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Proben mit Leiche und Ministergattin
Von unserer Mitarbeiterin Ute Plückthun
Oedheim - Atemberaubend, absurd und akribisch geht es im Kolpingtheater Oedheim zu: Wahnwitzige Wortspiele und halsbrecherisches Tempo bringen die Protagonisten komplett "Außer Kontrolle". Allerdings jagen sie nur im Bühnengeschehen von einer Katastrophe zur nächsten. Bei den Proben der Farce aus der Feder des zeitgenössischen englischen Autors Ray Cooney haben Regisseur Andreas Rüdenauer und die neun Schauspieler alles im Griff.
"Oh, bist du hässlich", freut sich Andreas Rüdenauer. Antje Götz nimmt das Kompliment mit charmantem Lächeln, schließlich muss sie als Krankenschwester Agnes Förster schrecklich verbiestert aussehen. Ihr Kostüm sieht aus, wie es sich der Regisseur vorgestellt hat: "Schwarze, biedere Teile und eine Brosche an die Gurgel gehaucht". Nur der Rock taugt nicht, erlaubt er doch keine großen Sprünge.
Durchs Fenster Die sind bei "Außer Kontrolle" jedoch immer wieder erforderlich. Schließlich müssen die Akteure durch das Fenster klettern, sich schnell aus dem Staub machen oder über die Leiche springen, die zeitweise keine mehr ist. Seit September wird geprobt, ab dieser Woche sogar dreimal wöchentlich. Denn das Stück macht seinem Namen alle Ehre und steckt voller Tücken.
Feinste Mimik, gezielte Betonung, minutiöse Abstimmung, bewusst überzogene Gesten und ausgefeilter Slapstick: "Die Dialoge bestehen zum Teil nur aus Ein-Wort-Sätzen, die haarscharf aufeinander folgen müssen", führt Andreas Rüdenauer aus. Er führt im dritten Jahr beim Erwachsenenstück der Oedheimer Kolpingfamilie Regie. "Alles muss laufen wie ein Schweizer Uhrwerk", betont er. "Wenn ein Rädchen wegbricht, kracht das ganze Stück zusammen." Mit Andrea Deckert, Traudel Heimberger und Margarete Link stehen gleich drei Souffleusen parat.
Schließlich sollen die Zuschauer viel zu lachen haben beim turbulenten Tête-à-Tête des skrupellosen Ministers Braun mit der Sekretärin der Opposition, das von einem misstrauischen Hotelmanager und einem geschäftstüchtigen Kellner beäugt, von einer unterkühlten Ministergattin und einer liebeshungrigen Krankenschwester begleitet und mit einer Leiche und einem vor Eifersucht rasenden Ehemann konfrontiert wird. Von London wurde die Handlung nach Berlin verlegt. "Ähnlichkeiten mit lebenden Politikern sind aber total unbeabsichtigt", betont Minister Rolf Römmele schmunzelnd.
Blaue Flecken "Lass ihn erst fallen und rede dann weiter", empfiehlt Andreas Rüdenauer. Rolf Römmele stutzt zunächst, handelt dann aber wie gewünscht. Blaue Flecken inklusive: Keine leichte Rolle für Andreas Herdecker, auch wenn er als "toter Körper" vorrangig rumhängen muss. Schweißtreibende Schwerstarbeit leisten dagegen der Minister und sein pflichtbewusster Sektretär, die nicht nur mit der Leiche zu Gange sind: "Ich habe dazu noch einige Frauen zu stemmen", sagt Thomas Ederle von seiner Rolle als Georg Renner.
Detailarbeit findet hinter den Kulissen statt: "Das Bühnenbild ist einfacher, aber interessanter geworden", kündigt Hans-Joachim Drechsler an. Ein einziges Zimmer im Nobelhotel, dafür eine Bühne, die 45 Zentimeter erhöht sowie mit Sofa und opulenter Fensterfront versehen ist. Und immer wieder das bedeutungsvolle Fenster: Im richtigen Moment muss es herunterfallen, dann wieder abgebremst werden. "Nervös sind wir nicht", versichert Rüdenauer. "Aber es ist eine große Anspannung da."
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