Abzocke mit neuen Küchen: Haftstrafe für Serienbetrüger

Region  Ein 63-Jähriger wurde am Freitag wegen Gaunereien beim Küchenverkauf zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Mann sitzt derzeit wegen eines anderen Vorwurfs in U-Haft. Er soll seine Ehefrau vor der evangelischen Tagungsstätte in Löwenstein erstochen haben.

Von Helmut Buchholz

Abzocke mit neuen Küchen: Haftstrafe für Serienbetrüger

Eigener Herd ist Goldes wert: Im Prospekt sieht die neue Küche noch toll aus. Doch ein 63-jähriger Verkäufer kassierte nicht nur in einem Fall nur das Geld für die Ware, ohne sie zu liefern. Darum wandert der Betrüger jetzt ins Gefängnis.

Foto: dpa

 

Für 22 Monate hat Richter Alexander Lobmüller einen offenbar unverbesserlichen Serienbetrüger am Freitag hinter Gitter geschickt. Der mehrfach auch einschlägig vorbestrafte 63-Jährige hatte zuletzt eine Kundin im Juli 2016 übers Ohr gehauen: Zuerst bestellte er für sie eine neue Küche, ließ sich fast die ganze Kaufsumme − 12.300 Euro − als Anzahlung überweisen, steckte das Geld aber in die eigene Tasche, ohne zu liefern.

Besser gesagt: ohne jemals liefern zu können. Denn der Mann ist schon seit 2005 pleite. Der Gerichtsvollzieher ging bei ihm ein und aus. Trotzdem zockte er schon seit Jahren immer wieder mit der Küchenmasche Auftraggeber ab.

Tötungsdelikt in Löwenstein

Auf den Mann aus Obersulm wartet noch ein zweiter Prozess, mit noch schwerwiegenderen Vorwürfen. Er soll im März seine von ihm getrennt lebende Ehefrau vor der evangelischen Tagungsstätte in Löwenstein erstochen haben. Das Verbrechen löste in der Öffentlichkeit Entsetzen aus. Der 63-Jährige sitzt seither in Untersuchungshaft. Das Verfahren vor dem Heilbronner Landgericht soll am 19. Januar 2018 beginnen, teilt Gerichtssprecher Michael Reißer mit. Allerdings spielte dieser Fall nur sehr am Rande eine Rolle bei der Betrugssache vor dem Amtsgericht.

Die Kundin, die der Angeklagte zuletzt betrogen hatte, berichtete als Zeugin, dass der Küchenverkäufer sie mit der Lieferung immer wieder vertröstet hatte, unter anderem weil ihn seine Frau verlassen habe.

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Ehekrise, extreme Geldnot: Darin mündete wohl ein mit zig Urteilen gepflasterter Lebensweg. Richter Lobmüller las das Vorstrafenregister mit insgesamt 18 Eintragungen vor. Die Liste beginnt 1980 mit einer fahrlässigen Tötung, geht weiter mit mehreren Körperverletzungen, Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Insolvenzverschleppung und immer wieder Betrug, immer mit dem Küchentrick.

Was Richter Alexander Lobmüller aber richtig auf die Palme brachte, war, dass er den Angeklagten erst vier Wochen vor dem letzten Betrug zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hatte − wegen einer nicht gelieferten Küche. Lobmüller: "Damals habe ich Ihnen klipp und klar gesagt, dass Sie keine Küchen mehr verkaufen dürfen. Einen Monat später tun Sie es trotzdem wieder. Diese Rückfallgeschwindigkeit ist der Gipfel." Wer sich dermaßen gleichgültig verhält, für den sei eben keine Bewährungsstrafe mehr drin.

Geständnis des 63-Jährigen

Die Verteidigerin hatte noch vor dem Schuldspruch vergeblich versucht, ihren Mandanten vor dem Gefängnis zu bewahren. Sie verwies auf das Geständnis des 63-Jährigen und dass "er dachte, die Löcher mit den Vorauszahlungen für die Küche stopfen zu können". Die Mühe der Rechtsanwältin war vergeblich. Richter Lobmüller zog sich noch nicht mal zur Beratung zurück, sondern verkündete sein Urteil unmittelbar nach den Plädoyers.

Der Staatsanwalt hatte 28 Monate Haft gefordert. Er nahm dem 63-Jährigen nicht ab, dass es ihm leid tue: "Wer will das glauben, wenn man vier Wochen vorher gesagt bekommt, wie der Hase läuft?" Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, dass er seine Kunden verhöhnt habe. "Wir hätten ihn viel früher aus dem Verkehr ziehen müssen."