Bahnpendler leiden unter Hitze

Region  Kritik an den Zuständen auf der Frankenbahn-Strecke reißt nicht ab. Jetzt beschweren sich viele Pendler auch noch insbesondere über die Fahrten bei Hitze. In vielen Wägen fehle eine Klimatisierung.

Von Adrian Hoffmann

Frankenbahn
Die gebrauchten Doppelstockzüge, die einige Uralt-Silberlinge seit dem Frühjahr auf der Frankenbahn ersetzen, haben keine Klimatisierung. Foto: Gerhard Mayer

 

„Nicht mal Tiere dürften so transportiert werden“, sagt Ralf Merkle (53), Pendler aus Neckarsulm. Aber mit Frankenbahn-Nutzern könne man es wohl machen. Es herrschten Temperaturen von gefühlten 45 Grad in der Bahn, beschreibt der in Stuttgart arbeitende Anwalt die Situation. Die „Uralt-Ossi-Doppelstöcker“ machten jede Fahrt im Sommer zu Qual.

Lukas Iffländer aus Würzburg vom Fahrtgastverband Pro Bahn sieht das ganz nüchtern: „Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Zustände verändern werden“, bevor 2019 das britische Unternehmen Go-Ahead die Frankenbahn übernehme. Die Vorgängerregierung habe vieles verpasst. Das Wagenmaterial sei einfach veraltet. „Im 21. Jahrhundert ist das eigentlich so nicht zumutbar“, sagt Iffländer.

Viel Wasser trinken

Grundsätzliches Problem sei, dass auf vielen Bahnstrecken in Deutschland altes Wagenmaterial unterwegs sei und es einen eklatanten Wagenmangel gebe. Iffländer kann Pendlern auf der Frankenbahn-Strecke nur eine Empfehlung geben: „Möglichst angenehme Klamotten tragen und auf der Fahrt viel Wasser trinken“. Die meisten Fahrgäste lebten irgendwie damit, wie es derzeit sei.

Alfred Gramling von einer Bürgerinitiative in Besigheim berichtet von zunehmend frustrierten Pendlern. „Türen klemmen, viele Züge fallen aus – und jetzt bei der Hitze, es ist eine Katastrophe.“ Gramling fragt sich, wo viele der klimatisierten Züge seien, die zuvor im Einsatz waren. Die Zustände seien nicht tolerierbar, aber es verändere sich nichts trotz Kritik.In einer Region wie Stuttgart sei es unverständlich, dass ein solcher Verkehrskollaps akzeptiert werde. „Dabei müsste eigentlich diskutiert werden, ab wann die S-Bahn von Stuttgart bis nach Heilbronn fährt.“

Wirtschaftlich nicht darstellbar, neue Wagen einzusetzen

Es sei eine Erschwernis für die Kunden, sagt Roland Kortz, Sprecher der Deutschen Bahn. Dies sei aber der kurzen Zeit bis zum Übergangsvertrag geschuldet. Es sei wirtschaftlich nicht darstellbar, vorher neue Wagen einzusetzen. Die gebrauchten Doppelstockwagen, die derzeit im Einsatz seien, seien teilweise klimatisiert.

Verkehrsminister mahnt Bahn ab

Am Dienstag erst hatte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der Deutschen Bahn gedroht, sie wegen Verspätungen und Zugausfällen auf der Frankenbahn möglicherweise von weiteren Ausschreibungen für den Schienennahverkehr auszuschließen.

Nach der zweiten Abmahnung in der vergangenen Woche prüfe man, ob ein Ausschluss wegen mangelnder Verlässlichkeit möglich sei. Personalprobleme sind großteils Hintergrund für den Ärger. Viele Pendler sind mit dem Nerven am Ende; nicht nur wegen der Hitze.