Buchsbaumzünsler weiter auf dem Vormarsch

Region  In der Region macht der Buchsbaumzünsler da weiter, wo er vergangenes Jahr aufgehört hat: Er frisst Buchsbäume kahl. Massiv. Seine Bekämpfung kann aber durchaus Erfolg zeigen.

Von Heike Kinkopf

Schädling frisst sich durch Gärten
Der Buchsbaumzünsler schlägt zu. Zurück bleibt dürres Gehölz. Auf Friedhöfen und in Gärten kämpfen Gehölzliebhaber gegen den Schädlingsbefall. Foto: Heike Kinkopf

Die Raupe bahnt sich gefräßig ihren Weg durch die Hecke. Zurück bleibt dürres Graubraun statt sattem Grün. Der Schädling hinterlässt Spuren in der Region. Dem Buchsbaumzünsler kommen Hobbygärtner nur schwer bei. Seine Bekämpfung kann aber durchaus Erfolg zeigen.

"Wir sind sehr beunruhigt", sagt Dieter Hiemer, Kleingärtner in Oedheim. Der Buchs im Garten seiner Nachbarn und im Garten eines Vereinskollegen - "radikal kaputt". Dagegen ist Hiemer mit einem Befall von 30 Prozent seines Buchsbestands gut aufgestellt. Sorgen macht sich der Oedheimer dennoch.

Jedes Jahr wird der Dorfbrunnen zu Ostern mit Buchsbaum geschmückt. Dazu werden 30 bis 32 Bananenkisten voller Zweige benötigt. Offenbar setzen aber immer weniger Pflanzenliebhaber auf den immergrünen Strauch. Sie geben entnervt auf. Jahr für Jahr dem Zünsler den Kampf anzusagen, zermürbt. Buchs gerät ins Abseits.

Spritzmittel rechtzeitig, aber nicht zu früh einsetzen

"Buchsbaum ist nicht mehr so gefragt", macht Alexandra Widmann von der gleichnamigen Gärtnerei in Heilbronn-Böckingen die Erfahrung. "Viele Kunden sagen, sie wollen nicht mehr ständig nachgucken." Sie haben keine Lust, den Schädling im Auge zu behalten und Spritzmittel zu kaufen. Es bringe auch nichts, den Buchsbaum vorsorglich mit Spritzmittel zu überziehen, sagt Gärtnermeisterin Widmann. Eine präventive Wirkung sei wissenschaftlich nicht bewiesen. Sie rät vielmehr: Aktiv werden, "sobald die Raupen da sind".

Haus- und Kleingärtner greifen auf das biologische Pflanzenschutzmittel Dipel ES zurück, lautet ein Tipp des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe. Günstige Bekämpfungszeiträume sind dem LTZ zufolge je nach Witterung März, April. Dann gehen Gartenfreunde gegen die überwinterten Schädlinge des Vorjahres vor. Die kleinen Raupen fressen sich bis Mitte, Ende Mai durch, um sich dann zu verpuppen. Die Falter beginnen Anfang Juni mit der Eiablage. Die daraus entstehenden Raupen können im August zu einem Kahlfraß bei Buchsbäumen führen. Erneut heißt es: rechtzeitig spritzen.

Dünne Fäden deuten auf Schädling hin

"Wenn man es außen sieht, ist es bereits zu spät", warnt Björn Bofinger von der Friedhofsgärtnerei in Brackenheim. Vor Augen hat er die sichtbar braunen Kahlstellen an Hecken und Sträuchern. Der Zünsler arbeitet sich von innen nach außen. "Man sollte also immer wieder in den Buchsbaum reingucken", sagt Bofinger. Zeigen sich dünne Fäden zwischen den Zweigen - Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen.

Der Schädling hält Hobby- und Berufsgärtner in Atem. "Ganz weg geht er nicht", sagt Martin Heier, beim Grünflächenamt der Stadt Heilbronn zuständig für 15 Friedhöfe. Vor wenigen Tagen sind seine Mitarbeiter mit biologischem Schädlingsbekämpfungsmittel losgezogen, um dem Buchsbaumzünsler den Garaus zu machen. Das Problem seien angrenzende Gärten oder Gräber, deren Eigentümer nicht gegen den Zünsler vorgehen.

Buchs als Kulturgut

Schädling frisst sich durch Gärten
Der Buchsbaumzünsler wurde aus Asien eingeschleppt.

Martin Heier und sein Team wollen Buchs erhalten. "Er gehört zu unseren Friedhöfen", sagt Heier. Er sei ein Kulturgut, ein Stück Gartenarchitektur. Dennoch greift er bei Neupflanzungen auf Alternativen wie die Eibe zurück.

"Es ist eine Seuche", kommentiert Klaus Maier den Schädlingsbefall. Der Pfedelbacher hat nach eigenen Angaben 13 Buchsbäume auf seinem Grundstück, darunter Exemplare mit 1,50 Meter Durchmesser. "Meine sind so schön grün", schwärmt Maier. Er schwört auf "Effektive Mikroorganismen (EM), insbesondere Milchsäurebakterien. Maier spritzt in Wasser verdünnte Mikroorganismen. Seine Bäume? Maier lacht: "Eine Pracht."

Gehölze an drei Stellen entsorgen

Ein trauriges Bild geben bis auf die Mittelrippen abgefressene Buchsbäume ab. Der Zünsler verursacht mehr Schäden als in den Vorjahren, so Nadine Würths Eindruck, Sprecherin der Abfallwirtschaft im Hohenlohekreis. Vermehrt meldeten sich Bürger, die nicht wissen, wohin mit den vielen Abfällen.

An drei Grüngutplätzen hat das Amt zusätzliche Container für befallene Buchsbäume aufgestellt - mit Deckel. "Damit sich der Zünsler nicht weiter vermehr", sagt Würth. Kleinere Mengen lassen sich über die private Bio-Tonne entsorgen. Die gute Nachricht: Befallener Buchs kann unter Umständen wieder austreiben.

 

Hintergrund: Buchsbaumzünsler 

Der Buchsbaumzünsler ist 2006 mit Pflanzenimporten aus Asien eingeschleppt worden. Die gelbgrünen Raupen mit schwarzer Kopfkapsel schaben als junge Larve an den Blättern und gehen dann in einen Blattfraß über. Die Larven sind in Gespinsten versteckt. Befallener Buchs lässt sich im Frühjahr mit einem biologischen Mittel wie einem Bacillus thuringiensis-Präparat behandeln. Wichtig ist, dass die Larven bereits an den Blättchen fressen. Bekämpfungsmittel kommen auch Anfang Juni gegen die nächste Zünsler-Generation zum Einsatz.