Schlamm-Kur für den Annasee

Bagger fressen sich durch die braunen Massen

Von Wolfgang Seybold

Schlamm-Kur für den Annasee
Ein Bagger steckt tief in den Schlamm-Massen. Insgesamt vier Wochen wird hier gearbeitet und 20 000 Euro investiert, um den Annasee zu erhalten.Foto: Werner Kuhnle

Beilstein - Das Wasser ist schon seit einiger Zeit aus dem Annasee abgelassen. Jetzt ist Richard Geiger dabei, mit seinem Bagger vorsichtig den Weiher von der dicken Schlammschicht zu befreien. Denn das als Naturdenkmal ausgewiesene Gewässer im beliebten Naherholungsgebiet bei Gagernberg drohte zu verlanden.

Amphibien Die Stadt Beilstein hat im zähen Ringen mit der Bezirksstelle für Naturschutz erreichen können, dass rund zwei Drittel der Seefläche entschlammt und ein kleiner Teil des Röhrichts entfernt werden darf. „Wir haben ein sehr enges Zeitfenster für diese Aktion vorgegeben bekommen, damit die im See lebenden Amphibien keinen Schaden nehmen“ sagt Revierförster Oliver Muth, der aufmerksam die Arbeiten verfolgt. Vier Wochen werden in die Entschlammung investiert, Kostenpunkt: 20 000 Euro.

Langsam lässt Richard Geiger seinen Bagger durch den 40 Zentimeter hohen Morast fahren und schiebt die halbflüssige Masse vor sich her zum Ufer hin. „Ich muss sehr aufpassen, dass die Wasser sperrende Lettenschicht darunter nicht beschädigt wird“, sagt der versierte Baggerfahrer über die heikle Aufgabe. Ein blauer, dreiachsiger Laster vom Beilsteiner Bauunternehmen Müller wartet am Seerand schon darauf, mit dem Schlamm beladen zu werden.

Fünf Kubikmeter oder rund 26 Tonnen werden bei einer Fuhre von Andrea Albrecht zu der nahe gelegenen Abladestelle am Seeklingenweg im Gewann Kübelsteige gefahren. Die zierliche junge Frau hält mit viel Geschick den großen Lkw auf dem schmalen Waldweg, wendet in einer kleinen Bucht und fährt rückwärts über den Abhang, dort wo die schlammige Masse abgeladen wird. Der Kipper hat schon eine bedenkliche Schräglage erreicht, da öffnet sich die Ladeklappe. In weitem Schwall schießt die graue Brühe in den Wald.

Interessierte Spaziergänger „Wir haben die speziellen Vorrichtungen für die Schlammarbeiten am Lkw und am Bagger selbst entwickelt und montiert.“ Andrea Albrecht muss 400 Fuhren Morast vom Annasee wegfahren, bis dieser wieder für die nächsten Jahre mit klarem Wasser glänzen kann. Die Säuberungsaktion wird von den Spaziergängern mit Interesse wahrgenommen.

„Die Entschlammung des Annasees ist richtig“, meint Manfred Wund, der das Waldgebiet regelmäßig für Spaziergänge aufsucht. Es hätte ja sonst die Gefahr bestanden, dass der See in absehbarer Zeit ganz verschwunden wäre.

Wie lange wird es denn dauern, bis der Annasee wieder mit Wasser gefüllt ist? Förster Muth ist mit seiner Prognose vorsichtig. Schließlich handelt es sich um einen künstlich angelegten See, der nur vom Regenwasser gespeist wird. „Es könnte Monate dauern“, vermutet er.