350 Menschen demonstrieren gegen AfD-Veranstaltung

Heilbronn  Eine Kundgebung der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative auf dem Friedensplatz in Heilbronn ist von Gegendemonstranten lautstark, aber friedlich, kritisiert worden.

Von Alexander Klug

 

Moritz schaut ein bisschen enttäuscht. Zusammen mit anderen Zehntklässlern ist der 16-Jährige auf die Wiese vor dem Robert-Mayer-Gymnasium gekommen. "Ich wollte hören, was die AfD zu sagen hat. Man hat aber nichts verstanden." Schuld war der Lärm der Trillerpfeifen, die viele der 350 Gegendemonstranten mitgebracht haben. Denn die Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (JA) hatte auf den Platz zu einer Informationsveranstaltung mit mehreren Rednern eingeladen - 40 Teilnehmern standen innerhalb der Absperrung aus Zäunen, Absperrbändern und Polizisten, die die Lager auf Abstand hielten.

Gellendes Pfeifkonzert

Nur, wer sich zwischen den Beamten in voller Montur hindurch auf den Weg in Richtung des Anhängers mit der gelben, hochgeschlagenen Plane macht, kann mehr als einzelne Sätze verstehen. Vor dem Anhänger steht das Rednerpult, sprechen Politiker von lokaler, landes- und bundespolitischer Ebene dem Pfeifkonzert entgegen. Vor allem Organisator Marcel Wolle fühlt sich von den Verantwortlichen in den Gymnasien ungerecht behandelt. "Wir wollen der Indoktrination der Schüler etwas entgegensetzen", ruft er über den Platz. Applaus vor dem Pult, Pfeifkonzert am Absperrband. Er werde nicht rasten und ruhen, bis in jedem Klassenzimmer ein JA-Mitglied sitzt, "mit dem RMG habe ich angefangen".

Robert-Mayer-, Mönchsee- und Theodor-Heuss-Gymnasium haben sich entschlossen, Teile des Unterrichts, vor allem sechste Schulstunde und Nachmittagsunterricht, ausfallen zu lassen. "Es gibt die AfD-Veranstaltung und eine Gegenkundgebung, die Situation ist unübersichtlich und für uns schwierig einschätzbar", sagt der Schulleiter des Mönchsee-Gymnasiums, Andreas Meyer. Viele Schüler würden nach dem Unterricht mit der Stadtbahn nach Hause fahren, "auch von Elternseite kam die Bitte, zu reagieren". Sein THG-Kollege Martin Beck sieht auch den sicheren Heimweg als Argument. "Uns erschien die Lage einfach nicht klar genug." Die Schulleitung des Robert-Mayer-Gymnasiums war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nicht glaubwürdig

"Es ist überraschend, wenn Leute, die sonst nicht viel mit Europa zu tun haben wollen, plötzlich die Ode an die Freude zitieren, die Europahymne", sagt Eveline. Die 16-Jährige steht neben Moritz und schaut zwischen den Bereitschaftspolizisten Richtung Bühne. "Außerdem finde ich die Kritik, dass Deutschland ein Obrigkeitsstaat sein soll, in dem alle machen, was ,von oben" angeordnet wird, nicht glaubwürdig. Die AfD ist ja noch viel nationaler."

Ein paar Meter weiter verteilen Cajus Wypior und Anita Bendel Grundgesetztexte aus einem Karton. "Es ist ja gerade unsere Aufgabe, zu erklären, was die Idee der Verfassung ist, auf die wir unseren Amtseid geleistet haben", sagt die Lehrerin. Das Problem sei die sehr selektive Sicht der Rechten auf den Gesetzestext. "Die Grundrechte sind nicht national zu verstehen, sondern universal", ergänzt der Geschichtslehrer. Er kritisiert die Entscheidung, die Veranstaltung an diesem Ort zu erlauben.

Kundgebung ordnungsgemäß angemeldet

Öffentliche Versammlungen seien anmeldepflichtig, aber genehmigungsfrei, schreibt die Stadtverwaltung. Erst bei einer unmittelbaren Störung der öffentlichen Sicherheit könne die Behörde Auflagen erlassen. Die Kundgebung sei aber ordnungsgemäß angemeldet und das RMG am 27. Februar informiert worden. "Was die Absage von Unterricht anbelangt, so respektieren wir die Entscheidungen der Schulen, hätten uns aber auch vorstellen können, dass die Veranstaltungen pädagogisch thematisiert werden."