Lustvoller Streifzug durch die Geschichte des Jazz

Lauffen - Musiker und Universitätsprofessor Klaus Graf konzertierte mit der Daimler Big Band aus Stuttgart

Von Ulrike Maushake

Immer wieder besucht Klaus Graf seine alte Heimat. Foto: Ulrike Maushake

Lauffen - Mütter lieben ihre Söhne. Auch ihre großen. Es gibt Mütter, die lieben ihre Söhne erst oder besonders dann, wenn sie groß wurden und sich in der weiten Welt einen Namen machten. Städte sind solche Mütter. Und einen Sohn, den Lauffen am Neckar stets liebevoll und stolz ans Herz drückt, wenn er wieder auf Besuch kommt, das ist der Musiker und Universitätsprofessor Klaus Graf.

Es heißt, er sei einer der besten Jazz-Saxophonisten Europas. Stets willkommen auch die vielen Freunde, die er stets mitbringt. Musikerfreunde. Dieses Mal war es gar ein ganzes Orchester. Die Daimler Big Band aus Stuttgart.

Die Idee, ein werkseigenes Orchester zu gründen, kam von Klaus Graf. Doch lange hielt sich der Automobilkonzern bedeckt, wies ihn und sein Anliegen mehrfach ab, bis sich schließlich Peter Herbolzheimer einschaltete, langjähriger Leiter des von Daimler gesponserten Bundesjugend-Jazzorchesters. Inzwischen hat die Firma erkannt, welchen Imagegewinn eine Firmenkapelle darstellen kann, besonders, wenn sich ein Musiker mit Weltklasse ihrer annimmt.

„Highlights of Bigband Music“ lautete der Titel des Konzerts in der Stadthalle am Samstagabend. Dicht besetzt die Stuhlreihen; ein begeistertes Publikum sorgte dafür, dass sich Klaus Graf und seine Musiker geliebt fühlen durften.

Laien, dieses Mal, allesamt bei Daimler angestellt: Bandarbeiter, Personalchefs, Sekretärinnen, Ingenieure, Designer. Mit Klaus Graf haben sie einen musikalischen Leiter, dem Mut und die Fähigkeit zum Improvisieren besonders am Herzen liegen, der das Orchester fordert und fördert. Seit zehn Jahren. Das Ergebnis: Eine Bigband, die, so Herbolzheimer, einem Vergleich mit professionellen Bands standhalte.

Dynamisch, lustvoll und präsent gestaltete die Band den Streifzug durch die Geschichte des Jazz, mit so berühmten Titeln wie „Sing, sing, sing“. Der Swing-Klassiker. „Benny Goodmans Einzug in die Carnegie Hall“, so Graf. Das war vor ziemlich genau 70 Jahren, dass die Goodman Bigband die ehrwürdige Konzerthalle eroberte. Der Jazz hatte sich durchgesetzt. Dann das beliebte „In The Mood“. Berühmt wurde es durch das Glenn Miller Orchestra. Es leitete die musikalische Invasion der Amerikaner ins Kriegseuropa ein. Es heißt, sogar das Häftlingsorchester des KZ Buchenwald habe es gespielt. Glenn Miller, Major und Leiter zweier großer Orchester der US Army, starb 1944. Einer der berühmten Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Seine Musik, einst als Fanfare der Befreiung gefeiert, lebt weiter. Zum Beispiel im Repertoire der Daimler Bigband.

Die phantastische Sängerin Karin Fitzel beherrscht die ganze Stimmpalette einer Tigerin, vom zufriedenen Schnurren, leisen Maunzen, übers aggressive Knurren und Fauchen bis hin zum Angriffsschrei. Sie verlieh dem Konzert eine spezielle emotionale Färbung.

Das Publikum genoss den Ausflug in den Kosmos des Jazz.