Aufregung um Kamera-Quad

Von Adrian Hoffmann

Das mit einer Kamera ausgestattete Gefährt hat im Heilbronner Stadtteil Klingenberg für Aufregung gesorgt. Fotos: privat


Heilbronn - Große Verwunderung hat in den vergangenen Tagen ein mit Kameras ausgerüstetes Quad mit Überrollbügel ausgelöst. Viele Anwohner in Klingenberg dachten gleich an das umstrittene Google-Projekt Street View – und waren deshalb alles andere als begeistert, als sie das Gefährt im Wohngebiet bemerkten. Eine Nachfrage bei der Heilbronner Stadtverwaltung löst allerdings das Rätsel: Es geht nur um Aufnahmen vom Straßennetz.

Wenn das so sei, sagt ein Anwohner, dann wäre eine bessere Kennzeichnung der betreffenden Fahrzeuge nicht schlecht. „Das ist alles so schwach beschriftet und kommt einem so ein bisschen anonym vor.“ Deshalb habe er sofort an Google Street View gedacht; ein Projekt, das er aus Gründen des Datenschutzes als „erschreckend“ empfinde.

Pressemitteilung

Die Stadtverwaltung hatte schon im August 2009 mit einer Pressemitteilung auf die ungewöhnlichen Kamerawagen aufmerksam gemacht. Man erfasse erstmals systematisch alle Schäden im Heilbronner Straßennetz, um einen Überblick über den Zustand zu bekommen, hieß es darin. Das Ganze kann also nicht mit Google Street View verglichen werden.

Mit dem eingesetzten Quad würden neben öffentlichen Straßen auch Radwege, Bürgersteige, Feld- und Weinbergwege fotografiert, informierte die Verwaltung damals. Zusätzlich zum Quad ist ein Spezialwagen unterwegs, ebenfalls ausgerüstet mit Kameras und noch mehr Hightech im Innern (Fotos: Stadt Heilbronn) . Das mit der Fotodokumentation beauftragte Unternehmen „Lehmann + Partner“ hat seinen Sitz in Erfurt, die Fahrzeuge haben das Kennzeichen IK, Ilm-Kreis, Thüringen. Zum Kundenkreis gehören auch Landes- und Bundesministerien.

In der städtischen Mitteilung hieß es weiter, die Fahrzeuge seien in den nächsten Wochen im Einsatz. Dieser sei dann allerdings nicht wie geplant im Jahr 2009 beendet worden, sagt Pressesprecher Anton Knittel. Die Dokumentation habe sich durch den strengen Winter verzögert. „Man ist nicht so weit gekommen wie man eigentlich wollte.“ Die Fahrzeuge der Firma seien nun noch die nächsten eineinhalb Wochen zu sehen, bis ihr Einsatz abgeschlossen sei. Die gesamte Dokumentation kostet die Stadt rund 180.000 Euro.

Anwohner waren zuletzt auch deshalb verwundert, weil das Quad selbst auf schmalen nichtöffentlichen Fußwegen zu Häusern unterwegs war und dabei sogar Treppenstufen überwand – manch einer war kurz davor, die Polizei anzurufen.

Anwaltsschreiben

Mit verdutzten Menschen hat Lehmann + Partner in der Vergangenheit schon öfter zu tun gehabt. Zum Beispiel habe man erst kürzlich aus Freiburg ein Anwaltsschreiben bekommen, sagt Prokurist Andreas Großmann – auch in Freiburg sind die Straßengutachter aktiv.

Großmann legt deshalb besonderen Wert auf die Feststellung, dass die Kameras jeweils auf die Straßen, also nach unten, ausgerichtet seien. Vorgärten oder Häuser seien für sie nicht von Interesse. Die Bilder bekomme anschließend ausschließlich der Auftraggeber. „Wir dürfen sie nicht an Dritte weitergeben“, sagt Großmann. Außerdem würden die Dateien später, nach Übergabe an die Auftraggeber, gelöscht.

Nur für internen Dienstgebrauch

Manche Kommunen wollten die Aufnahmen allerdings im Internet für jeden zugänglich machen. Das sei dann Entscheidung der Kommunen, die aber die Kennzeichen der aufgenommen Fahrzeuge vorher unkenntlich machen müssten.

In Heilbronn, sagt Pressesprecher Anton Knittel, würden die Aufnahmen aber ausdrücklich nur für den internen Dienstgebrauch verwendet. Das sei „sichergestellt“.

720.000 Einzelaufnahmen

Alle fünf Meter machen die Kameras sechs Fotos von einem Straßenabschnitt. So entstehen in Heilbronn insgesamt rund 720.000 Bilder, die Fahrbahnbreite, Zustand, Belagsart und auch die Straßenschilder dokumentieren. Das erstellte Straßenkataster erfasst damit auch die bestehenden Beschilderungen und Markierungen zur Verkehrsregelung. In der täglichen Praxis lasse sich dadurch auch manche Besichtigung vor Ort ersparen oder besser vorbereiten, argumentiert die Stadt in ihrer Mitteilung.

Die erhobenen Daten dienten unter anderem auch der Wertermittlung des gesamten zirka 600 Kilometer umfassenden Straßennetzes, einschließlich 175 Brücken. Das sei erforderlich, um eine Eröffnungsbilanz zu erstellen, wenn die Stadtverwaltung ab dem Jahr 2011 ihre Haushaltsführung auf ein betriebswirtschaftliches Rechnungswesen umstellt.





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