Originelle Ideen rund um Klassiker

Kfz-Mechaniker verbindet bei Oldies Beruf und Hobby

Von Elke Khattab

Originelle Ideen rund um Klassiker
Die mobile Kaffee-Bar „Café HY“ gehörte einem Zuckerbäcker. Ines Schmiedl hat den Kleinbus mit Lebensgefährte Martin Wanzenberg restauriert.Foto: Elke Khattab

Brackenheim - Noch immer klebt der kleine rosa Zulassungsaufkleber an der Windschutzscheibe: „96“ ist der französischen Plakette zu entnehmen - bis zu diesem Jahr war der Citroën-Kleinbus namens „HY“ in Frankreich zugelassen. Zurzeit steht er auf dem Hof der Fachwerkstatt „Martin's Service“ im Gewerbegebiet Bischofswiesen in Dürrenzimmern und wartet auf seinen nächsten Einsatz. „Ursprünglich war es der Verkaufsbus eines französischen Zuckerbäckers. Seine Patisserie- und Boulangerie-Waren fuhr der Inhaber damit 37 Jahre lang von Dorf zu Dorf“, erzählt Martin Wanzenberg zur Geschichte des 36 PS-starken Gefährtes, Baujahr 1959.

Kaffeespezialitäten Der gelernte Kfz-Mechaniker ist auf die Restauration von Oldtimern spezialisiert. So stand es für ihn und seine Lebensgefährtin Ines Schmiedl außer Frage, den HY wieder aufzupolieren. „Eigentlich wollten wir ihn als Wohnmobil nutzen, aber dann haben wir denselben Bus Baujahr 1980 angeboten bekommen.“ Nach einiger Überlegung, was man aus dem bereits als Verkaufswagen genutzten Wellblech-Fahrzeug machen könnte, kam die Idee: „Auf Veranstaltungen und Festen wird alles Mögliche angeboten, aber kein richtig guter Kaffee.“ Latte Macchiato, Kaffee Erdnuss oder Kaffee Kokos sind nur drei von über 20 verschiedenen Kaffeespezialitäten, die Ines Schmiedl im nostalgischen „Café HY“ neben Chai Latte und Croissants seit 2008 anbietet. Von Firmen werde die mobile Kaffee-Bar auch gemietet, betont die kaufmännische Angestellte.

Nostalgie Am schwierigsten bei der liebevollen Restaurierung sei nicht nur die Zulassung mit einem zweigeteilten Kennzeichen gewesen, sondern auch die Farbfindung: Während Auto-Experte Wanzenberg die Originalfarbe Grau vorgezogen hätte, überzeugte ihn seine Lebenspartnerin mit der Kombination schokoladenbraun und vanillegelb: „Das passt besser zum Café.“

Martin Wanzenberg weiß mit individuellen Wünschen umzugehen: Ob es sich um den bordeauxroten Citroën DS 23 handelt, den weißen Mercedes SL, um den gelben AMI 8 oder die Kastenfahrzeuge Acadiane - bei rund 50 Oldies hauptsächlich aber der Marke 2CV, die auf seinem Werkstattgelände in der Horkheimer Straße dicht nebeneinander stehen, handelt es sich um Basis-Fahrzeuge, die er auf Bestellung entsprechend seiner Kundenwünsche restauriert: „Wir kriegen alles hin“, sagt der Spezialist, der für sein Know-how in Sachen „Ente“ bundesweit bekannt ist. Seine eigene türkis-metallic-lackierte Ente hat 34 PS: „Die schafft 140 Stundenkilometer.“ Was ihn an den nostalgischen Fahrzeugen fasziniert? „Sie sind zuverlässig. Was nicht drin ist, kann auch nicht kaputt gehen.“