A6 ist eine der fünf Autobahnen mit dem meisten Stau

Region  Eine ADAC-Bilanz für das vergangene Jahr zeigt einen starken Anstieg der Staus auf der A6. Und es sind immer wieder dieselben Stellen, an denen es zu Stoßzeiten eng wird.

Von Carsten Friese

Für Bürger und Firmen in der Region ist das kein erfreulicher Aufstieg in die Spitzengruppe: Bei der bundesweiten Staubilanz weist der ADAC der 70 Kilometer langen A 6-Autobahnstrecke Heilbronn-Mannheim für das Jahr 2017 einen Top-5-Platz zu. Mit 367 Staukilometern je Kilometer Autobahn sprang die A 6 auf Rang vier - nachdem sie 2012 mit 201 Staukilometern noch auf Platz 12 gelegen hatte. Nur die A 3 und A 8 sind stärker belastet (Grafik).

Das Gefühl vieler Autofahrer, dass mit Blick auf die langen Baustellen für den aktuell laufenden Ausbau der A 6 und regelmäßige Unfälle mit Lastwagen der Verkehr sehr oft steht, wird durch die Statistik bestätigt. "Wenn ein Lkw-Unfall passiert, ist sowieso alles dicht", sagt Kreisverkehrswacht-Vorsitzender Harald Lepple. Zu den Hauptstoßzeiten am Morgen und am späten Nachmittag sei es auch eng. "Zwischendurch geht es", sagt Lepple und rät zu antizyklischem Fahren auf der Autobahn. Von vielen Bekannten hört er, "dass da 10, 15 Minuten schon viel ausmachen können".

Immer wieder Auffahrunfälle

Der Blick auf die regionalen Stauzahlen im Jahr 2017 ergibt große Unterschiede: Während der A 81-Abschnitt Möckmühl-Weinsberger Kreuz mit 900 Staukilometern mit Abstand die geringsten Werte aufweist, ist die Strecke Sinsheim-Steinsfurt/Weinsberger Kreuz die Stauhochburg mit 16 548 Staukilometern. Gerald Hauke, Sprecher des A 6-Ausbau-Konsortiums ViA6West, verweist auf immer wiederkehrende Auffahrunfälle kurz vor dem Baustellenbeginn zwischen Steinsfurt und Sinsheim.

Aus Unachtsamkeit oder Ablenkung würden die Brummilenker oft auffahren, trotz Hinweisschildern. Jetzt setzt ViA6West auf den bei Lkw-Fahrern beliebten CB-Funk. Auf eigene Kosten habe man vor 14 Tagen einen CB-Funk-Warner eingerichtet, der in zehn Sprachen "Achtung Stau, Baustelle" ansagt. "Wir hoffen, dass wir damit die Lkw-Fahrer sensibilisieren", so Hauke.

Reißverschlusssystem funktioniert nicht

Was man sonst tun könnte, um die Staubelastung zu mildern? Harald Lepple sieht beim Baustellenmanagement Verbesserungsbedarf. Man sollte weniger Baustellen vergeben, dafür aber klare Zeitvorgaben setzen, weil Firmen sonst zu viel Personal zwischen einzelnen Baustellen hin- und herverlagerten. Und: Das Reißverschlussverfahren bei einer abgesperrten Spur funktioniere bei den Autofahrern nicht. Da ordneten sich viele zu früh ein und ließen dann einen halben Kilometer frei. "Da klemmt es immer wieder."

Württembergs ADAC-Vorsitzender Dieter Roßkopf verteidigt einerseits den Ausbau der A 6 auf sechs Spuren. "Der ist überfällig." Er hält es zudem für nötig, die Schiene in Deutschland stärker für den Gütertransport zu reaktivieren, mit attraktiven Angeboten, Investitionen in Netz und Fahrzeuge. "Das ist immer weiter zurückgefahren worden." Für ihn gibt es da keine Alternative. "So viel Straße kann man gar nicht bauen, um dem steigenden Gütertransportvolumen gerecht zu werden."

Mehr Geld für schnelle Bauarbeiten

Das Landesverkehrsministerium verweist auf die Praxis, Bauarbeiten mit festen Vertragsfristen und Bonusregelungen für beschleunigte Arbeiten zu vergeben. Es gebe verbesserte Stauinformationen durch Apps, den Ausbau der Parken- und Mitnehmen-Plätze, die temporäre Freigabe von Seitenstreifen. Und: Geplant ist, fürs Autobahnviereck Weinsberg-Walldorf-Karlsruhe-Leonberg die Netzbeeinflussungsanlage zu erweitern, Tafeln auch bei Weinsberg aufzustellen. Durch dynamische Wegweiser sollen Autofahrer auf die leistungsfähigste Strecke "umgelenkt werden".

Momentan liege der A 6-Ausbau "gut im Zeitplan", stellt ViA6West-Sprecher Hauke fest. Bis zum Buga-Beginn im April 2019 soll die neue Neckartalbrücke fertig sein und der Verkehr während der Buga auf sechs provisorischen Fahrspuren fließen - von Wiesloch bis Weinsberger Kreuz. Hauke geht davon aus, "dass es dann runder läuft".

 

Heftige Unterschiede in der Region

Das regionale Staubild im Jahr 2017.

A 6 Steinsfurt bis Weinsberger Kreuz: 16 458 km Stau, 4234 Staustunden

A 6 Weinsberger Kreuz bis Künzelsau: 6350 km Stau, 1239 Staustunden

A 81 Möckmühl bis Weinsb. Kreuz: 900 km Stau, 335 Staustunden

A 81 Weinsb. Kreuz bis Pleidelsheim: 2402 km Stau, 616 Staustunden.

Der gesamte Verkehr an der A6-Zählstelle Neckarsulm hat von durchschnittlich 93 319 Kfz am Tag (2005) auf 99 208 Kfz/Tag (2016) zugenommen (Zahl für 2017 liegt noch nicht vor). Die Heilbronner Polizei sieht eine Chance, Staus zu reduzieren, indem Güterverkehr zum Teil auf die Schiene verlegt wird. Sprecher Achim Küller regt zudem eine automatisierte Überwachung des Lkw-Überholverbots an. Und: Das manuelle Abschalten der Notbremsassistenten in Lkw sollte per Gesetz unterbunden werden.