Neues Leben im alten Kinderhaus in Affaltrach

Obersulm  Obersulms Fachbereichsleiterin Lena Würth bezeichnet den Umbau als Volltreffer. Im Oktober wurde zunächst nur mit einer Gruppe gestartet. Die beiden Gruppen aus dem Kindergarten Wasenstraße werden während der Sanierung aufgenommen.

Von Sabine Friedrich

Neues Leben im alten Kinderhaus in der Silbergrubenstraße in Affaltrach

Rebecca kocht "Eintopf", Luisa und Simon warten am mit Spitzendeckchen drapierten Tisch schon auf das "Mittagessen". Auch Simon packt in der neu möblierten Spielküche mit an.

Fotos: Dennis Mugler

 

Luisa hat Gemüse auf dem Teller. Das hat ihr Rebecca aufgetischt. Die Dreijährige hat Eintopf gekocht. Sie ist ganz emsig in der neuen Spielküche aus englischen Holzmöbeln zugange. Simon und Konstantin sind schon beim Dessert angelangt. Es ist ein Schokokuchen - aus Stoff. Genauso wie Hund Keks, der zu Füßen der Mädchen und Buben liegt.

Seit Oktober ist nach eineinhalb Jahren Leerstand wieder Leben ins alte, umgebaute Kinderhaus in der Silbergrubenstraße in Affaltrach eingekehrt. Die erste Gruppe im Ganztagskindergarten ist in Betrieb. Sandra Rötlich ist zurück an ihrer alten Wirkungsstätte - und zwar als Leiterin der Einrichtung, die die Gemeinde wegen des großen Bedarfs an Ganztagsplätzen dringend benötigt hat.

Gebäude mit Charme

Neues Leben im alten Kinderhaus in der Silbergrubenstraße in Affaltrach

Stefanie Keil deckt den Tisch im Kinderrestaurant im Untergeschoss, bevor sie das Mittagsmahl serviert.

 

"Es ist ein altes Gebäude mit Charme", freut sich die Erzieherin, die im September 2015 in den Neubau auf der Postwiese umzog, wieder in der Silbergrubenstraße zu arbeiten. "Ich habe eine Verbindung zu dem Gebäude", sagt Rötlich, die hier vor 18 Jahren ihre Ausbildung absolvierte. Mit dem Umbau zu einem dreigruppigen Ganztagskindergarten ist sie zufrieden. "Der ist sehr zu unserem Nutzen."

Auch Lena Würth, Fachbereichsleiterin für Kindertagesstätten bei der Gemeinde Obersulm, betont, dass Architekt Philipp Ruppert das pädagogische Konzept berücksichtigt habe. "Es war ein Volltreffer", lobt Würth das Ergebnis, das für eine gute Atmosphäre im Gebäude sorge. Das ist auch ein Stück weit ihr Verdienst. Es zahle sich auch in Bausachen aus, dass man eine Fachberatung habe, so die Rückmeldung aus Erzieherinnen-Kreisen.

Dachgeschoss ausgebaut

Würth und Rötlich zeigen das ausgebaute Dachgeschoss. Hier sind Wände für den dritten Gruppenraum entfernt worden, der beim offenen Konzept der Einrichtung einmal als große Bauecke dient. Ein Schlafraum schließt sich an. Toilette und zwei Büros finden unterm Dach ebenfalls Platz. Für jede der drei Gruppen gibt es einen Computer-Arbeitsplatz. Die Möblierung - die Gemeinde stellt 120 000 Euro für die Ausstattung des Gebäudes bereit - fehlt noch.

Aufnahmestopp bei Ganztagsplätzen

Neues Leben im alten Kinderhaus in der Silbergrubenstraße in Affaltrach

Lena Würth (links) und Sandra Rötlich im ausgebauten Dachgeschoss mit Gruppen- und Schlafraum.

 

Der Grund: Die 45 Kinder aus der Wasenstraße erhalten in der Silbergrubenstraße vorübergehend eine Bleibe, weil im Juni dort die Kindergartensanierung beginnt. Die dauert mindestens bis März 2019, wie Würth berichtet. Zum einen ist deshalb das reaktivierte Kinderhaus im Oktober 2017 vorerst nur mit einer Gruppe gestartet, die nach und nach mit 20 Mädchen und Buben voll belegt sein wird. Zum anderen herrscht deshalb Aufnahmestopp bei Ganztagsplätzen.

Aber: Nach den Sommerferien gebe es im Kinderhaus Postwiese "ziemlich viel Luft" durch Schulanfänger, sagt Würth. Zudem decken neun Tagesmütter die restlichen Betreuungszeiten für Regelkindergartenkinder ab. Ab Juni stehen zwei Kinder auf der Warteliste, für das Kindergartenjahr 2018/19 gibt es 27 Vormerkungen für ganztags, ein Jahr später bereits sechs.

"Es war eine vorausschauende Planung", sagt Würth zur Entscheidung des Gemeinderats, das alte Kinderhaus wieder ins Angebot aufzunehmen. Die Fachbereichsleiterin ist sich sicher, dass der Trend zur Ganztagsbetreuung anhält.

Speisesaal und Küche im Untergeschoss

Über eine breite Holztreppe, wo früher die Garderobe war, geht"s ins Untergeschoss. Aus dunklen Lager- und Kellerräumen ist ein lichtdurchflutetes Zimmer mit großen Fenstern geworden: das Kinderrestaurant. Stefanie Keil vom Caterer Apetito hat drei Tische mit grün-weißen Tellern und Gläsern eingedeckt. Sie wärmt das gefroren angelieferte Essen auf, portioniert es, bereitet Salat zu und den Nachmittagssnack, reinigt das Geschirr in der Spülküche. Die musste ebenso eingebaut werden, wie der "reine" Bereich für die Zubereitung sowie Umkleide- und Sanitärraum fürs Küchenpersonal. Noch ist Zeit bis zum Essen. Die Kinder fangen derweil im großen Garten Schneeflocken ein.

 

Zahlen

Umbau und Sanierung des Kinderhauses Silbergrubenstraße in Affaltrach kosteten 830.000 Euro. Bund und Land gewährten 388.000 Euro Zuschuss. Die 80 Ganztagsplätze im Neubau auf der Postwiese, im September 2015 bezogen, reichten nicht aus, deshalb hat die Gemeinde die alte Stätte reaktiviert. Hier sind drei Gruppen mit 60 Plätzen möglich. Die Betreuungszeit: 7 bis 17 Uhr. Pro Gruppe sind 3,5 Stellen notwendig. Das Personal für die erste Gruppe stammt aus den eigenen Reihen.