Auch das Neckartal geht im "Jahrhundert-Hochwasser" unter

Region  Das Unwetter am 22. Mai 1978 hatte seinen Schwerpunkt zwar über der Gemeinde Obersulm. Vor allem im Neckartal kam es ebenfalls zu Überflutungen. In Lauffen mussten Tiere gerettet werden, in Neckarsulm war das Industriegebiet in großer Gefahr.

Von Reto Bosch

 

Der damalige Kreisbrandmeister Anton Pecoroni hat das Geschehen dieses "Jahrhundert-Hochwassers" zusammengefasst. Er schreibt: "Auch im Stadtgebiet von Heilbronn sowie in den Landkreisgemeinden Untereisesheim, Bad Wimpfen und Gundelsheim überschwemmte der Neckar Gebäude, Felder und Straßen."

Große Mengen Kies stabilisierte Neckardamm

Dramatisch stellte sich die Situation in Neckarsulm dar. Der Damm drohte zu brechen. Pecoroni: "Eindeutig war klar, dass bei einem Dammbruch oder beim Versagen der Hochwassersperrschläuche das gesamte Industriegebiet mit über 10.000 Arbeitsplätzen überflutet würde." Um dies zu verhindern, wurde der Dammfuß mit großen Mengen Kies stabilisiert, schnell bindender Beton und Sandsäcke sollten Leckstellen schließen.

Viele Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, Kräfte des Wasser- und Schiffahrtsamts und von der Firma Audi mit 230 Helfern arbeiteten zusammen. Am Ende mit Erfolg. Eine Konsequenz aus dem Hochwasser: Pecoroini forderte, dass die Landkreise an zentraler Stelle 10.000 bis 25.000 gefüllte Sandsäcke für Notfälle bereit halten sollen.

In Lauffen standen die Feuerwehren am 23. Mai 1978 vor einer besonderen Herausforderung. Sie mussten einen Zirkus samt Tieren evakuieren. Wie in vielen anderen Kommunen auch, kamen Schlauchboote zum Einsatz, um Menschen in Sicherheit zu bringen.

In Offenau reichte das Wasser bis zur Bundestraße

In Offenau reichte das Neckarwasser fast bis zur Bundesstraße. "Eine große Anzahl von Wohngebäuden stand unter Wasser." Am 24. Mai wurde eine Schülerin vermisst, die sich das Hochwasser ansehen wollte. Die schlimmsten Befürchtungen erfüllten sich nicht, das Kind hatte sich bei Bekannten aufgehalten und wurde dort vom Hochwasser eingeschlossen. Das Mädchen konnte erst am nächsten Tag seinen Eltern übergeben werden.

Die erste Bilanz: Schätzungen gingen von einem Schaden in Stadt- und Landkreis Heilbronn von 25 Millionen Mark an Gebäuden und Inventar aus. Allein Obersulm listete Schäden an Gemeindeeinrichtungen von 1,1 Millionen Mark auf. Und das, bevor am 17. Juni das Hochwasser erneut zuschlug. Das Neckartal blieb verschont.

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