Keine Chance auf Tempo 30

SPD-Antrag im Gemeinderat abgelehnt - Mahnwache der Bürgerinitiative

Von Ute Plückthun

Keine Chance auf Tempo 30
Die erste Familie hat das Handtuch geworfen: Vor allem Anlieger und Eltern wehren sich in Offenau gegen die Ortsdurchfahrt der B 27.Foto: Ute Plückthun

Offenau - Kopfschütteln auf der Zuschauerbank: Mit einem Unentschieden von sechs zu sechs Stimmen hatten die Bürgervertreter den Antrag der SPD-Fraktion auf Einführung von Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt abgelehnt.

Gefahrenbereich Bereits im Februar hatte die Bürgerinitiative B 27 Offenau (BI) „Tempo 30 für den Gefahrenbereich Schulweg“ beantragt. Während einer Gemeinderatssitzung sechs Wochen später hatte Thomas Röcker vom Regierungspräsidium Stuttgart (RP) die Zuständigkeit für die Genehmigung zwar zurückgewiesen, die Einführung von Tempo 30 im Bereich um die Schulwegampel auf einer Strecke von 70 Metern in beide Richtungen und in der Zeit von 7 bis 18 Uhr als „wahrscheinlich unstrittigen Abschnitt“ eingestuft.

SPD-Fraktionssprecher Peter Klotz hatte den Antrag nun auf die Strecke zwischen der Bushaltestelle an der Mozartstraße und der Einmündung Neckarstraße sowie auf 24 Stunden ausgeweitet, „um auch dem Fußgängerverkehr ein Mehr an Sicherheit zu bieten“. Bürgermeister Michael Folk machte klar, dass er damit „gut leben“ könne. „Ich befürchte aber, dass die 70 Meter für das RP das Maximale sind und alles, was darüber hinaus geht, nicht akzeptiert wird.“

Harsch zurückgewiesen wurde der Antrag vom CDU-Sprecher. „Das ist ja ein toller Antrag“, sagte Alfred Erlewein. „Das bringt so gut wie gar nichts.“ Wenn Tempo 30 nicht überall gelte, „machen wir nichts“. Ampeln und Kontrollen sorgten ausreichend für Sicherheit. Außerdem habe man darüber „eingehend diskutiert“ und „dieses Thema genügend breitgetreten“.

Während der Bürgermeister Erlewein darauf hinwies, dass Schülersicherheit nichts mit Ungleichbehandlung zu tun habe und eine Reduzierung am „besonderen Gefahrenpunkt“ erwünscht sei, zeigte sich auch FWV-Fraktionsvorsitzender Michael Hoffer von der Ausweitung des Antrags überrascht. „Das ist zu weit, auch im Sinne vom Verkehrsfluss, und bei 70 Metern bin ich auch noch dagegen.“

Matthias Lingen (FWV) erachtete „eine Ausweitung gerade im Sinne der Älteren“ für sinnvoll. Trotzdem erteilten Hoffer und die gesamte CDU-Fraktion nicht nur dem erweiterten Antrag eine Absage, sondern auch der kleinen Lösung mit einer Temporeduzierung vor und nach der Schulwegsampel.

„Ich habe gedacht, dass wir die Mehrheit kriegen“, sagte Folk nach der Abstimmung bedauernd. „Es geht hier nicht generell um Tempo 30, sondern darum, den Schulweg sicherer zu machen.“ BI-Mitglied Theo Gehrig, der als Anwohner seit Jahrzehnten gegen den „Terror am Ort“ protestiert, ist „schockiert über die Argumentation“.

Er hätte sich „mehr Geschlossenheit im Gemeinderat“ und ein Berücksichtigen von Bürgerwünschen erhofft. Bei vielen Offenauern verspürt er „geringes Interesse“ oder „zu große Frustration“. In CDU-Richtung stellt der ehemalige Schulleiter die Frage nach Verantwortungsbewusstsein: „Was ist, wenn etwas passiert?“ Bei einer Mahnwache gestern Abend wollte er ein Plakat mit der Aufschrift „Nicht so eilig, fahr 30“ und „CDU, was tust du?“ tragen. „Schade“, findet auch BI-Kollege Johannes Müllerschön das Patt im Gemeinderat. Dass Tempo 30 kommt, ist für ihn „nur eine Frage der Zeit“.