Hexe, Clown und Johnny Däpp rocken Asphalt

Erlenbach  Rund 100 Fußgruppen, Wagen und Kapellen von 45 Vereinen verwandeln beim 60. Binswanger Faschingsumzug die Doppelgemeinde in ein närrisches Tollhaus.

Von Werner Glanz

Hexe, Clown und Johnny Däpp rocken Asphalt
Artistisch: Die Leicha Hexa aus Gerbersheim beweisen mit ihrer Pyramide, dass Hexengruppen nicht nur zum Fürchten sind.  

Am Rosenmontag gehen in Erlenbach traditionell die Uhren anders - und die Binswanger geben den Ton an. Genauer gesagt, der Carnevals-Club Binswanger Boschurle (CCBB). 

CCBB-Zugmarschall Patrick Scholl schätzt die Zahl der Aktiven, die vom Becker-Gelände bis zur Sulmtalhalle marschieren auf bis zu 2000. Am Straßenrand jubeln tausende kostümierte und gutgelaunte Zuschauer - viele mit Stoffbeuteln oder Plastiktüten ausgerüstet - dem Gaudiwurm mit kräftigen Helau-Rufen zu.

Schlechtes Wetter legt Pause ein

Bum, bum, bum: Die Schweitzer Guggenmusiker "Absolut Fidelia Chappele" geben pünktlich um 13.01 Uhr das Startkommando. Der Spaßkonvoi setzt sich mit fetzigen Rhythmen, farbenprächtigen Kostümen, tanzenden Garden und jeder Menge Wurfmaterial an Bord bei akzeptablen äußeren Bedingungen in Bewegung. Der Wettergott meint es in der Tat gut mit den Binswangern, denn Schneeflocken und Regen haben sich pünktlich zum Start verzogen. Ab und zu lugt sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. Noch mehr Grund zur Freude hat Tine Ball, die am Alten Binswanger Rathaus das Geschehen moderiert: "Das passt heute", strahlt die CCBB-Programmministerin. "Der Heimumzug ist eben doch etwas Besonderes."

Hexe, Clown und Johnny Däpp rocken Asphalt
Ein bunter Clown sorgt für gute Laune beim Umzug des CCBB. Er wird dabei von den Gardemädchen der Sulmtalnarren Ellhofen begleitet. Fotos: Werner Glanz  

Die Crème de la Crème der Unterländer Karnevalsvereine, komplettiert von Narren aus Murr, Lorch, Gerbersheim, Tamm, Schweikheim, Hemmingen, Untertürkheim, Neckarweihingen, Reihen und weiteren Orten, ziehen bunt und laut durch den Ort. Ein Heimspiel hat neben den Boschurle selbst die Kapelle des Musikvereins Binswangen, zwei Hexengruppen und das Spieleparadies Simsalabim mit einigen Attraktionen. Auch der Asphaltrocker "Johnny Däpp" lässt mehrmals grüßen. Einige Gruppen sind erstmals dabei wie die Maskengruppe "Schadda Wesa", die Leicha-Hexa aus Gerbersheim und der Kindergarten "Schatzinsel" der Schwarz-Gruppe.

Auf der Flucht vor den Hexen

Ganz andere Probleme hat, wie viele junge Frauen, derweil Yvonne aus Weinsberg, die vor dem Binswanger Hexenexpress auf der Flucht ist. Doch für die 28-Jährige gibt es kein Entrinnen.

Wer in die Fänge der Hexen gerät, wird kräftig mit Stroh eingerieben, oder durch einen Trichter geschoben und wie ein Weihnachtsbaum eingenetzt. "Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so hilflos wie nie zuvor", könnte man beim Anblick der jungen Dame - leicht abgewandelt - Goethes Faust zitieren. Die Erlenbacher Kayberghexen gehen da schon etwas humaner mit dem Narrenvolk um. Doch wer Pech hat, wird kurzerhand gepackt, hochgeworfen und mitgeschleift. Extra-Beifall erhält die Hexenbrut für ihre Pyramide, die sie mehrmals wiederholen.

Dem einen oder anderen Narr am Straßenrand wird es allerdings doch ein bisschen mulmig: Die Hexengruppen sind zum Fürchten - aber doch friedlich. Ein Kontrast dazu ist ohne Zweifel ein farbenfroher Clown, der bestens gelaunt durch die Straßen zieht. Zwei Stunden zieht sich der Gaudiwurm, der immer wieder ins Stocken gerät, an den über 10.000 Besuchern vorbei.

Am Ende versammeln sich Hunderte auf dem Marktplatz. Mit Guggenmusik wird bis zum Einbruch der Dunkelheit weiter dem Frohsinn gefrönt. Derweil vergnügen sich die jüngsten Narren beim Kinderfasching in der Sulmtalhalle.

 

Weitere Termine

Seit 60 Jahren gibt es Fasching im Erlenbacher Ortsteil Binswangen. Während die ersten Jahre der Musikverein Binswangen federführend war, organisiert seit 38 Jahren der 335 Mitglieder zählende CCBB das närrische Treiben in der Sulmtalgemeinde. Am Faschingsdienstag sind die Boschurle beim Umzug in Gundelsheim dabei. Am Aschermittwoch wird dann beim Heringsessen im Vereinsheim der Fasseputz verbrannt. Die Saison schließt endgültig am 24. Februar mit dem 15. Männerballett-Turnier, das erst zum zweiten Mal in der Erlenbacher Sulmtalhalle ausgetragen wird.