Beim Motorman Run: Mit Karacho in die Schlammbrühe

Neuenstadt  Dreck und Schweiß: Beim Motorman Run in Neuenstadt holen sich die fast 2500 Läufer den Kick. Adrenalinschübe gibt es mehrfach.

Von Petra Müller-Kromer

Angestrengte, gerötete, schwitzende Gesichter. "Gott, ist das kalt", schreit eine Frau, als sie den Fuß in die "Schlammpengasse" setzt. Einhörner, Wikinger, Prinzessinnen, Männer im Tüllröckchen, Minions und Olchis stürzen sich ins Getümmel. Braune Brühe spritzt um Wikingerbeine. Das Wasserloch ist eines der 39 Hindernisse, die die Teilnehmer des achten Motorman Runs in Neuenstadt überwinden müssen. Ein Baumstamm liegt quer über der knietiefen Matschsuppe, und beim Versuch darüberzuklettern, nimmt mancher sein erstes Vollbad.

Feuerwehrmann Hartmut Dierolf steht mit dem Feuerwehrschlauch parat und verpasst jedem eine Dusche. Eine Aufgabe, die er sehr ernst nimmt. "Das macht solchen Spaß, die Leute nass zu spritzen. Das ist das einzige Mal im Jahr, wo man das darf," sagt er und grinst.

2443 Läufer sind am Start

Auf dem Sportplatz verlangen die Hindernisse dem bunten Volk aus insgesamt 2443 Läufern einiges ab. Die Einhörner halten wacker ihre rosa Schirmchen fest und hüpfen breitbeinig über die Hürden. Rosa Strumpfhosen, rosa Stricklendenschurz, die Herren mit nacktem Oberkörper, voller Herzchen und Sternchen. "Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um uns so gut es geht zu blamieren." Nein, kalt wird ihnen nicht: "Wir Einhörner haben so große Herzen, uns ist warm,", hat Isabella Bitzer aus Balingen vor dem Startschuss gesagt.

Ein weiterer Publikumsmagnet ist die "Drecksbrühe": Vier Matschbecken hintereinander, was für eine Gaudi. "Grad hat er noch gewunken, dann ist er abgetaucht, das ist so cool," freut sich ein Zuschauer. Das Gemeine: Der erste Teich ist anfangs nicht tief, überrascht dann aber mit einer steilen Stufe. Mancher, der mit Anlauf eine Arschbombe platzieren will, landet schmerzhaft auf dem Steißbein. Andere sinken unvermittelt ins Tiefe.

Die Wikinger können ihre Bärte inzwischen auswringen. Immerhin: Die Helme sitzen noch. Und ihr armlanges selbstgebasteltes Schiff halten sie auch noch stolz in die Höhe. Auch wenn sie entgegen ihrer Hoffnung nicht einfach über die Drecksbrühe drüberpaddeln konnten.

Es geht nicht um die Zeit

"Ihr schafft das!", motivieren die Zuschauer zwei erschöpfte Minions, die sich einen Hügel hochquälen. Die zwei blicken sich entsetzt an angesichts einer Mauer aus Baumstämmen, die mittels Seilen erklommen werden muss. Aber schließlich geht's ja nicht um Zeit, sondern ums Dabeisein. So schieben nette Mitstreiter auch Erschöpfte die Hürde hoch.

Und es kommt noch höher: Der Sprung von der Stadtmauer ist für viele das Tollste am Motorman Run. Was von unten machbar aussieht, nimmt von oben schwindelerregende Dimensionen an. "Das gibt einen richtigen Adrenalinschub", freut sich auch Maximilian Schmidt aus Möckmühl.

Der Schüler hat mit Ronja May und Sophia Jochim an seinem Gymnasium die Werbetrommel für den Lauf gerührt. 25 Teenager haben die Turnschuhe geschnürt, Sportlehrer Stefan Diggelmann wird später allen davonlaufen, Schulleiter Marcus Dunke hat nichts dem Zufall überlassen und umfassende Unterstützung durch seine Frau und eine befreundete Notärztin dabei.

Und wie lautet das Fazit der dreckigen glücklichen Läufer? "Einfach nur stolz, und am Ende war es gar nicht so schlimm", finden die Freundinnen Sophia Seidler und Denise Knäbl. Das Schwierigste dabei? "Die Frisurenwahl im Vorfeld und, na ja, die Steigungen."

Training und Anmeldung

Für den Motorman Run bietet der TSV Neuenstadt mittwochs um 19 Uhr ein Kraft-, Konditions- und Ausdauertraining auf dem Sportplatz in der Cleversulzbacher Straße an, bei dem Interessierte ohne Voranmeldung mitmachen können. Kosten: 39 Euro für zehnmalige Teilnahme. Auch aus Leingarten, Heilbronn oder Öhringen sind Sportler dabei, so Trainer Sven Rauhut.

Die Anmeldung für den Motorman 2018 läuft. Beste Zeit über 16 Kilometer rannte jetzt Lukas Storath (1:22) und Annika Seefeld bei den Frauen (1:35). Beim Lauf über acht Kilometer, dem Förch Run, siegte Manuel Krockenberger mit 44 Minuten, bei den Frauen Maria Ostertag mit 51 Minuten.