Bär tötet in Tripsdrill einen Wolf

Cleebronn  Cleebronn - Bei einer Fütterung im Wildparadies Tripsdrill gerieten Braunbär Balu und ein Polarwolf in Streit. Beim anschließenden Gerangel tötete der Bär den Wolf mit einem Biss. Es war ein Unfall, sagt der zuständige Wildhüter.

Von Daniel Stahl

Um Futterneid zu vermeiden, füttert Wildhüter Roland Werner die Bären und Wölfe getrennt.  Foto: Daniel Stahl
Cleebronn - Die tägliche Fütterung beginnt mit einer Warnung. Wie jeden Tag, wenn ein Wildhüter mit den Gästen im Wildparadies Tripsdrill die Wölfe, Luchse oder Bären besucht: "Versprechen kann ich nicht, dass alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Es sind Tiere."

Und mit Tieren ist eben nicht alles planbar. Wie am Sonntagnachmittag bei einer Fütterung im Wildparadies, als ein Braunbär einen Polarwolf tötete. Gut 450 Zuschauer sahen zu, schätzt Wildparadies-Geschäftsführer Dieter Fischer. "Es war ziemlich heftig", sagt ein Augenzeuge, der seinen Namen nicht nennen möchte. "Aber der Wolf stand einfach am falschen Fleck."

Unfall

So sieht auch Wildhüter Werner den Vorfall: "Es war ein Unfall." Die beiden Tiere zankten sich um ein Stück Fleisch. Dabei rollten sie einen Abhang hinunter und Bär Balu landete auf dem fünf Jahre alten weißen Wolf. Als der Polarwolf sich wehrte, biss der Bär zu. Der Augenzeuge bestätigt das. "Eine typische Reflexreaktion", sagt Werner. Der Wolf war sofort tot.

"Die Wölfe bekommen immer Fleisch", erläutert Wildhüter Werner. Bären vor allem Obst und Gemüse. Am Sonntag hatte Braunbär Balu aber wohl Lust auf Fleisch. So kam es zu einer kleinen Rauferei, die tödlich endete.

Der Wildhüter, der die Fütterung am Sonntag durchführte, brach anschließend sofort ab. "Er hat alles richtig gemacht", sagt Roland Werner. "Aber das wird ihn, wie uns alle, noch eine Weile beschäftigen." Genau wie die Besucher. Einige Kinder hätten geweint, manche Besucher hätten sich beschwert, berichtet Wildparadies-Chef Fischer.

Langeweile 

Er hat den Unfall beim Veterinäramt des Landkreises Heilbronn gemeldet. Das ist Pflicht, weil Polarwölfe eine geschützte Tierart sind. "Wir sehen das als bedauerlichen Unfall", sagt Landratsamt-Sprecher Manfred Körner. Dass Bären und Wölfe zusammen in einem Gehege leben können, dafür gebe es Gutachten. Die beiden Raubtier-Arten leben zusammen, damit sie sich nicht langweilen, erläutert Wildhüter Werner. Das bestätigt auf Stimme-Nachfrage Karin Herczog, von der Wilhelma in Stuttgart. "Das ist nicht ungewöhnlich, das wird in vielen Zoos und Wildparks praktiziert."

In Tripsdrill lebten die Tiere seit rund fünf Jahren ohne Zwischenfälle zusammen. Auch am Montag ist es ruhig im Gehege. "Wir beobachten die Tiere. Aber wie sie sich im Moment verhalten, ist alles gut", sagt Wildhüter Roland Werner. Er gibt seit Montag bei der täglichen Fütterung nur noch den Bären ihr Obst und Gemüse. Wölfe werden extra gefüttert, um Futterneid und Streit zu vermeiden. Ganz lasse sich ein Unfall aber nicht ausschließen, sagt Werner. Es sind eben Tiere.