Castor-Transport erreicht Neckarwestheim

Obrigheim/Neckarwestheim  Ein Spezialschiff brachte am Mittwoch hoch radioaktiven Atommüll von Obrigheim nach Neckarwestheim. Der Transport wurde von Protesten begleitet. Die Polizei bezeichnete die Störaktionen als „friedlich“.

Von Alexander Klug

 

Das Schiff mit radioaktivem Abfall aus dem stillgelegten Atomkraftwerk in Obrigheim fuhr am Mittwoch zum dritten Mal durch die Region. Kurz vor 6 Uhr machte es sich auf den Weg Richtung Neckarwestheim. Dort sollen die ausgedienten Brennelemente zwischengelagert werden, bis ein Endlager gefunden ist. Rund 25 Demonstranten versammelten sich zu einer Mahnwache und Demonstration in Gundelsheim, ebenso in Heilbronn.

Aktionen gab es vor allem in Gundelsheim: Erst schwammen Demonstranten in den Fluss und entrollten ein Transparent, ein paar Meter weiter ketteten sich Atomkraftgegner an das Geländer der Brücke über den Neckar. Die Stimmung blieb aber friedlich. Der Transport erreichte um 17 Uhr sein Ziel, 45 Minuten später als geplant. Nach Angaben eines Polizeisprechers konnten vier von sechs Schleusen mit nur einer Kammer betrieben werden.

 

 

 

Castor-Gegner steigen in den Neckar und ketten sich an Brücke  

Zu viert stiegen Demonstranten in Neoprenanzügen in den Neckar, im Gepäck ein Transparent mit der Aufschrift „Stoppt Castor“. Schnell waren sie von Schnellbooten umringt. „Wir werden uns jetzt mit Booten der Wasserschutzpolizei annähern, um die Schwimmer aus dem Wasser zu bekommen“, sagte ein Polizeisprecher. Einen Schwimmer nach dem anderen brachten die Beamten zurück ans Ufer – erst später erreichte das Schiff die Stelle.

Einen Steinwurf entfernt ketteten sich fünf Demonstranten auf der Neckarbrücke ans Metallgeländer. „Danke, dass ihr versucht, den Transport zu behindern“, sagte Herberth Würth in sein Megafon, er ist Sprecher des Aktionsbündnisses „Neckar castorfrei“. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass solche Transporte unterbleiben sollten.“ Die Gegner halten sie für sehr riskant und gefährlich.

 

 

 

Während das Castorschiff die Schleuse in Gundelsheim passierte, kam Nicola Wissenbach auf die Brücke, sie unterrichtet Physik am Neuenstadter Gymnasium. Die Lehrerin diskutierte mit den Demonstranten und kritisierte die Versuche, den Transport zu stören als unnötige Gefährdung von Polizisten und Bevölkerung. „Der Abfall muss möglichst schnell weiter, wir brauchen eine umfassende Lösung. Und die besteht nicht daraus, die Schiffe hier auf dem Neckar zu blockieren.“ 

Die Polizei bewachte das Schiff auf der 50 Kilometer langen Strecke unter anderem mit Booten, einem Hubschrauber und Einsatzkräften am Ufer – wie bereits während der beiden vorhergehenden Transporte im Juni und im September. Insgesamt plant der Energieversorger EnBW fünf Transporte nach Neckarwestheim.

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) hatte an zwölf Stellen entlang der Fahrtstrecke eine mögliche Belastung durch den Castor geprüft. „Die Ergebnisse waren durchweg unauffällig und lagen im erwarteten Bereich“, teilte die Behörde am Abend mit.

 

Insgesamt fünf Transporte sind geplant

In zwei Fahrten im Juni und im September waren bereits je drei Castoren mit ausgedienten Brennelementen nach Neckarwestheim gebracht worden. Am 28. Juni hatte EnBW den bundesweit ersten Transport auf einem Fluss mit hoch radioaktivem Müll von Obrigheim nach Neckarwestheim geschickt. Insgesamt plant der Energieversorger fünf Transporte nach Neckarwestheim. Das Unternehmen umgeht damit den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim.

 Insgesamt sollen 342 ausgediente Brennelemente in das etwa 50 Kilometer entfernte Zwischenlager gebracht werden. Die Termine der Transporte teilte der Energieversorger EnBW nicht vorab mit. 

 

- Dieses Video zeigt den ersten Atommülltransport am 28. Juni auf dem Neckar -

 

 

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