B27-Anschluss: Die Zeit für alternative Planungen ist abgelaufen

Neckarsulm  Es kommt Bewegung in ein Projekt, das die Stadt Neckarsulm seit mittlerweile 16 Jahren beschäftigt: den B27-Anschluss Binswanger Straße.

Von Christian Gleichauf

Die Zeit für alternative Planungen ist abgelaufen
Blick von der Brücke Binswanger Straße nach Norden auf die B27, wo der Anschluss geplant ist. Noch verengt sich die Bundesstraße hier auf zwei Spuren. Fotos: Mario Berger

Dazu wird nun ein weiteres Gutachten erstellt. Dann sollen die Bürger im nächsten Jahr gut informiert entscheiden - Ja oder Nein. Doch manche machen sich ihre ganz eigenen Gedanken.

Warum nicht einfach die Anschlussstelle verlegen?

Etwa Irmgard Reinhardt. Die Neckarsulmerin wohnt an der Binswanger Straße und befürchtet das Schlimmste, wenn die Verkehrsströme wie geplant umgeleitet werden. "Ich habe mir etwas überlegt", erzählt sie unserer Zeitung. Warum, so ihr Vorschlag, verlege man den Anschluss nicht um einige Hundert Meter nach Norden in den Bereich des Pichterich-Stadions? Fotos und Pläne hat sie gemacht und will so dokumentieren, dass dort deutlich weniger Bürger betroffen wären.

Zu planungsrechtlichen Details dieser Variante könne sie zwar nichts sagen. "Aber das muss man eben mal anschauen. Andernorts werden ja auch Tunnels gebaut, die oft viel mehr kosten", findet die Frau, die ihren Vorschlag am Montag auch Oberbürgermeister Steffen Hertwig unterbreiten durfte.

Sie war nicht die einzige in der Bürgersprechstunde des OB. Der sagt, er setze sich natürlich mit den Ideen auseinander. "Aber wir haben es hier mit einer hochkomplexen Materie zu tun. Sowohl was die positiven oder negativen Auswirkungen auf den Verkehr angeht, wie auch in Bezug auf die Kosten." Hertwig vermutet, dass die jüngsten Vorschläge seiner Mitbürger die Stadt deutlich teurer zu stehen kommen würden als die bisherige Planung.

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Zurück auf Null

Die Zeit für alternative Planungen ist abgelaufen

Blick auf die Brücke Binswanger Straße (links) und die Baumschule Schimmele. Die Gärtnerei müsste verlegt werden. Auch das ist ein großer Kostenpunkt.

 

Auch das zuständige Regierungspräsidium lässt keine Zweifel daran, dass es sich bei Überlegungen wie denen von Irmgard Reinhardt nicht um kleine Abwandlungen der bestehenden Pläne handeln würde. "Es wäre eine neue Planung ab dem Entwurfsstadium notwendig. Man würde in diesem komplizierten Verfahren rund fünf Jahre zurückgeworfen", teilt ein Sprecher in Stuttgart auf Stimme-Anfrage mit. Logische Konsequenz: Die rund 1,3 Millionen Euro, die die Stadt bisher schon für Gutachten und Planung ausgegeben hat, wären damit ebenfalls verloren.

Bedenken der Grünen

Auch die Grünen um den verkehrspolitisch engagierten Volker Raith machen sich Gedanken - und haben zahlreiche Bedenken. Hauptkritikpunkt ist, dass die B27 in Richtung Norden den zusätzlichen Verkehr gar nicht aufnehmen könnte. Auf Höhe des geplanten Anschlusses sei die Bundesstraße schon heute überwiegend "voll". Die Einleitung erfolge dort, wo vier Spuren auf zwei reduziert werden. Um einen totalen Stillstand zu vermeiden, so Raith, bräuchte es eine noch viel größere Lösung, die allerdings nicht umsetzbar wäre. Bis die B 27 auf vier Spuren ausgebaut wird - wie im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen - dauere es weitere 15 Jahre.

OB Hertwig hält dagegen, dass man mit solchen Schätzungen von einem Worst-Case-Szenario ausgehe. "Den zugesagten Ausbau bei unseren Planungen gar nicht zu berücksichtigen, wäre doch töricht." Klarheit soll nun das Gutachten bringen, das in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig in Auftrag gegeben wurde.

Sogar die grünen Stadträte haben - entgegen ihrem ursprünglichen Vorhaben - zugestimmt. "Auch wenn es uns schwerfällt", wie Stadtrat Stefan Müller einleitend festgestellt hatte.

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Viele Fragen

Entscheidend war: Das Gutachten soll genau darstellen, wie sich ein neues Gewerbegebiet "Linkes Tal" auf den Verkehr auswirken würde. Wie der zusätzliche Verkehr mit und ohne neuen Anschluss abfließen kann. Und nicht zuletzt wie der Verkehr sich insgesamt entwickelt für die einzelnen Straßen im Umfeld.

Die Ergebnisse werden in Bürgerinformationsveranstaltungen im nächsten Herbst vorgestellt. Anschließend sollen die Neckarsulmer Bürger entscheiden, ob die Stadt ihren bislang zugesagten Anteil an dem 38-Millionen-Euro-Projekt tragen soll. So viel ist sicher: Es wären wohl mehr als die veranschlagten 21 Millionen Euro.

Gewerbegebiet Linkes Tal

Zu den Interessenten für das geplanten Gewerbegebiet "Linkes Tal" gehörte auch die Schwarz-Gruppe. Firmenchef Klaus Gehrig hatte vor zwei Jahren klargestellt, dass sein Unternehmen dazu keinen Anschluss an die Bundesstraße fordere. Die Pläne für das Linke Tal wurden vorerst aufgegeben. "Wir schöpfen derzeit das Entwicklungspotential am Standort Stiftsbergstraße und in der Region aus", erklärt das Unternehmen auf Anfrage.