DAV sieht Grenze zum Kommerz nicht überschritten

Heilbronn  Gelassen verfolgt man bei der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins die aufgeflammte Diskussion, ob der DAV mit seinen bundesweit rund 200 Kletterhallen die Grenze vom Vereinssport zum Kommerz überschritten hat.

Von Joachim Friedl

Grenze zum Kommerz nicht überschritten

"Ich verstehe die losgetretene Debatte nicht, zumal es sich um ein altes Thema und ein spezielles Gerichtsurteil aus 2014 handelt", zeigt sich Sektionsgeschäftsführer Thomas Pfäffle irritiert. 

Vorstandsmitglied Wilfried Thonig ergänzt im Gespräch mit der Heilbronner Stimme: "Die öffentliche Förderung der Hallen ist rechtmäßig. Das haben das Oberlandesgericht Frankfurt, das Oberverwaltungsgericht Berlin und der Europäische Gerichtshof in entsprechenden Urteilen bestätigt."

Hintergrund war eine Entscheidung des Amtsgerichts Darmstadt

Die Richter hatten vor vier Jahren nach einem Rechtsstreit angeordnet, dass die Sektion Darmstadt ihre Kletterhalle im Handelsregister als Gewerbe anmelden muss. "Mehr war da nicht", betont auch Thomas Bucher, PR-Manager beim DAV-Hauptverein mit Sitz in München auf Anfrage. Der Kletterbetrieb beschädige den Vereinscharakter nicht.

"Unser Alpinzentrum ist wie jede andere DAV-Kletterhalle als gemeinnützige Sportstätte anerkannt", sagt mit "gutem Gewissen" Wilfried Thonig. Das Vereinskonstrukt mit einer Verwaltungsgesellschaft und einer Betriebs GmbH & Co.KG sei öffentlich und dem Finanzamt bekannt. Förderungen seitens der Stadt Heilbronn und des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) seien nie in Frage gestellt worden. Für Pfäffle steht zudem fest: "Der DAV leistet mit seinen Hallen einen erheblichen und gemeinnützigen Beitrag zur Entwicklung des Breitensports."

Auch Sportvereine sehen es gelassen

"Keinerlei Risiken" sieht auch Tim Lamsfuß, dass die TG Böckingen wegen ihres Fitnessstudios auf der Schanz die Gemeinnützigkeit aufgrund des Darmstädter Amtsgerichtsurteils verlieren könne: "Bei uns ist alles ordentlich geklärt", sagt der TGB-Geschäftsführer. Kommerzielle Bereiche wie das Bistro würden nicht bezuschusst, im Fitnessstudio erwirtschaftete Überschüsse flössen an den Hauptverein: "Da wird sauber zwischen Vereinssport und Kommerz getrennt."

Wenig Freude hat die DAV-Sektion Heilbronn, mit mehr als 13.000 Mitgliedern größter Verein in der Region Heilbronn-Franken, mit der neben dem Alpinzentrum an der Lichtenbergerstraße geplanten Boulderhalle und dem 16 Meter hohen Außenkletterturm. Zum wiederholten Male musste der Spatenstich für die Bauten verschoben werden.

Zuletzt hatte die Stadt eine gesonderte Prüfstatik für den Kletterturm gefordert. "Die Verzögerung führte schließlich dazu, dass sich die bulgarische Baufirma geweigert hat, unter zehn Grad keine Außenmontage vorzunehmen", beschreibt Wilfried Thonig die Problematik. Für Mitte/Ende Mai erwartet er nun die Fertigstellung des Kletterturms.

Rohbauarbeiten wurden vergeben

Grenze zum Kommerz nicht überschritten

Bei der Halle spricht Thonig dagegen nicht mehr von "Erwartungen", sondern formuliert eine klare Vorgabe: "Sie muss am 30. September, zur Eröffnung der Saison, übergeben werden." Die Darlehen müssten schließlich bedient werden: "Dazu braucht die Sektion Einnahmen aus der Boulderhalle." Die Rohbauarbeiten wurden jetzt vergeben, Spatenstich soll am 22. Januar sein.

Die Gesamtkosten für die Boulderhalle und den Kletterturm sowie die Einrichtung eines Fitnessraums, die Modernisierung der Kletterwand und die Erneuerung der Sauna belaufen sich auf rund 2,8 Millionen Euro. 640.000 Euro stellen DAV-Mitglieder über Darlehen zur Verfügung. "Damit haben wir nicht gerechnet", freuen sich Wilfried Thonig und Thomas Pfäffle über die Verbundenheit der Mitglieder mit dem Verein. Erwartet hatte die Sektionsführung "rund 200.000 Euro".

 
 
 

Der DAV und die Buga

Während der Bundesgartenschau 2019 wird die Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins die Kletteranlagen im Buga-Gelände betreuen. Noch aber hat die Buga GmbH dem Verein kein Angebot für die 173 Veranstaltungstage gemacht. Fest steht für Sektions-Vorstandsmitglied Wilfried Thonig, dass die Betreuung nicht durch ehrenamtliche, sondern hauptamtliche Kräfte erfolgen muss. Das heißt für ihn: "Es muss Personal eingestellt werden. Die anfallenden Kosten muss die Buga GmbH tragen." Wie die Kletterbereiche nach der Buga betreut werden, steht noch nicht fest.