Sanierung des Blauen Turms: Was hinter der Fassade steckt

Bad Wimpfen  Die Sanierung des Wimpfener Wahrzeichens schreitet voran. Steinmetze tauschen derzeit beschädigtes Gestein aus und entdecken zu ihrer Überraschung tiefe Löcher im Mauerwerk.

Von Kirsi-Fee Rexin

 

Nanu, hat der Blaue Turm etwa einen neuen Look? Das könnte sich fragen, wer in diesen Tagen an dem steinernen Riesen vorbeikommt. Denn ähnlich den Stacheln eines Igels ragen bis in sechs Metern Höhe unzählige Eisenstangen aus dem Mauerwerk.

Zudem präsentiert sich der Sockel des historischen Wahrzeichens neuerdings in Gelb. "Keine Sorge, der gelbe Lehmputz kommt später wieder ab. Der Blaue Turm bekommt sein altes Gesicht zurück", beruhigt Architekt Stefan Schädel von Strebewerk Stuttgart. Die rund sieben Millionen Euro teure Sanierung schreitet sichtbar voran.

Flüssiger Mörtel kommt in jeden kleinen Riss

"Der Turm hat sich über die warmen Tage aufgeheizt, wodurch wir nun auch im Kern konstante zehn Grad haben. Dadurch kann der Mörtel sauber ausreagieren. Unter zehn Grad wird er nicht genügend fest." Über die Eisenstangen, die noch den ganzen Schaft entlang gesetzt werden, wird nun nach und nach Mörtel injiziert.

Damit soll das Wahrzeichen Stabilität zurückgewinnen. Kleine Ventile, sogenannte Packer, verhindern, dass der Baustoff bei der Injektion wieder herausläuft. "Unser Mörtel ist anfangs flüssig wie Wasser. Er kommt dadurch in jeden kleinen Riss."

Bislang keine Beschwerden über Baulärm

Über die Bohrungen würden die Anwohner regelmäßig informiert. "Wir achten darauf, der direkten Nachbarschaft lärmtechnisch nicht zu viel zuzumuten, und bisher habe ich auch noch keine Beschwerden erhalten", freut sich Architekt Stefan Schädel.

Was hinter der Fassade steckt

Architekt Stefan Schädel zeigt die Stellen, an denen stark beschädigte Sandsteine herausgenommen wurden. Sie werden durch neue ersetzt.

Fotos: Ralf Seidel

 

Was mit bloßem Auge nicht sichtbar ist, ist die Feuchtigkeit, die im Mauerwerk steckt. Seit den achtziger Jahren sei konstant Wasser hineingelaufen. "Das liegt an den Fallrohren für den Dachablauf", weiß Stefan Schädel.

"Anders als bei Wohnhäusern hat der Blaue Turm vier Regenrinnen, die im Innern verlaufen. Da die Rohre allerdings undicht sind, haben wir heute ein klatschnasses Mauerwerk", erklärt er. "Eine maschinelle Trockenlegung wie bei Wohnungen mit nur 20 Zentimeter dicken Mauern ist hier nicht möglich. Wenn die Rohre wieder dicht sind, wird alles mittelfristig trocknen."

Mit der Kamera durchs undichte Regenrohr

Was hinter der Fassade steckt

Über mehrere solche Löcher war bei den Arbeiten 1850 das Gerüst befestigt.

 

Auf dem Turmumlauf kümmern sich deshalb Stefan Eisen, Volkan Heptunali und Uli Kabon darum, die Entwässerungsleitungen zu sanieren. "Wir gehen mit einer Art Bürste in jedes Rohr. Daran sind auch Schläuche befestigt, über die Polymerharz an die Bürste gespritzt wird."

Der Vorgang wird von einer kleinen Kamera begleitet. Über einen Monitor können die Mitarbeiter von Rohrreinigung Benz aus Leonberg so verfolgen, wie im Innern der vier bis 13 Meter langen Leitungen das Harz über die rotierende Bürste aufgetragen wird.

"Am Schluss sollte eine drei Millimeter starke Beschichtung drauf sein", erklärt Stefan Eisen. Dafür seien pro Rohr circa zwölf Durchgänge notwendig.

Am Turmaufsatz haben Steinmetze in der letzten Zeit Fugen ausgearbeitet und stark beschädigte Sandsteine aus dem Mauerwerk entfernt. In einem Steinmetzbetrieb wird derzeit die Nachfolge gefertigt. Kleine Holzstücke verhindern derweil, dass die Steine drumherum durch die entstandenen Hohlräume zusammenfallen.

Löcher stammen von Sanierungsarbeiten aus dem 1850

Was hinter der Fassade steckt
Mit einer Bürste und Harz beschichten die Mitarbeiter von Rohrreinigung Benz die alten Entwässerungsleitungen. So kann keine Feuchtigkeit mehr ins Mauerwerk gelangen.  

Bei den Arbeiten stießen die Handwerker auch auf eine kleine Überraschung: Hinter einzelnen Steinen versteckten sich bis zu einem halben Meter tiefe Löcher. "Das war erstmal ein Hoppla-Erlebnis", gesteht Stefan Schädel. "Wir wollen ja ein kompaktes Mauerwerk."

Mittlerweile habe man aber herausgefunden, dass die Löcher von Sanierungsarbeiten aus dem 1850 stammen. "Um die Schäden nach dem Blitzeinschlag zu beheben, haben die Arbeiter damals ein Gerüst aus Holz gebaut. Und um das zu befestigen, wurden Holzbalken ins Mauerwerk geschlagen." Stefan Schädel nimmt"s gelassen: "Wenn das die einzige Überraschung bleibt, bin ich zufrieden. Außerdem ist es ja ein historisches Zeugnis."