums andere Mal vermöbelt. Bei einem Breakdance-Wettstreit lässt der Clown einen Gast schnelle, hektische Körperzuckungen nachmachen - was der junge Mann gar nicht schlecht meistert.

Jubelstürme erntet der Chinese Zhang Fan für eine beeindruckende Nummer am durchhängenden Schleppseil. Überkreuz-Handstand, Kopfstand oder Spagat auf dem dünnen Stahlseil sind nur der Auftakt zu dem Moment, als er auf einer schräg stehenden Leiter auf dem Seil in den Handstand geht. Körperbalance vom Feinsten. "Er ist auf dem Schleppseil die absolute Nummer eins auf der Welt", sagt Zirkusdirektor Sascha Melnjak. 31 Akteure in der Manege, neun in der Kapelle und 29 Tiere bilden den Rahmen der gut zweieinhalbstündigen Show.

Knieende Bisons

Von Tierschützern kritisiert, von den Zuschauern bejubelt: der Auftritt von Dompteur Alexander Lacey mit zwei Löwen, vier Löwinnen und sieben Tigern. "Habt ihr Angst?", fragt er kokett ins Publikum, als er sich an den fauchenden Raubkatzen im Käfig vorbeibewegt. Sie springen über ihre Artgenossen, legen sich der Reihe nach auf den Manegenboden, zwei Tiger vollführen aufrecht einen Lauf auf den Hinterpfoten. Lacey umarmt einen der Tiger und gibt ihm Küsschen - ehe sich ein Löwe zum Abschluss mit einem Teil seines Körpers vorsichtig über den Dompteur legt.

Auch interessant: Aufregung um Video über Einsatz von Stangen am Löwenkäfig

Gelehrige, aber eher tempoarme Esel, rassige Pferde mit einer spannenden Artistennummer auf ihren Rücken, mächtige Bisons, die Pirouetten drehen und niederknien und eine schnelle Jonglage mit Fußbällen per Fuß, Kopf, Händen oder Hacke komplettieren das breit gefächerte Programm. Vor dem großen Finale zeigt die chinesische nationale Akrobatiktruppe Artistik besonderer Prägung. Bei Sprung- und Standfiguren über mehrere Etagen halten die grazilen Frauen gestapelte kleine Schüsseln in der Balance. Am Ende stehen drei Männer auf Schultern übereinander, eine Frau wird mit den Schüsseln auf den Fußsohlen nach ganz oben katapultiert. Sie steht den Handstand, die Schüsseln bleiben oben. Tosender Applaus brandet im Zirkusrund auf - zur Nachahmung ist Laien die Kür indes nicht gerade zu empfehlen.

Info

Bis 7. Januar gastiert der Weihnachtszirkus in Heilbronn. Weitere Infos: www.weihnachtscircus.com. Ein Video zur Show gibt es in der neuen 360-Grad-Folge, die am Donnerstag ab 12 Uhr hier auf stimme.de verfügbar ist.

 

Kritik zu Wildtieren

Zum Start der Weihnachtszirkus-Saison fordert der Landestierschutzverband Baden-Württemberg ein "Abschaffen der Wildtierattraktionen" im Zirkus. Die Tiere würden bei nasser Kälte und Wind in zugigen Stallzelten oder Käfigwägen "zur Schau gestellt", müssten "artwidrige Dressurkunstücke vorführen". Wildtiere könnten in fahrenden Zirkussen nicht artgerecht gehalten werden, betont Vorsitzender Stefan Hitzler.

Dompteur Alexander Lacey hatte kürzlich dagegen gesagt, Löwen und Tiger würden vom Leben im Zirkus profitieren. Die Tiere würden mit Neugier auf Ortswechsel reagieren und "wollen beschäftigt sein". Bis 2019 darf der Weihnachtszirkus laut Vertrag mit der Stadt Heilbronn noch Wildtiere auftreten lassen.

Aufregung gab es im Vorfeld des Weihnachtszirkus um ein privat gedrehtes Video, in dem angeblich ein Löwe mit einer Stange bedroht wird. Was wirklich dahintersteckt, lesen Sie hier.