Autofahrer stehen in der Region auch nach Feierabend im Stau

Region  Ein amerikanisches Unternehmen hat die Daten aus Millionen Navis, Handys und Autos ausgewertet. Generell gibt es für die Region Heilbronn im Vergleich zum Vorjahr weniger Staus. Doch in bestimmten Bereichen ist es noch schlimmer geworden.

Von Alexander Klug

Nicht nur, aber auch auf der B27 staut sich täglich der Verkehr. Foto: Archiv/Seidel

Ihre Art, den Verkehr auf den Straßen zu messen, hatte für Aufsehen gesorgt in Heilbronn - und ließ die Region im Handumdrehen in die Stau-Bundesliga aufsteigen, flankiert von so mancher Metropole. Denn das amerikanische Unternehmen Inrix sah die Region der nordwürttembergischen Großstadt vor einem Jahr auf dem zweiten Platz ihrer Stau-Tabelle, gleich hinter der Region München.

Inrix wertet Daten aus Millionen von Navigationsgeräten, Handys und vernetzten Autos aus. In der aktuellen Analyse liegt Heilbronn sogar auf Platz eins - aber im positiven Sinn: Nirgends sonst ist die Zeit im Stau deutlicher zurückgegangen, nämlich um 19 Prozent. Das bedeutet Platz sieben statt zwei im bundesweiten Stau-Ranking. Stuttgart rangiert in der Inrix-Studie auf Rang vier mit 44 Staustunden pro Jahr und Autofahrer, Karlsruhe liegt auf Rang zehn (34 Stunden).

Wochenendausflügler brauchen Geduld

Autofahrer stehen am Wochenende und nach Feierabend im Stau

Ein (negativer) Spitzenplatz geht dennoch an den Neckar: In der Gegend müssen Autofahrer für ihren Wochenendausflug so viel Zeit mitbringen wie nirgends sonst in Deutschland, wollen die Datensammler herausgefunden haben. Die Menschen stehen dafür im Durchschnitt zwölf Prozent der Zeit im Stau, länger als überall sonst in Deutschland.

Angst vor Geschwindigkeitskontrollen braucht im Berufsverkehr hierzulande niemand zu haben. Auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück sinkt die durchschnittliche Geschwindigkeit auf den Hauptstraßen ins Zentrum und aus der Stadt hinaus von 55 auf 19 Kilometer pro Stunde - ein Minus von 65 Prozent. Das ist durchaus mit anderen Städten vergleichbar, in München reduziert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit zur selben Zeit um 69 Prozent von 65 auf 20 Kilometer pro Stunde - auch Hamburg, Stuttgart oder Würzburg liegen in diesem Punkt auf ähnlichem Niveau.

A6 sorgt für konstant hohe Werte

Weit auseinander liegen die gesammelten Daten allerdings außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Ist der Verkehr zum Beispiel auf den Münchner Einfallstraßen in beiden Richtungen in nur zwölf Prozent der Fahrzeit von Stau betroffen, sind es in Würzburg 26 Prozent und in Heilbronn immerhin 19 Prozent. In Frankfurt (vier Prozent) und im Ruhrgebiet (acht Prozent) ist dieser Wert extrem niedrig. "Die weit auseinanderliegenden Werten könnten damit zusammenhängen, ob Autobahnen durch das untersuchte Gebiet verlaufen", erläutert der Inrix-Sprecher. Vor allem konstant stark befahrene Autobahnen wie die A6 sorgten für hohe Stauwerte - auch jenseits des Berufsverkehrs.

Nach der aktuellen Studie hat die Staubelastung an vielen Orten im Land und in der Welt zugenommen - in Heilbronn nahm sie dagegen ab. Während Autofahrer in der Stauhauptstadt München nach den ausgewerteten Daten im Vorjahr durch-schnittlich 51 Stunden während der Stoßzeiten morgens und abends im Stau standen (plus zwei Stunden), nahm die Staustundenzahl in Heilbronn von 46 auf 38 ab. "Dazu, warum das in Heilbronn so ist, können wir aus unseren Datensätzen relativ wenig sagen", meint der Inrix-Sprecher. Ursachen von Entwicklungen seien von Stadt zu Stadt verschieden, es werde weltweit gemessen. Inrix schreibt, dass der Heilbronner Stauschwund etwas mit dem Abschluss vieler Bauprojekte im Vorfeld der Bundesgartenschau und der Freigabe der Karl-Nägele-Brücke zu tun haben könnte.

Untersuchtes Gebiet

Das Gebiet, das die Datenauswertung des Unternehmens umfasst, ist nicht an Stadt- oder Kommunengrenzen, sondern am Verkehrsaufkommen orientiert. Es reicht ungefähr von Weinsberg im Osten bis Heilbronn-Frankenbach im Westen und von Talheim im Süden bis Bad Friedrichshall im Norden.