400 neue Jobs in Heilbronner Gastronomiebetrieben

Heilbronn  Vor allem Bundesgartenschau, Hotels und neues Möbelhaus brauchen viele Arbeitskräfte. Deshalb wirbt die Branche verstärkt um Personal.

Von Bärbel Kistner

Auch Koch Boris Biggör (bekannt durch die TV-Show "The Taste") war am Donnerstag vor Ort. Der aus Brackenheim stammende Biggör kreierte im Foyer seine berühmten Mini-Gerichte auf einem Löffel.  

Lukas Maly (18) interessiert sich für eine Koch-Ausbildung. Was er befürchtet: "Dass ich in dem Beruf die Leidenschaft fürs Kochen verliere."

Diese Sorge konnte ihm Alexander Häfele ein Stück weit nehmen. Der Küchenchef des Klinikums in Löwenstein ist einer der Fachleute, die am Mittwoch auf dem Kiliansplatz junge Leute für einen Beruf in der Gastronomie begeistern wollen − weil er selbst nach wie vor begeistert ist.

Der Heilbronner Verein der Köche hat den Tag der Ausbildung mit vielen Akteuren organisiert. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist mit seinem Gastromobil da. Im umgebauten Linienbus kann man spielerisch und multimedial in typische Aufgaben hineinschnuppern: Wie begrüßt man den Gast am Hoteltresen? Welche Zutaten braucht es für Crème brûlée?

"Wer den Beruf liebt, kann sehr viel daraus machen"

400 neue Jobs in Heilbronner Gastronomiebetrieben
Der Heilbronner Verein der Köche wirbt auf dem Kiliansplatz um Nachwuchs. Herzblut für den Beruf ist entscheidend, um in der Gastronomie glücklich zu werden. Foto: Mario Berger  

Das Wichtigste aber ist das persönliche Gespräch. Dadurch hat Abiturient Lukas Maly einiges in Erfahrung gebracht: "So schlecht wird offenbar in der Branche gar nicht bezahlt." Vor allem aber locken ihn der Freiraum und die Möglichkeiten für einen Koch, im Ausland zu arbeiten. Der 18-Jährige will jetzt ein Praktikum in einer Küche machen.

"Die Welt steht einem als Koch offen", ist Küchenchef Häfele überzeugt. "Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen", das macht für ihn den Reiz aus. Weil das Netzwerk "gigantisch gut" sei, finde man rasch eine neue Stelle, wenn man sich verändern will. "Wer den Beruf liebt, kann sehr viel daraus machen."

Buga, Hotels und Restaurant in neuem Möbelhaus

Doch zunächst hoffen die hiesigen Arbeitgeber, dass das Gastronomiepersonal in der Region bleiben oder aber hierherkommen möchte. 400 neue Jobs zusätzlich gibt es nach Einschätzung der Arbeitsagentur alleine durch die Bundesgartenschau, die zahlreichen Hotelprojekte und die Ansiedlung von Möbel Rieger − das Unternehmen plant für sein Möbelhaus an der Neckartalstraße ein großes Restaurant.

"Bedarf ist in allen Bereichen da, von der Spülkraft über Hotelfachleute bis zum Koch für ein Gourmetrestaurant. Und die Stellen wird es auch nach der Buga noch geben", informiert Agentursprecherin Myriam Boos. Der Markt ist jedoch bereits jetzt leer gefegt. Für den April meldet die Agentur 214 offene Stellen.

Branche leidet unter schlechtem Ruf

Eine gute Möglichkeit, kurzfristig an Personal zu kommen, ist eine Teilqualifizierung von Arbeitskräften, zum Beispiel über den Bildungspark. Björn Siedler, Leiter des Gastro-Schulungszentrums, kann sich vor der Nachfrage der Arbeitgeber kaum retten.

"Gebraucht werden motivierte Menschen jeden Alters", sagt Siedler. Er bedauert, dass die Branche vor allem wegen der Arbeitszeiten nach wie vor einen schlechten Ruf hat − zu Unrecht, findet der Fachmann. Mit Großküchen, Firmenrestaurants oder Mensen biete die Gastronomie heute eine große Vielfalt an Arbeitsplätzen. "Man kann sich den Betrieb nach den Arbeitszeiten aussuchen."

Interesse an der Veranstaltung hätte größer sein können

Schnell die Karriereleiter erklimmen, früh Verantwortung übernehmen und gutes Geld verdienen: Auch das spricht nach Ansicht Siedlers für einen Job in der Branche.

Leon Proch, Hotelfachmann im zweiten Lehrjahr, hat sich für die richtige Ausbildung entschieden − nicht nur, weil er später in den elterlichen Hotelbetrieb in Erlenbach einsteigen will. "Gäste mit einem Lächeln zu verabschieden", ist für den 19-Jährigen die beste Bestätigung. "Kommunikativ sein, Menschenfreundlichkeit, die eigene Laune vor der Hoteltür lassen". Wer diese Eigenschaften mitbringen, sei richtig. Der Wunsch des jungen Mannes an Arbeitgeber: "Azubis nicht zu verheizen."

Die Restaurantfachfrauen Nadine Häfele, Samantha Treffert und Janine Barreuther hätten sich weitere Interessierte auf dem Kiliansplatz gewünscht, um noch mehr für ihren Traumberuf werben zu können.