Dreiste Diebe machen Millionenbeute - Täter flüchten (15.12.2009)

Von Carsten Friese

Auf spektakuläre Art haben unbekannte Täter am Dienstagmorgen den Transporter einer Sicherheitsfirma voller Gold und Goldschmuck im Wert von mehr als einer Million Euro gestohlen. Die mutmaßlich vier Männer, die im Heck eines dunklen BMW offenbar eine Leuchtanzeige mit dem Schriftzug „Stopp, Polizei“ montiert hatten, leiteten den Transporter gegen 9.55 Uhr auf der A 81 in Richtung Stuttgart an der Abfahrt Ludwigsburg-Nord von der Autobahn ab. Nach Polizeiangaben hatten die Männer dunkle Jacken mit der Aufschrift „Polizei“ an, gaben sich als Steuerfahnder aus und erklärten den Werttransporter für beschlagnahmt.

Getrennte Wege 

Als sie Fahrer und Beifahrer einer Werttransportfirma aus dem Raum Neumarkt/Oberpfalz in ihren dunklen BMW brachten, legten sie ihnen Handschellen an. Die Täter flohen mitsamt ihren Geiseln in dem BMW, einem roten VW-Bus und dem silbergrauen Sprinter mit dem Aufdruck der Werttransport-Firma in umgekehrter Richtung über die A 81 Richtung Weinsberger Kreuz.

Dort trennten sich nach bisherigen Ermittlungen der Polizei die Wege. Werttransporter und VW-Bus fuhren in unbekannte Richtung davon. Zwei der Täter fuhren die Gefesselten im BMW einige Kilometer durch den nördlichen Landkreis Heilbronn und setzten die Opfer an der Kreisstraße 2001 zwischen Oedheim und Lautenbach am Straßenrand aus. Gegen 10.40 Uhr alarmierte ein Passant die Heilbronner Polizei, dass gefesselte Männer an der Straße stünden.

Einen solchen Fall hat Ludwigsburgs Polizeisprecher Peter Widenhorn noch nicht erlebt. Ob der spektakuläre Diebstahl die Folge eines Zufallstreffens auf der Autobahn oder von langer Hand geplant war, sei unklar. „Keine Erklärung“ hat Widenhorn auch dafür, dass die Täter einen abgelegenen Ort im Landkreis Heilbronn ansteuerten. Ortsfremde finden die Stelle sicher nicht auf Anhieb. Die zwei Mitarbeiter der Werttransportfirma seien unverletzt. Sie wurden auch noch am Nachmittag zu dem ungewöhnlichen Vorfall vernommen.

Eine sofort eingeleitete Ringfahndung, bei der auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz war, brachte keinen Erfolg. Bis Redaktionsschluss blieben Fahrzeuge, Täter und das Gold verschwunden.

Junge Täter

„Es soll eine blaue Leuchtschrift gewesen sein“, gibt der Polizeisprecher die Aussagen des Fahrers (43) und des Beifahrers (61) der Transportfirma wieder. Bei den Tätern soll es sich um vier Männer im Alter von etwa 25 Jahren gehandelt haben. Zwei sollen Deutsche, zwei mutmaßlich Osteuropäer sein. Waffen sollen die Unbekannten bei ihrem spektakulären Coup nicht eingesetzt haben.

Am Morgen hatte die Heilbronner Polizei den Fall zunächst bearbeitet und die Fahndung ausgelöst. Am Anfang war der Tatort Rasthof Wunnenstein im Gespräch. Später hieß es, die Tat sei bei Mundelsheim passiert. Damit war die Ludwigsburger Polizei zuständig und übernahm Ermittlung und Befragung der Firmenmitarbeiter. Am Nachmittag hieß es: Tatort war die B 27 direkt nach der Abfahrt Ludwigsburg-Nord.

Polizei sucht Zeugen

Der verschwundene silbergraue Goldtransporter mit dem Kennzeichen NM-RH 818 ist ein Wagen der Marke Sprinter. Über seinen Verbleib weiß die Polizei ebenso wenig wie über die Fahrzeuge der dunkel gekleideten vier Täter, einen dunkelfarbenen BMW und einen roten VW-Bus. Beide Wagen sollen Nürnberger Kennzeichen getragen haben. Der Werttransporter aus dem Raum Neumarkt soll auf dem Weg nach Pforzheim bei verschiedenen Kunden Gold abgeholt haben.

Die Polizei sucht zudem Zeugen, die auf der B 27 direkt nach der A 81-Abfahrt Ludwigsburg-Nord die „Beschlagnahmung“ des Transporters gesehen haben. Telefon: 07141/18-9.



Überfall auf Schmucktransport - 15.12.09 auf einer größeren Karte anzeigen



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