Wenn der Minister über eine Leiche stolpert

Von unserer Mitarbeiterin Ute Plückthun

Wenn der Minister über eine Leiche stolpert
Das Treffen von Minister Braun (Rolf Römmele) mit der Sektretärin (Meike Tietze) gerät "Außer Kontrolle". Sekretär Georg (Mitte, Thomas Ederle) ist gefragt.Foto: Plückthun 

Oedheim - Absurde Extravaganz, rasantes Tempo und ausgeklügelter Wortwitz als Grundzutaten, dazu eine tüchtige Prise sexueller Anspielungen und fertig ist die Farce. Fein abgeschmeckt und vorzüglich serviert brachte das Oedheimer Kolpingtheater die besondere Form der Komödie auf die Bühne der Kochana. "Außer Kontrolle" gerieten dabei lediglich die Lachmuskeln der Zuschauer, während die Darsteller eine hervorragende und konzentrierte Leistung zeigten.

Protagonisten Die Komödie hat es in sich: Bildet sie doch nicht nur die bloße Wirklichkeit ab, sondern bietet Schwächen und Unzulänglichkeiten in gepfefferter und gesalzener Form. Davon haben die Protagonisten in der Farce des englischen Erfolgsautors Ray Cooney wahrlich genug. Allzu menschliche und manchmal gar nicht realitätsfern.

Ein Minister, der lieber im Luxushotel statt im Berliner Bundestag leidenschaftlich wird. Eine Sekretärin der Opposition, die mit dem politischen Gegner flirtet. Ein Regierungssekretär, der vom Muttersöhnchen zum größten Bock außerhalb des Parlaments mutiert. Und schließlich eine Leiche, die mehrfach lebendig wird. Mehr, als allen anderen lieb ist.

Geschlossen und fast schon professionell ist die Leistung, die die Laienschauspieler unter Regie von Andreas Rüdenauer und nach Sprechtraining bei Kerstin Müller in der Kochana bieten. Diese ist bei der Premiere voll besetzt, der Andrang groß: Mehrere eilig hinzu gestellte Stühle bieten später hinzugekommenen Zuschauern Platz, manche müssen jedoch auch auf nachfolgende Aufführungen vertröstet werden. 295 Gäste kommen in den Genuss der Aufführung, die zu jeder Zeit einen gezielten Angriff auf die Lachmuskeln darstellt.

Raffiniert das Bühnenbild, das sich nicht nur als Luxushotelsuite mit eingebautem Sofa auszeichnet. Immer wieder kommt das Fenster als Guillotine mit Ladehemmungen zum gekonnten Einsatz. Auch die Nebenrollen mit der zwischenzeitlich gar nicht mehr so verbiesterten Krankenschwester Förster (Antje Götz), der prickelnden Ministergattin Paula (Ulrike Drechsler), dem gestrengen Manager im Adlon(Hubert Mosthaf) oder dem stets auf seinen monetären Vorteil bedachten Kellner Horst (Rainer Osterholz) sind zum Piepen komisch.

Glanzleistungen liefern Meike Tietze in luftiger Kostümierung als Oppositionssekretärin Jana und ihr herrlich prolliger, mit Goldkettchen bestückter, Ehegatte Ronnie aus Eberswalde (Christian Enderer) ab. Insbesondere Rolf Römmele als Minister Richard Braun ("Nenn mich Dicky") und Thomas Ederle als sein willfähriger Sekretärsgehilfe wider Willen brillieren.

Nicht nur, weil sie dauerhaft präsent sind und ihre auswendig gelernte Textmenge unglaublich scheint. Sondern vor allem deshalb, weil Mimik und Gestik fein abgestimmt sind und punktgenau kommen. Etwa der bis ins Mark erschütterte Gesichtsausdruck Georg Renners, der dessen Verzweiflung für das Publikum zum pointierten Paradestück werden lässt. Oder die jovialen Gesten des Ministers, der im Vorbeigehen und scheinbar nebenbei auch mal über eine Leiche springen muss.

Verwicklungen "Körper" nennt sich die Rolle von Andreas Herdecker, die durchaus anspruchsvoll ist. Muss er sich als Leiche doch gekonnt hängen lassen und dabei blind auf seine Mitspieler vertrauen. Heftige Plumpser, wenig liebevolle Behandlung und die Aufbewahrung an einem Haken im Schrank inklusive. Auch als wiedererweckter Detektiv hat er die Lacher auf seiner Seite. Turbulent sind die Verwicklungen der irrwitzigen Komödie, die am Ende mit viel Applaus belohnt wird. Schließlich ist sogar noch der letzte Satz für Überraschungen gut.




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