Demo gegen Atomkraft in Neckarwestheim

Kirchheim/Neckarwestheim  Bei einer Demo erinnern mehrere hundert Atomkraft-Gegner vor dem Kernkraftwerk in Neckarwestheim an die Folgen des Atomunglücks in Fukushima.

Von Adrian Hoffmann

 



Nach den regelmäßigen Demonstrationen bei den Aufsehen erregenden Castortransporten auf dem Neckar im vergangenen Jahr lassen die Atomkraftgegner mal wieder etwas von sich sehen. Am siebten Jahrestag des Super-Gaus im japanischen Fukushima kamen nach Einschätzung der Polizei rund 500 Menschen zum Protest zusammen – und liefen am Sonntagmittag um 13 Uhr von Bahnhof in Kirchheim zum Atomkraftwerk Neckarwestheim.

Franz Wagner, Sprecher der Atomgegner, zählte allerdings mehr Menschen als die Polizei und sprach von rund 800 Teilnehmern. „Ich hätte mir noch mehr gewünscht, so wie vor zwei Jahren, als über 1000 kamen“, sagt er. Es sei dennoch eine runde Sache geworden.

Nach Angaben der Polizei gab es keine Zwischenfälle, die Demonstration verlief friedlich. Zu den Rednern gehörte auch ein Journalist aus Japan, Masao Fukumoto. Er hatte nachgewiesen, dass nach der Fukushima-Katastrophe die Säuglingssterblichkeit und die Zahl der Totgeburten in den angrenzenden Gebieten deutlich anstieg. „Die japanischen Medien tragen dazu bei, alles was passiert ist, zu verharmlosen“, hatte er einst in einem Interview mit der taz gesagt. Auch heute noch denkt er so; und auch in Deutschland wird seiner Ansicht nach die Gefahr, die von Atomkraft ausgeht, weiter verharmlost.

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Zusammen mit der japanischen Atomindustrie plane die japanische Regierung den weiteren Bau von Atomkraftwerken im Ausland, so Masao Fukushima weiter. „Alles, was in Fukushima passiert ist und noch passiert, ist eine Mahnung für uns alle. Es ist höchste Zeit, endlich zu kapieren, dass es schon lange vorbei ist mit der Nutzung von Kernenergie“, sagt der Journalist in deutscher Sprache – unter begeistertem Beifall der Demonstranten. Anti-Atom-Aktivist Franz Wagner kritisiert: „Und mit den olympischen Sommerspielen 2020 will Japan der Welt suggerieren, dass der Supergau vorbei und beherrschbar sei.“

 

 

 

Im Anschluss wurde eine Solidaritätserklärung der japanischen Anti-Atomkraft-Bewegung verlesen. Das Bündnis „Fukushima – Neckarwestheim“ besteht nun bereits seit mehreren Jahren. Die zweite Rednerin des Tages, Angelika Claußen von der Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“, musste krankheitsbedingt absagen – ihre Rede wurde dennoch verlesen. Claußen ist Expertin für die gesundheitlichen Gefahren von Niedrigstrahlung und war Mitautorin einer Studie „Gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima“, die 2016 veröffentlicht wurde. Sie kritisiert den Umgang mit den Gefahren der Strahlung.

„Atomausstieg sieht anders aus“, heißt es in einer Mitteilung der Demo-Veranstalter. Trotz Fukushima seien in Deutschland noch immer sieben Atomreaktoren in Betrieb „und sollen bis 2023 weiter Atomstrom und Atommüll produzieren“. Atomkraftwerke und auch die Kohlekraftwerke verschmutzten die Umwelt und verhinderten die weitere, rasche Energiewende. „Indem ihr umweltschädlicher Strom die Leitungen verstopft.“ Das müsste nicht sein, sagt Franz Wagner, trotz des politischen Ausbremsens der Energiewende.Die Klimazielen sollten eingehalten werden – so die Forderungen der Atomkraft-Gegner.

 

Strahlenbelastung in einigen Gemeinden nach wie vor hoch

Vor sieben Jahren verursachten ein Erdbeben und ein Tsunami einen Super-Gau in einem Atomkraftwerk in der japanischen Provinz Fukushima. Hunderttausende mussten ihre Heimat verlassen. 

Kernkraftwerk Fukushima
Die zerstörten Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima Dai-ichi in Japan. Auch sieben Jahre nach dem Atomunfall ist die Strahlenbelastung in einigen Gegenden hoch. Foto: dpa  

Der geschmolzene Brennstoff in den Reaktoren ist bis heute nicht vollständig geborgen. Inzwischen gibt die japanische Regierung Städte und Dörfer für die Rückkehr frei.

Nach einer Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist die Strahlenbelastung in einigen umliegenden Gegenden immer noch extrem hoch.

Internationale Grenzwerte wurden nach Angaben von Greenpeace bei Messungen in den Gemeinden Iitate und Namie ums bis zu Hundertfache überschritten.