Challenge Heilbronn: Spitzensport vor Topkulisse

Region  Die Heilbronner Innenstadt wurde zur Tribüne für den Challenge-Triathlon. Wie haben Athleten und Zuschauer die Veranstaltung erlebt?

Von Helmut Buchholz

Triathleten dürfen nicht zimperlich sein. Im Getümmel kurz nach dem Schwimmstart im Neckar gibt es öfter ungewollten Körperkontakt. Foto: Andreas Veigel

Morgens um 9 Uhr hat es eine Entenfamilie auf dem Neckar ganz eilig. Sie kreuzt am Sonntag kurz vor dem Start hastig die Schwimmstrecke der Triathleten, um nicht in den Kraulschlag der Ausdauersportler zu geraten.Dann fällt der Startschuss - und von Stund' an ist in Heilbronn alles anders.

Tausende Zuschauer stehen auf Brücken und an den Uferwegen des Neckars und machen aus dem Fluss ein riesengroßes Schwimmstadion. Der ganze Stadtkern bildet eine Topkulisse für die Spitzensportler. Getreu dem Motto des Sparkassen Challenge Triathlons powered by Audi, wie er vollständig heißt: Mitten drin in der Stadt.

Begeisterung bei den Zuschauern

Der Wahlspruch ist keine hohle Phrase. Wer sich bei Zuschauern umhört, hört kaum Kritik, aber viel Begeisterung. Kai Kisseberth (44) findet den Triathlon "toll". Schließlich hat auch Tochter Paulina (6) beim Nachwuchswettbewerb gewonnen. Der Untereisesheimer mag vor allem die Vielseitigkeit an dem Großereignis: "Hier in der Stadt sieht man alle Disziplinen: Schwimmen, Radfahren und Laufen." Pia Hackbeil lobt die "super Stimmung". Für die 27-Jährige aus Schwaigern sind die Schwimmstarts "beeindruckend". Der Triathlon sei eine Bereicherung für Heilbronn. "Da ist mal was los hier."

Auch bei den Athleten steht der Wettbewerb hoch im Kurs. Wilfried Ruoff war bei bisher allen acht Triathlons am Start. "Für mich als Heilbronner ist das ein absolutes Muss." Der 57-Jährige startet auf der Volksdistanz und freut sich über die "geniale Stimmung".

Eines der Epizentren der Fanleidenschaft sei der Marktplatz, der Zieleinlauf. Nicht nur der Sieger Boris Stein werde gefeiert. "Selbst wenn die Langsameren später ins Ziel kommen, ist der Jubel groß", erklärt Ruoff. Dem Hobbytriathleten ist auch aus Erfahrung nicht vor dem trüben Neckar bang. "Das Wasser ist besser als in so manchem See, in dem bei Triathlon-Wettbewerben geschwommen wird." Nur die Strömung "spürt man schon".

Lob für die Organisation

Staffelschwimmer Marko Reuhl (47) aus Hessen macht sich nur über eins im Neckar Gedanken: "Da sind Fische drin." Er ist zum ersten Mal beim Wettkampf in Heilbronn dabei. Sein Eindruck: "Alles sehr gut organisiert. Schön, dass für die Zuschauer so alles nah beieinander liegt." Das sieht auch Staffelschwimmer Christoph Lichtenberg aus Zaberfeld so: "Alles cool hier und professionell organisiert."

Beim achten Triathlon des Veranstaltertrios Christoph Troßbach, Erich Hoffmann und Achim Kern sind "nur" 2000 Athleten dabei. 2016 waren es noch etwa 2500. Das war an der Kapazitätsgrenze. Mehr geht aus logistischen Gründen nicht. Troßbach macht unter anderem die Ferienzeit für den Schwund verantwortlich. Kein Grund zum Jammern. Im Gegenteil. Troßbach: "Für mich war es vielleicht der schönste Triathlon. Alles hat gepasst."

Neue Veranstalter in Zukunft

In seiner Bilanz schwingt schon Wehmut mit, schließlich ist der achte auch der letzte Triathlon für das Veranstaltertrio. Die Drei haben den Stab bekanntermaßen an die Sporteventagentur der Brüder Kai und Rik Sauser aus Villingen-Schwenningen weitergegeben. Troßbach, Hoffmann und Kern halten "ihrem Kind" als Unterstützer im Hintergrund dennoch weiterhin die Treue. Sie haben in den achten Jahren viel erreicht. Erich Hoffmann sagt es so: "Wenn man sieht, wie viel Energie durch die Stadt fließt. Die Dynamik. Da bekomme ich eine Gänsehaut."


Kommentar: Besonderes Flair

Der Triathlon ist eine herausragende Veranstaltung mitten in Heilbronn, die nicht nur eingefleischte Fans in ihren Bann zieht. Was macht das Ereignis so attraktiv?

Da ist zum einen der große Sport mit internationalen Spitzenathleten, der in der Innenstadt hautnah mitzuerleben ist. Das ist in einer Stadt viel wert, in der der Fußballclub FC Union jetzt in die 9. Liga abgestiegen ist. Heilbronn bietet zwar in Nischenbereichen hohes Sportniveau, wird aber leider als Ort, wo Topleistungen geboten werden, von nahen Städten wie Neckarsulm überholt. Darum lechzt die Stadt danach, Schauplatz von Sportevents der Extraklasse zu werden − da dies ja selten genug passiert. Der Triathlon ist eine willkommene Ausnahme.

Die Veranstaltung zeigt aber auch auf engstem Raum, welches Potenzial in der Heilbronner Innenstadt steckt. In einer Zeit, in der immer mehr öffentliche Feste auf der Kippe stehen, weil zum Beispiel die Sicherheitsauflagen zu groß werden, zeigen drei Privatpersonen aus der Region, was man mit viel Idealismus und einer guten Idee auf die Beine stellen kann. Und das ohne Fangnetz für das finanzielle Risiko, wie es öffentliche Veranstalter haben.

Die Triathlon-Macher geben nun nach acht Jahren den Stab an eine auswärtige Sporteventagentur weiter. Das besondere Flair, das der Triathlon hat, wird hoffentlich bleiben. Denn bei dem Großereignis ist Heilbronn so, wie es immer sein will: dynamisch, weltoffen, einfach gut drauf.

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