Immer ein kleines Abenteuer

Neckarsulm - Erst hören, dann sehen heißt es am Samstagmittag vor dem Neckarsulmer Audi-Forum. Ein lautes Knattern ist zu hören, das müssten sie doch sein.

Von Stefanie Pfäffle

Immer ein kleines Abenteuer

"Zum Geburtstag wollten wir an den Geburtsort zurück."

Andreas Jankowitsch

Neckarsulm - Erst hören, dann sehen heißt es am Samstagmittag vor dem Neckarsulmer Audi-Forum. Ein lautes Knattern ist zu hören, das müssten sie doch sein. Nein, eine ganze Kolonne von Treckern mit Anhängern fährt vorbei. Passt irgendwie, war der Spitzname der alten NSU Blockmodelle doch Neckarsulmer Traktor. Da kommen sie nun aber doch, die knapp 40 Maschinen aus den 20er und 30er Jahren, die am Wochenende mit ihren Besitzern zu einem Treffen im Unterland zusammen kamen.

Privatleute
 
Zum zehnten Mal bereits findet dieses Treffen der Blockmodelle statt, zum ersten Mal hier in der Region. "Zum Jubiläum wollten wir an den Geburtsort zurück", erklärt Andreas Jankowitsch aus Gundelsheim-Höchstberg, der das Ganze gemeinsam mit Jochen Nonnenmacher aus Sinsheim organisiert.

Sie sind kein Club, sondern einfach Privatleute, die untereinander die Treffen absprechen. Denn sie sind schon etwas Besonderes, diese Blockmodelle. "Das war damals eine schwere Tourenmaschine, sehr teuer und deswegen gibt es sie heute nur noch selten." 500 maximal schätzt Jankowitsch auf der ganzen Welt. Bereits in den 80ern hatte er mal versucht, an eine heranzukommen. Keine Chance.

Erst als die Wende kam, gab es eine Zeitlang einen ganz guten Markt, jetzt ist es wieder schwerer geworden. Jankowitsch fährt eine 501 T Baujahr 1927, also aus dem ersten Produktionsjahr. "Fünf Jahre lang habe ich restauriert, jetzt fahre ich seit zwölf Jahren damit."

Zuverlässig

Die mächtigen, robusten Motoren sind es, die begeistern. Zuverlässig tuckert man damit mit 80 Stundenkilometern über die Straße, mancher sogar bis nach Italien oder England wie Martin Hofmann. "Früher sind wir mit den Kindern damit in den Urlaub gefahren", erzählt der 55-Jährige. Seit 1985 hat er seine TS 601 Baujahr 1935 und seitdem wird getourt. "14 Tage fahren, drei reparieren und dann wieder eine Woche fahren." Mit dem Werkzeug muss man schon umgehen können, wenn man eines dieser Seniorenmodelle fährt.

Auch diesmal hat der Rheinstettener viereinhalb Stunden von Rheinstetten ins Unterland gebraucht − zweieinhalb Stunden davon hat er repariert. "Die Liebe zur Technik und das kleine Abenteuer, ob man ans Ziel und wieder zurück kommt, das reizt einfach", findet Hofmann. Doch irgendwie gehe es immer, seine Maschine mit Beiwagen hat noch nie einen Anhänger gesehen.

Das wäre für Tibor Mikolasek doch etwas weit gewesen. Er gehört zu den internationalen Teilnehmern des Treffens und ist extra aus Ungarn angereist. "Wir sind schon zum dritten Mal dabei, ich habe meine Maschine vor zehn Jahren auch in Deutschland gekauft", erzählt er. Zwar fänden sich in Ungarn auch noch einige Modelle, aber die wären kaum noch zu retten. "Die Qualität hier ist besser." Glänzend steht seine TS 501 Baujahr 1934 allerdings nicht da. "Dafür ist alles original."

Sich austauschen, Tipps für Ersatzteile geben und gemeinsam fahren − das steht an diesem Wochenende im Vordergrund. Die Werksführung bei Audi, der Kontrast zwischen alt und neu, haben sie schon hinter sich. Ebenso den Besuch im NSU-Zweiradmuseum.

Nach dem Gruppenbild vor dem Audi-Forum geht es knatternd zurück auf die Straße. Diesmal sind es keine Traktoren.