Athenlauf: Jürgen Mennel hat schon 1850 Kilometer hinter sich (12.10.2010)

Heilbronn/Athen - Nur noch Augen zu und durch. Das ist jetzt Jürgen Mennels Devise. Dem Obersulmer Extremläufer ist auf der 2200 Kilometer langen Strecke zwischen Heilbronn und Athen die Motivation abhanden gekommen. Nicht plötzlich, sondern nach und nach.

 

Athenlauf

Heilbronn/Athen - Nur noch Augen zu und durch. Das ist jetzt Jürgen Mennels Devise. Dem Obersulmer Extremläufer ist auf der 2200 Kilometer langen Strecke zwischen Heilbronn und Athen die Motivation abhanden gekommen. Nicht plötzlich, sondern nach und nach. Jetzt geht es für den 50-Jährigen, wie er am Telefon berichtet, „ans Eingemachte“.

Dabei ist er schon auf der Zielgeraden, kurz vor Patras in Griechenland und nur noch 200 Kilometer vor Korinth. Dort will der Obersulmer ein paar Tage ausruhen, bevor er die restlichen 70 bis 80 Kilometer in die griechische Hauptstadt in Angriff nimmt. „Notfalls spaziere ich nach Athen“, sagt er. Klar sei: „Wenn ich in Korinth bin, habe ich es geschafft.“

Schlafdefizit

Die 1850 Kilometer, die der Ultrasportler seit seinem Start am 20. September in Heilbronn gerannt ist, haben ihre Spuren hinterlassen. Nicht im Körper, der ist erstaunlich gut in Schuss. „Meine Muskulatur ist unheimlich stark.“ Aber im Kopf. „Die Luft ist raus, ich habe keine Motivation mehr, die Konzentration lässt nach.“

Die Landschaft, die an Mennels Augen während er läuft vorbeizieht, sieht er gar nicht mehr. Abends hat er Probleme, den Kalorienbedarf zu decken, so groß ist der Verbrauch auf der Strecke. „Ich bin ein bisschen unterversorgt. Ich brauche mehr als nur ein paar Weckle, sondern was Gescheites.“ Dazu kommt ein weiteres Defizit: Nur vier Stunden Schlaf, das alles schlaucht.

Wilde Hunde

"Ich muss aufpassen wie ein Luchs"
Einmal stand Mennel sogar kurz vor dem Aus. „Die hohen Temperaturen und ein kalter Wind haben meine Körpertemperatur nach unten gedrückt.“ Es bestand die Gefahr der Unterkühlung. Mennel hat sofort angehalten, eine lange Pause gemacht. Dann ging es wieder. „Das Temperaturmanagement ist ein heißes Eisen.“ Zweite kritische Situation: Plötzlich standen zwei wilde Hunde vor dem einsamen Läufer aus Deutschland. „Es ist nichts passiert, sie haben mich nicht angegriffen, aber man weiß ja nie.“

Mennel will den Tag nicht vor dem Abend loben. Jetzt so kurz vor dem Ziel, da kann immer noch etwas dazwischen kommen. Jedenfalls hat er sich vier bis fünf Tage Vorsprung vor seinem Plan herausgelaufen. Die Pause in Korinth kann er sich locker leisten, bevor er am 21. Oktober in Athen eintrifft, rechtzeitig zum 2500-Jahr-Jubiläum des Marathonmythos.

Auch die Wissensstafette auf der Internetseite Mennels läuft gut. „Wir sind zufrieden, da entsteht etwas, das auch nach dem Athenlauf noch Bestand haben wird“, erklärt Martin Haag von der Hochschule Heilbronn. Parallel zu Mennels Weg stellen die Hochschulen Heilbronn, Heidelberg, Ulm, Tübingen und Stuttgart wissenschaftliche Arbeiten über Ausdauersport ins Netz – für alle verfügbar. So soll ein Netzwerk entstehen, das auch noch nach dem Athenlauf Bestand hat. mut

Info: Auf seiner Homepage www.athenlauf.de stellt Jürgen Mennel regelmäßig aktuelle Berichte und Fotos ein. Die Heilbronner Stimme berichtet als Medienpartner und Sponsor einmal pro Woche in der Kolumne "Athenlauf" über den Marathon