Berliner in Heilbronn: Alles eine Frage der Ess-Technik

Region  Wie isst man einen Berliner? Diese Frage stellt sich in der Faschingszeit besonders. Denn die gehören in den närrischen Tagen einfach dazu. Die Bäckereien fahren ihre Fasnachtsküchle- und Berliner-Produktion auf Hochtouren.

Von Gertrud Schubert

Berliner in Heilbronn: Alles eine Frage der Ess-Technik

Einer genügt, aber der muss sein. Mit Vergnügen isst Jana Nägele ihren Berliner.

Foto: Andreas Veigel

 

Wie isst man einen Berliner? "Gar nicht", sagen Faschingsabstinenzler. Für die ist ja schon der Anblick des in Fett raus gebackenen Bollen Hefeteig mit rotem Marmeladeherz eine Sünde.

"Kalorienbombe", murmeln sie verächtlich und freuen sich allein daran, einen Grund mehr zu haben, nicht lustig sein zu müssen. "Ja nicht", raunen auch Viele, die beim Stichwort Berlin zurzeit bloß an GroKo denken, und rollen die Augen kugelrund. Es soll aber Leute geben - und das können wirklich nicht wenige sein, - für die ist der Berliner ein Muss - nicht nur in diesen närrischen Zeiten. Deshalb gibt es ihn fast immer.

Nacht der Berliner

Jetzt aber ist Hauptsaison. In zwei Schichten hat die Härdtner-Bäcker in Heilbronn ab Sonntag 20 Uhr Berliner produziert. Und gestern Nacht ging es gerade so weiter. Die Maschine formt den Teigling. Der darf dann in die Wärme, die Gare, er wächst und bläht sich zu einem schönen, fluffigen Rundling auf. Anschließend schwimmt er in heißem Fett. Eine Maschine wendet ihn, dreht das Untere zuoberst. Nach acht Minuten ist er auf beiden Seiten braun und in seiner Mitte beweist der weiße Streifen, dass so ein Berliner mit mehr als seiner Hälfte oben schwimmt, also und mächtig Auftrieb hat - egal wie man ihn dreht und wendet.

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Erst nach dem Backen wird er mit Marmelade geimpft. sonst verkleckst er das Fett. "Hier in der Gegend", erklärt Dietmar Sandel, der Geschäftsführer der großen Bäckerei, "ist eine Himbeer-Johannisbeermischung die klassische Füllung." Hat der Berliner die in seinem runden Bauch, wird er "abgestaubt", denn ohne Staubzucker, der hierzulande Puderzucker heißt, wäre so ein Pfannkuchen wie ein Skihang ohne Schnee: ziemlich öde.

Es gibt Leute, die pusten als Erstes ihrem Gegenüber den Zuckerschnee ins Gesicht. Vielleicht lässt sich das Marmeladeloch entdecken? "Langsam essen", "vorsichtig reinbeißen", raten die Schwestern Yvonne und Jolanthe Winkler aus Sindelfingen allen Berliner-Essern. "Verschmiert ist man auf jeden Fall", mit der Zunge rund um den Mund zu fahren, gehört für die jungen Frauen einfach dazu.

Im Notfall hilft: Aufschneiden

Berliner sind eben was für echte Leckermäuler. "Der Puderzucker muss am Mund kleben", findet auch Stimme-Praktikantin Jana Nägele. Und wenn die Marmelade über Finger und Hand läuft, hilft nur eines: "Abschlecken." Irgendwie kommt das nicht mehr so oft vor, überlegt die BWL-Studentin Yvonne Winkler, liegt es an ihrer Reinbeißtechnik? Oder, sie überlegt: "Vielleicht ist weniger drin?"

Das fällt vor allem auf, wenn man dem Berliner mit einem Messer zu Leibe rückt. "Daheim schneide ich ihn auf", verrät Andrea Scherer aus Öhringen ihre Bäbb-Vermeidungsstrategie. Und wenn sie dann das Marmeladeherz nicht trifft oder nur anschneidet? Sie teilt den Berliner ja nicht, gerecht muss sie also nicht sein. Vielleicht wird es trotz aller Vorsicht doch noch eine kleine Sauerei. Sie könnte aber auch mit der marmeladenarmen in die marmeladenreiche Hälfte stippen. Wie bei Pommes mit Ketchup.

 

Berliner Pfannkuchen

Einer populären Legende nach wurden Berliner Pfannkuchen im Jahr 1756 von einem Berliner Zuckerbäcker erfunden. Er wollte als Kanonier unter Friedrich dem Großen dienen, wehruntauglich wurde er Bäcker beim Regiment. Er gab Hefeteigstücken die runde Ballenform von Kanonenkugeln und buk sie, da kein Backofen zur Verfügung stand, über offenem Feuer in mit heißem Fett gefüllten Pfannen.

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