E-Card: Kassenärzte steigen aus Modellversuch aus

Heilbronn - Die erste Proberunde für die Elektronische Gesundheitskarte (E-Card) in Heilbronn ist beendet, die zweite wurde vor wenigen Wochen noch vor dem Start gestoppt. Jetzt können die Beteiligten das Totenglöckchen für den Modellversuch in der Testregion läuten. Alles deutet darauf hin, dass er in Heilbronn nicht fortgeführt wird. Nach Informationen unserer Zeitung verweigern die niedergelassenen Kassenärzte die weitere Teilnahme.

Von Siegfried Lambert

Ausgelesen: Die Ärzte ziehen sich aus dem Heilbronner Probelauf der Gesundheitskarte zurück. Foto: Archiv/dpa

Die erste Proberunde für die Elektronische Gesundheitskarte (E-Card) in Heilbronn ist beendet, die zweite wurde – wir berichteten – vor wenigen Wochen noch vor dem Start gestoppt. Jetzt können die Beteiligten das Totenglöckchen für den Modellversuch in der Testregion läuten.

Alles deutet darauf hin, dass er in Heilbronn nicht fortgeführt wird. Denn die Ärzte, die bislang bereits mehrheitlich die neue digitale Chipkarte ablehnen, die später einmal Funktionen wie das „elektronische Rezept“ und die „elektronische Patientenakte“ bieten soll, verweigern nun die weitere Teilnahme. Damit fehlt den Krankenkassen der wichtigste Testpartner in der einzigen E-Card-Region im Südwesten.

Vollbremsung

Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Stuttgart verabschiedete am Mittwochabend einstimmig einen Antrag zur E-Card, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Die niedergelassenen Ärzte fordern darin ihren Vorstand dazu auf, die Verträge mit der E-Card-Arbeitsgemeinschaft „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ aufzukündigen. Die KV-Spitze ist an diese Beschlüsse gebunden und muss sie umsetzen. Kassenvertreter reagierten verärgert, wollten dazu aber keinen Kommentar abgeben. Auch das Gesundheitsministerium wurde von dem KV-Beschluss überrascht.

Für neue Verhandlungen werden von den Ärzten Bedingungen gestellt, die Kassenvertreter in einer ersten Reaktion als „völlig unannehmbar“ bezeichneten. Danach soll den Medizinern vor einer weiteren Teilnahme an dem Versuch eine vollständige Finanzierung der Anschaffungs- und Installationskosten der Computer und Geräte garantiert werden. „Die Testärzte sind gesondert zu vergüten“, heißt es im Antrag weiter. Der Konfrontationskurs wird an einem weiteren Punkt deutlich. Der Austausch der bisherigen Kartenleser gegen neue E-Card-Lesegeräte, das sogenannte Basis-Rollout, soll laut Beschluss „im Südwesten politisch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert“ werden.

Rückschlag

Verhandelt werde erst, wenn die technischen Probleme gelöst und die 100-Prozent-Finanzierung für die teilnehmenden Ärzte verbindlich zugesichert seien. Alle noch laufenden Tests werden vorläufig unterbrochen. Die jüngste Entwicklung bedeutet einen weiteren schweren Rückschlag für die geplante Einführung der digitalen Patientenkarte (siehe Hintergrund). In Heilbronn lief der E-Card-Versuch seit Oktober 2007. „In dieser Zeit haben 9000 Versicherte, 15 Ärzte, zehn Apotheker und die SLK-Kliniken die Karte im Offline-Modus getestet“, sagt der Heilbronner AOK-Chef Thomas Weber, der von dem KV-Beschluss ebenso überrumpelt wurde wie die AOK-Spitze in Stuttgart. Die erste Testrunde war im Juni nach Angaben der Kasse und der beteiligten Mediziner erfolgreich beendet worden. Die geplante zweite Stufe (Online) wurde ausgesetzt, weil die Hersteller nach wie vor Probleme mit der Technik haben.

Es gibt noch immer keine Geräte zum Auslesen und Übertragen der aktualisierten E-Card-Daten, ebenso fehlt die Software. Bei dem Online-Test soll der Arzt per Datenleitung direkt bei der Krankenkasse kontrollieren, ob sich Adresse, Familienstand oder Zuzahlung des Patienten geändert haben.

Für Kreisärztechef Martin Uellner kommt das Scheitern nicht überraschend. „Die klare Position der KV ist zu begrüßen“, sagte der Böckinger Hausarzt gestern. „Wir niedergelassenen Ärzte können keine Vorteile durch die Karte erkennen. Und es gibt noch immer ein Sicherheitsrisiko bei der Übermittlung von Patientendaten.“


Stichwort: E-Card

Die Elektronische Gesundheitskarte soll die bisherige Chipkarte der Krankenkassen ablösen. Auf ihr sollen alle Behandlungen, Rezepte und Notfalldaten gespeichert werden. Zu technischen Problemen bei den bisherigen Tests kommen hohe Kosten. Die für die E-Card zuständige Gesellschaft Gematik geht von bis zu 14,1 Milliarden Euro aus, die von den Versicherten getragen werden sollen. Die Privaten Krankenversicherer sind deshalb vor wenigen Tagen aus dem Großprojekt ausgestiegen. -bert