Neues Hotel in Neuenstadt kommt doch nicht

Neuenstadt  Statt eines Hotel-Neubaus mit 60 Zimmern soll im früheren Schlecker am Neuenstadter Lindenplatz eine Bäckerei mit Bistro und Eiscafé eröffnen. Das alles gibt es aber schon - nur wenige Meter entfernt.

Von Vanessa Müller

Neues Hotel in Neuenstadt kommt doch nicht
Dort, wo jetzt der Schlecker steht, soll eine Bäckerei mit Bistro und Eiscafé aufmachen. Rechts neben dem Parkplatz: das Eiscafé Italia. Foto: Vanessa Müller

Es schien alles in trockenen Tüchern - doch das Hotel, das ein Investor am Neuenstadter Lindenplatz bauen wollte, kommt doch nicht. Zumindest vorerst. Stattdessen soll eine Bäckerei mit Bistro und Eiscafé in den ehemaligen Schlecker einziehen - in direkter Nachbarschaft zu örtlichen Betrieben.

Das Eiscafé Italia ist nebenan, das Reis'ebeck mit genau dem selben Angebot nur wenige Meter entfernt. "Ich finde das alles nicht sehr einfallsreich", ärgert sich dessen Inhaber Karl-Bernhard Reis. "Für uns wird es jetzt nur schwieriger."

Bürgermeister Norbert Heuser hingegen zählte in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Vorteile des Vorhabens des Investors auf, dessen Name bisher nicht öffentlich genannt wurde. "Das Gebäude steht seit der Schlecker-Insolvenz vor fünf Jahren praktisch leer", gab der Rathauschef zu bedenken. "Dieses Problem wäre temporär beseitigt."

Das Problem: bestehende Mietverträge

Warum wird aus dem Hotel in den kommenden Jahren nichts? "Das alte Gebäude kann nur abgerissen werden, wenn die bisherigen Mieter ausziehen", sagte Heuser. Es gebe jedoch bindende Verträge. In dem Komplex sind eine Apotheke und eine Zahnarztpraxis untergebracht. Außerdem leben Privatleute dort. "Damit ist das Hotel nicht vom Tisch. Es ist nur zeitlich gerade nicht angedacht. Das hat uns der Investor wissen lassen."

Große Hoffnungen

Einen Bebauungsplan für den Hotel-Neubau hatte der Gemeinderat schon vor einem Jahr abgesegnet. Die Hoffnungen im Rathaus waren groß. "Wir wollen das Stadtbild mit dem Hotel aufwerten, außerdem werden neue Arbeitsplätze geschaffen", unterstrich der Rathauschef damals. Gäste könnten nicht nur Geschäftsreisende sein, die den Gewerbe- und Industriepark Unteres Kochertal (GIK) oder Unternehmen im benachbarten Neckarsulm besuchen. Sondern auch Touristen, die beispielsweise auf dem Kocher-Jagst-Radweg unterwegs sind.

Das Hotel mit 60 Zimmern, Restaurant und Eventbereich sollte Frequenzbringer sein für andere Neuenstadter Betriebe. Bisher gibt es in der Stadt nämlich nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten.

Städtebaulich attraktiv

Auch die neue Bäckerei werde das Stadtbild aufwerten, ist Heuser überzeugt. Mit großer Glasfront auch am Gebäudeteil zur Cleversulzbacher Straße hin und Außenbewirtung sei sie baulich attraktiv. Stellplätze würden durch Tische und Stühle vor dem Geschäft nicht wegfallen. Denn der Investor plane, das rückwärtige Riel-Gebäude abzureißen und dort Stellflächen einzurichten.

Kritik von örtlichen Betrieben

An den Plänen des Investors kann der Gemeinderat nicht viel ändern. Aber: "Ich hätte mir eine andere Nutzung gewünscht", machte Klaus Gussmann, CDU-Fraktionschef im Rat und HGV-Vorsitzender, deutlich. "Eine, die unseren Betrieben keine Konkurrenz macht."

Karl-Bernhard Reis drückt es so aus: "Diese Bäckerei bringt uns nichts, sie nimmt uns nur". Schon jetzt sei sein Unternehmen das einzige in der Branche, das aus der Stadt stamme. "Härdtner, Förch und Denzer, dazu die Backshops bei Lidl oder Aldi. Eine Unterversorgung gibt es bei uns bestimmt nicht." Wenn die Konkurrenz dagegen zu groß werde, müsse man als Unternehmer unter Umständen an der Preisschraube der Ware drehen. "Und dann sagen die Leute: Wir gehen lieber zum Discounter."

 

Info

Die alten Gebäude im Bereich von Apotheke und ehemaligem Schlecker wollte der Investor abreißen, nur die Gewölbekeller sollten erhalten bleiben. Das Hotel mit 60 Zimmern und sechs Geschossen sollte sich dem Straßenverlauf Mühlrain - Lindenplatz - Cleversulzbacher Straße anpassen. Es war größtenteils 13,8 Meter hoch geplant, ein akzentuierter Teil hätte 15,2 Meter gemessen. Im Erdgeschoss sollten die Lobby, ein Restaurant mit Veranstaltungsraum und die Küche entstehen, im Untergeschoss eine Tiefgarage mit 72 Stellplätzen und Anlieferungszone. Sie wäre über den Mühlrain erreichbar gewesen. Auch eine neue Apotheke wäre laut Plan an nahezu identischer Stelle wieder eingezogen. Sie hätte sich über einen Teil des Erdgeschosses erstreckt und ein Lager im ersten Obergeschoss bekommen.